Freilichtmuseum Schliersee – Bier brauen wie vor 300 Jahren

Das Freilichtmuseum

Das Freilichtmuseum Schliersee, das 2007 vom ehemaligen Skifahrer Markus Wasmeier gegründet wurde, versucht ein altbayrisches Dorf nachzubilden. Insgesamt besteht das Dorf aus 5 größeren Gebäuden. Neben dem Wirtshaus, das sich in der Mitte des Areals befindet, sind drei Höfe im Kreis angeordnet. Der erste Hof auf dem Rundweg ist das Handwerkerhaus. Hier erhält man einen Einblick in die Werkstatt einer Schreinerei Schusterei und Brennerei. Darauf folgt der Lukashof, in dem die Ausstellung „Strom im Wandel der Zeit“ gezeigt wird. Gleich dahinter folgt der Riederhof. Dieser Hof ist der einzige, der samt der originalen Inneneinrichtung wieder aufgebaut wurde und enthält eine Getreidekammer, Stallungen, sowie Wohngebäude im ersten Stock. Nun führt der Rundweg ein kleines Stück aus dem Dorf heraus, hin zum Bienenhaus im traditionellen Ständerbau. Das Haus ist besonders schön anzusehen, da die Stirnbretter, vom Kirchen- und Lüftlmaler Günther Wasmeier, mit religiösen Motiven oder Fabeln kunstvoll bemalt wurden. Sie sollen nicht nur schön sein, sondern auch Bienen und Imker vor Krankheit und Unglück bewahren.

Der Weg führt zurück zum Wirtshaus „Zum Wolfen“, an dem auch das Museumsbräu angeschlossen ist, das im zweiten Teil des Beitrags eine größere Rolle spielt. Hinter der Wirtschaft gelang man zum Feld- bzw. Kinderstadel, wo diverse Spiele für Kinder aufgebaut sind. Weiter führt der Weg, wieder hinaus aus dem Kern, zur Kasalm. Von dort führt der Weg wieder zurück zum Behamhof, der als neuester Hof zum Museum gekommen ist. Alle Gebäude wurden dem Museum entweder geschenkt oder von ihm erworben – die originale Bausubstanz wurde am Ursprungsort abgebaut und hier her verlegt. Auch die Tiere des Bauernhofs dürfen im Museum nicht fehlen. Sie blenden ganz natürlich im Umkreis der genannten Höfe ein. 

Das Dorf ist von April bis November, Dienstag bis Sonntag geöffnet. Von München aus ist das Freilichtmuseum ganz einfach mit der BOB zu erreichen. Die Station Fischhausen – Neuhaus befindet sich fast genau gegenüber des Eingangs.

Historischer Braukurs

Das Museum allein ist schon immer einen Besuch wert, aber meiner hatte noch einen besonderen Grund. Ich habe mich zu einem historischen Braukurs angemeldet! Es lohnt sich, sich frühzeitig Gedanken zu machen, wann man diesen Kurs buchen möchte, da er aufgrund von großer Nachfrage meistens sehr schnell ausgebucht ist. Für den Kurs werden zwei verschiedene Varianten angeboten – die zweite, für die ich mich entschieden habe, bietet neben dem Kurs zusätzlich auch den Wiedereintritt ins Museum und zwei abgefüllte Flaschen des selbstgebrauten Bieres.

Ich war Teil einer elfköpfigen Gruppe, die mehrheitlich aus Männern bestand – was sich im Nachhinein als großer Vorteil erwiesen hat.

Morgens um 9.00 Uhr geht’s los: Der Braumeister holt die Gruppe am Eingang des Museums ab und drückt jedem einen Steinkrug und eine Schürze in die Hand, die man am Ende als Souvenir mit nach Hause nehmen kann. Darauf folgt eine kurze Einführung über den Ort an dem man sich befindet, sowie über die einzelnen Gebäude – vorrangiges Thema ist das Wirtshaus „Zum Wofen“, wozu auch die historische Schöpfbrauerei gehört. Hier wird gebraut wie vor 300 Jahren.

In der Brauerei angekommen steht man vor einem Kupferkessel mit ungefähr 1000 l Fassungsvermögen. Er wird durch einen, mit Holz befeuerten, Kamin beheizt. Sobald das Feuer brennt werden Wasser und Maische in den Kessel gegeben. Ab jetzt wird mit den sogenannten Harfen fleißig gerührt – die Maische darf sich nicht auf dem Boden absetzten, da sie sonst anbrennen könnte, was sich im Geschmack des Bieres Wiederspiegeln würde. Das Gemisch muss langsam auf 75°C erhitzt werden. Die ganze Zeit über muss unablässig gerührt werden. Zeitlich dauert dieser Teil etwa 1 1/2 bis 2 Stunden. Ab hier wird einem auch klar, warum die Gruppe aus 11 Mann besteht. Auf längere Zeit ist das Rühren sehr anstrengend und die Männer übernehmen den Löwenanteil! Um das ganze etwas aufzulockern, wird die Gruppe ab der Hälfte geteilt. Der eine Teil darf Frühstücken, während der andere weiter rührt. Danach wird gewechselt.

Wenn das Bier auf Temperatur gebracht wurde folgt der nächste Schritt: Es wird geläutert. Das bedeutet: Die Flüssigkeit muss aus dem Sudkessel in den Läuterbottich geschöpft werden. Im Inneren des Bottichs befindet sich ein metallenes Sieb, das das Bier vom sogenannten Trester trennt. Bis es soweit ist sind allerdings drei Aufgüsse von Nöten. Die abgeläuterte Flüssigkeit wird dann wieder zurück in den Sudkessel geschöpft.

Jetzt muss der Kessel erneut befeuert und das zukünftige Bier auf ungefähr 100°C erhitzt werden. Wenn die Temperatur erreicht worden ist, kommt es zur ersten Hopfengabe. Für den Geschmack des Biers ist nur der feine gelbe Staub der Hopfendolde nötig, die Blätter werden später wieder abgeseiht. Das Gemisch wird die ganze Zeit über weiter erwärmt. Nach etwa 30 Minuten folgt die zweite Hopfengabe. Diesmal bleibt die Zugabe nur kurz im Kessel. Das noch nicht ganz fertige Bier wird über eine lange Holzrinne ins Kühlhaus geleitet. Dort werden, mit Hilfe eines kupfernen Siebs, die Hopfenblätter von der Flüssigkeit getrennt. Zu diesem Zeitpunkt schmeckt das Gemisch sehr süß und malzig.

Das finale Ergebnis des Tagwerks kann man erst in ungefähr 5 -6 Wochen probieren. Solange muss die Flüssigkeit gären und reifen.

Schloss Sanssouci und der alte Fritz

Schloss Sanssouci und der alte Fritz haben eine ganze besondere Verbindung, deshalb kann man eigentlich keinen Reisebericht zum Schloss schreiben, ohne zu erklären wer der alte Fritz gewesen ist und warum er dieses Schloss so sehr geliebt hat – so sehr, dass er heute auf der obersten Terrasse des Weinbergs begraben wurde.

Wer ist der Alte Fritz?

Andy Warhol – Friedrich II

Friedrich der Zweite wird 1712 in Berlin in das Herrscherhaus der Hohenzollern geboren. Er ist der dritte Sohn von Friedrich dem Ersten und Sophie Dorothea von Hannover – seine beiden älteren Brüder überleben das Kindesalter nicht und so rückt er in der Thronfolge an die Spitze. Der junge Friedrich erhält eine strenge, autoritäre und religiös geprägte Erziehung, die sehr im Gegensatz zu seiner zarten Seele steht. Er nimmt heimlich Flötenunterricht und interessiert sich mehr für Kunst und Literatur als für Militär und seinen Pflichten als Thronfolger. Dadurch kommt es auch immer wieder zu Streit mit dem strengen Vater, der sich bis zu körperlichen Züchtigungen vor dem gesamten Hof steigert.

1740 besteigt Friedrich II. nach dem Tod seines Vaters den preußischen Thron. Nur 5 Jahre später beginnt er mit dem Bau des Lustschlosses Sanssouci („Ohne Sorge“), das in der Rekordzeit von zwei Jahren fertiggestellt wird. Der König bewohnt seinen Sommersitz in den Weinbergen zwischen April und Oktober. Das kleine Schloss ist nicht für das höfische Zeremoniell gedacht und dient Friedrich als Rückzugsort, an dem er seine privaten Interessen nachgeht.

in der Öffentlichkeit zeigt er sich immer in der einfachen Uniform eines Obersten seines Garderegiments mit dem Stern des Schwarzen Adlerordens als einzigem Schmuck. Im Laufe seiner Herrschaft setzt Friedrich zahlreiche Reformen durch. Er schafft die Folter ab, er zeigt sich offen gegenüber Einwanderern und religiösen Minderheiten und führt die allgemeine Schlupflicht ein. Von ihm stammt auch das Zitat „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“.

Schloss Sanssouci

Heute kann das Schloss nur in Form einer Tour besichtigt werden. Es empfiehlt sich das Ticket im voraus zu kaufen, wenn man Sanssouci zu einer bestimmten Zeit besuchen möchte. Ich habe mich für das Ticket „Schloss Sanssouci und preußische Schlösser“ für 22€ entschieden. Es wird immer nur eine kleine Gruppe in das Gebäude gelassen, damit es nicht überläuft. Mit Hilfe eines Audioguides wird man in 12 Stationen durch das Schloss geführt. Ohne die Geschichten aus dem Kopfhörer hätte ich wahrscheinlich das ein oder andere bemerkenswerte Detail übersehen. Die Gestaltung im Inneren nimmt immer wieder Bezug auf den Garten und die Weinberge vor der Türe. Nur die Bibliothek, mit mehr als 2.000 Büchern, ist abgeschirmt von den anderen Räumen. Nur der König und seine Diener haben hier Zutritt. Das Herz des Hauses ist das Arbeits- und Schlafzimmer Friedrichs des zweiten. Nach seinem Tod war das Zimmer so abgewohnt, dass es vor einem erneuten Bezug erst einmal gründlich renoviert werden musste. Zur ursprünglichen Einrichtung gehört nur der Mahagonischreibtisch mit Dokumentenschrank, sowie die Standuhr am Fenster und ein mit grünem Stoff bespannter Sessel. In diesem Sessel verbrachte der alte Fritz aufgrund seiner Gebrechen seine letzten Lebenswochen und verstarb 1786 schließlich auch darin. Entlassen wird man schließlich durch vier Gästezimmer, wobei das prunkvollste bis zum Ende aufgespart wird. Die Wände sind übersät von floralen Elementen die nicht nur gemalt, sondern auch plastisch dargestellt sind. Bei näherer Betrachtung finden sich auch zahlreiche Tiere zwischen den Ranken. Die Blumenkammer wird heute nach ihrem berühmtesten Gast als Voltaire – Zimmer bezeichnet.

Die Neuen Kammern

Mein Ticket beinhaltet nicht nur die Besichtigung des Schlosses Sanssouci, sondern auch die Schlösser im Park. Alle an einem Tag zu besichtigen halte ich für sehr sportlich, aber nicht für unmöglich. Ich habe mir nur die Schlößchen in der Näheren Umgebung von Sanssouci herausgepickt. Alle habe ich nicht geschafft. Besonders beeindruckt haben mich die Neuen Kammern, an denen ich fast vorbei gelaufen wäre, da sie von außen so unscheinbar aussehen. Entworfen wurde das Gebäude als Orangerie, erst 1775 wurde es zum Gästeschloss umgebaut. Durch den Umbau entstanden 7 Gästezimmer, der Stil hat sich aber kaum verändert. Geprägt sind die Neuen Kammern von Friedrichs Lieblingsstil, dem Rokoko. Durch die Führung via QR Code auf meinem Handy durfte ich lernen, dass sich Rokoko vom französischen Wort „roccaile“ ableitet, was Muschelwerk bedeutet.

Das Chinesische Haus

Als nächstes mache ich einen Spaziergang durch die Weinberge und den Park und bin gespannt, was mich dort erwartet. Zahlreiche Wege führen immer wieder ab vom Hauptweg und führen in kleine Irrgärten oder Nischen in denen Skulpturen aufgestellt sind. Nach ein paar Metern komme ich an ein Flussufer dem ich folge und schwupps bin ich in China! Vor mir liegt das Chinesische Haus. Der Gartenpavillon leuchtet in Grün und ist mir goldenen chinesischen Figurengruppen geschmückt. Durch den Überseehandel mit China kamen Ende des 17. Jahrhunderts Kunsthandwerk ganz neues Kunsthandwerk nach Europa – Perlmutt, Lackmalerei, Seidenstoffe und Porzellan. Schon in Sanssouci sind, wenn man genau hinsieht, immer wieder Porzellanarbeiten ausgestellt. In den neuen Kammern zieren sie eine ganze Wand. Und auch im chinesischen Haus liegt der Fokus der Ausstellung auf Porzellan. Es lohnt sich bei aller Faszination für das Handwerk auch der Blick nach oben. In der Kuppel des Gebäudes ist eine zauberhafte asiatische Landschaft gemalt. Als ich das Haus verlassen habe, setzt sich der Gedanke in mir fest, dass es eigentlich schade ist, dass in meiner Generation fast niemand mehr teures oder altes Porzellan zu Hause hat, sondern nur irgendwelche Werbetassen oder Merchandise von Comicfilmen. Vielleicht sollte ich der Vitrine meiner Großmutter doch mehr Aufmerksamkeit schenken und ihr Angebot annehmen mir eine der schönen Tassen dort auszusuchen.

Villa Rustica Brederis

Versteckt hinter einem Golfplatz und neben einem Fussballplatz findet man die Villa Rustica in Rankweil. Das anktike Landgut Brederis umfasst 3 ausgegrabene Gebäude, die vom 1. bis 5 Jahrhundert nach Christus besiedelt waren. Das erste Haus wurde 1954 entdeckt, in den Grabungen 2002 und 2007 kamen das Haupthaus und ein römisches Badehaus dazu. Im näheren Umfeld vermutet man noch weitere Gebäude, die aktuell aber noch durch Felder verborgen sind.

Zwischen den Fundamenten wurde eine begehbare Plattform errichtet, die Glasvitrine auf dem Bild oben gib den Blick frei auf einen kleinen Teil der Originalmauern des Haupthauses. Die wechselhafte Geschichte des Orts und die Funktion der Gebäude wird durch Texttafeln an der Seite für die Besucher zugänglich. Eine kleine Schauwand zeigt Fundstücke, die vor Ort gefunden wurden – Waffen, Münzen, Fibeln, Keramik und ein Weinsieb.

Nationalpark Butrint

Wer Sarandë als Base für Ausflüge nimmt hat nur eine kurze Autofahrt nach Butrint. Die Fahrt war für uns allerdings etwas kurios. Zunächst war es gar nicht so einfach die Autovermietung zu finden. Mit Hilfe von Google Maps haben wir uns auf einen Platz navigiert, wo die Vermietung zu finden sein sollte. Allerdings war da eben nur ein Platz mit einer Skulptur und weit und breit nichts was nach einer seriösen Autovermietung aussieht. Nach einigem hin und her entschließen wir uns am nächsten Kiosk zu fragen, wo den die ominöse Vermietung zu finden sei – und tadaa! Wir haben sie gefunden. Die Kaution und Bezahlung läuft komplett in Euro ab und dann bekommen wir auch schon den Schlüssel zu unserem Kleinwagen.

Mit diesem geht es dann an der Küste entlang durch das benachbarte Ksamil – wo an allen Ecken und Enden gebaut wird und keine Baustelle so gesichert ist, wie man es aus Westeuropa gewohnt ist: sprich man fährt einfach durch die Lücke, die die Bauarbeiter dem Verkehr lassen. Shops, die auf Touristen warten Reihen sich wie Perlen an einer Kette. Sobald man die Stadt verlässt verändert sich der Anblick: Grüne Hügel soweit das Auge reicht und zwischendurch spitzt das Meer zwischen den Bergen durch. Die Straße endet mit der Landzunge. Hier befindet sich der Nationalpark Butrint.

An sich ist der Nationalpark riesig. Die komplette umliegende Landschaft gehört zum Park dazu. Eine kleine Fähre würde uns über den Fluß auf die andere Seite bringen, wo sich der landschaftlich wunderschöne Teil der Parks erschließt. Ich habe mein Auge allerdings auf den diesseitigen Teil geworfen, da neben dem Parkplatz schon das Tor zur antiken Stätte Butrint wartet, die ich mir als Teil des UNESCO Weltkulturerbes nicht entgehen lassen wollte. Für umgerechnet 10€ erhält man Zutritt zum weitläufigen Gelände, auf dem sich über die Jahrhunderte Griechen, Byzantiner, Venezianer und Osmanen die Klinke in die Hand geben.

Laut klassischer Mythologie wurde die antike Stadt von den Verbannten, die die gefallene Stadt Troja verließen, gegründet. Auch ohne Plan findet man sich auf dem Gelände gut zurecht. Zahlreiche Wegweiser führen in einem Rundweg zu dem wichtigen Landmarken.

Highlight des Rundgangs ist die Taufkapelle mit Mosaiken aus dem 6. Jahrhundert. Aktuell sind die vor Ort erhaltenen Originale zur Erhaltung zugeschüttet – sie werden nur alle paar Jahre freigelegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dafür ragen die große Basilika und das Theater aus dem 3. Jahrhundert fast in Originalgröße in den Himmel. Funde aus dem Areal finden sich im kleinen Museum, das in der venezianischen Burg ganz oben auf dem Hügel untergebracht ist.

Die 10€ ist der Besuch definitiv wert. Man bekommt richtig viel zu sehen. Geeignet ist der Ausflug auch für heißere Tage, da man die meiste Zeit im Schatten der Bäume verbringt.

Sarandë – An der albanischen Riviera

Die für mich zeitlich kürzeste Anreise ist auch die chaotischste. Mit dem Flieger geht es nach Korfu, Griechenland. Von dort steige ich auf die Fähre nach Sarandë. Hört sich einfacher an als es am Ende ist. Der Shuttle Bus bringt uns direkt vom Flughafen direkt zum Fährhafen. Dort deutet der Busfahrer auf das letzte Gebäude am Ufer – und dann geht der Struggle für mich los. Der Terminal sieht aus als hätte seit den 90er hier niemand mehr gearbeitet und es ist kein Mensch zu sehen. Wo kann ich hier ein Ticket für die Fähre kaufen? Frage ich mich und schaue mich hilflos in der verlassenen Halle um. Nur ein paar laminierte Schilder weisen den Weg „to Albania“, aber die Tür zu der sie führen ist verschlossen.

Kurz entschlossen, da der Abfahrtszeitpunkt langsam näher rückt, entscheide ich mit den Worten „no risk, no fun“ online ein Ticket für 30€ zu kaufen. Keine Ahnung ob ich am richtigen Terminal bin, keine Ahnung wie das hier weiter gehen soll. Das Terminal füllt sich mit der Zeit immer mehr und 20 Minuten vor Abfahrt öffnet sich tatsächlich die Tür „to Albania“. Eine kurze Passkontrolle – ich verlasse ja schließlich die EU – später geht es auf die Speedfähre, die wie scheinbar alles am Hafen, ebenfalls aus den 90ern entsprungen ist. Kurze 30 Minuten später setzte ich zum ersten Mal meine Füße auf albanischen Boden. Zu meiner persönlichen Enttäuschung gibt es an der Grenze keinen Stempel in den Pass. Vor dem Fährterminal stehen schon zahlreiche Taxifahrer bereit, die auf Kundschaft warten.

Entspannung steht bei diesem Urlaub an erster Stelle. Deshalb beschließe ich den Hotel eigenen Pool so oft wie möglich zu nutzen und eventuell auch etwas Bräune abzukriegen. Am Anfang ist es für mich sehr ungewohnt nirgendwo hin zu müssen, nichts geplant zu haben und einfach nur „sein“ zu können.

Da ich noch in der Vorsaison reise, habe ich den Pool vormittags ganz oft für mich alleine. Die meisten anderen Gäste sind auf der Durchreise und bleiben nur 1-2 Nächte im Hotel.

Der Strandpromenade merkt man die Vorsaison noch ein bisschen an – viele Strandbars und Souvenirshops haben noch geschlossen und überall wird im Hintergrund gewerkelt, renoviert und neu gebaut. Trotzdem werden ich bei den obligatorischen Postkarten und einem der kitschigsten Kühlschrankmagneten überhaupt fündig.

Je mehr Tage vergehen, desto mehr erkunde ich die Stadt. Am anderen Ende leuchtet nachts ein Riesenrad und ich beschließe: Das schau ich mir tagsüber mal an. Dort angekommen ist das Areal enttäuschender als auf den Bildern im Internet. Das Riesenrad und der Autoscooter darunter sind schon etwas in die Jahre gekommen. Die Zwischenräume zwischen den Fahrgeschäften sind vollgestopft mit allerlei Automaten. Zu gewinnen gibt es allerdings nur Tand aus Fernost, was es für mich schnell uninteressant macht.

Da kann ich mich dann auch den zahlreichen Boutiquen an der Promenade und der Hauptstraße dahinter widmen. Meistens öffnet sich im hinteren Teil der größeren Geschäfte eine andere Welt. Plötzlich steht man zwischen „Hermes“ Handtüchern, diversen Handtaschen großer und teurer Marken und Designer-Sonnenbrillen. Jetzt wundere ich mich auch nicht mehr über die vermeintlich sehr teuren Handtaschen, die ich abends in Hülle und Fülle an den Armen der Damen auf der Strandpromenade sehe.

Wenn die Promenade zu langweilig wird, ragt über der Stadt die Burg Lekuresit. In den sozialen Medien ist das einer der ersten Sightseeing Spots, der angezeigt wird, wenn man nach Sarande sucht – und wie bei fast allem in den sozialen Medien, ist der Ort online viel spekakulärer als in echt. Möglicherweise liegt das an der Nebensaison, denn auch hier sind Kioske und das Restaurant noch nicht geöffnet.

Die Aussicht über die Bucht ist nichtsdestotrotz wunderschön. Für Hochzeiten ist die Location im Sommer bestimmt ein Traum. Jetzt – ohne die vielen Leute – fallen mir vor allem die Überreste sowjetischer Bunkeranlagen auf, die wie Maulwurfhügel im Gelände verteilt sind.

An Regentagen kann ich das Museum der Traditionen empfehlen. Für 100 Lek, was umgerechnet etwa 1€ ist, erhält man Zugang zu diesem Museum, das direkt in der Mitte der Strandpromenade gelegen ist, sowie zum Archäologischen Museum auf der anderen Seite der Hauptstraße. Auf zwei Stockwerken bekommt man einen Einblick, wie Sarande vor dem Tourismus ausgesehen hat. Die Fotos an den Wänden stammen großteilig aus den 1940ern bis 1970ern. Gerahmt wird das Ganze von Schaufensterpuppen, die in traditionelle Tracht gekleidet sind. Erklärungen oder Beschriftungen sucht man im ganzen Museum vergebens – und trotzdem gibt mir der heimelige Einbilck in die Geschichte und Tradition mehr als so manches modernes Museum. Es fühlt sich ein wenig so an, als würde man in privaten Fotos und Erinnerungen der Großeltern stöbern.

Das archäologische Museum besteht aus einem großen Raum, der ein Bodenmosaik, sowie diverse Fundstücke aus dem übrigen Baubestand des Hauses, beherbergt. Auch hier gibt es nur eine große Schautafel, die wahrscheinlich mehr Fragen offen lässt als sie beantwortet. Für den grandiosen Preis lohnt es sich aber allemal.

Pfahlbautenmuseum – Bronzezeit in Unteruhldingen am Bodensee

Ich bin mit dem Auto nach Unteruhldingen angereist – hier ist zu beachten, dass es in der Stadt selbst, bzw. in unmittelbarer Nähe des Freilichtmuseums keine Parkplätze gibt. Deshalb orientiere ich mich, wie im Internet angegeben, am Parkleitsystem. P1 scheint für mich die erste und beste Parkmöglichkeit zu sein. Bezahlt werden kann ganz easy über die EasyPark App. Für 2 Stunden bezahle ich 6,90€.

Schon beim Aussteigen sehe ich die Wegweiser Richtung See und Pfahlbauten. Der Weg führt ungefähr 10 Minuten durch das kleine Städtchen hinunter an den Bodensee. Wer faul ist, muss allerdings nicht laufen, sondern kann mit dem Kurbähnle für 3,50€ (Hin- und Rückfahrt) bis fast direkt zum Eingang des Museums fahren.

Man betritt das Areal durch das Museum. Pro Person wird ein Eintritt von 14€ pro Person fällig. Seit 2011 gehört die Fundstätte mit ihren insgesamt vier vorgeschichtlichen Dorfanlagen, an der seit 1922 ein Museum und Nachbauten stehen, zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Ausstellung ist sehr liebevoll und modern gestaltet. Besonders das Archeorama hat es mir angetan. Hier geht man mit zwei Forschern auf einen Tauchgang zu den Überresten, der durch eine Videoprojektion im ganzen Raum gestaltet ist. Am Ende wird eine Rekonstruktion des bronzezeitlichen Dorfes gezeigt und man wird in die Freifläche entlassen. Hier wartet schon ein Guide, der einen kurzen Abriss zur Geschichte des Orts und dem Besten Rundgang über das Gelände gibt. Danach kann das Gelände frei erkundet werden.

Jedes Haus ist einem anderen Thema gewidmet: Töpferei, Steinwerkzeuge, Wohnhaus usw. In den großen Häusern stehen einem wieder Guides zur Verfügung, die die verschiedenen Exponate erläutern und für Fragen zur Verfügung stehen. Übrigens waren die Pfahlbauten auch Schauplatz der ARD-Doku „Steinzeit – Das Experiment“ aus dem Jahr 2007.

Mein Archäologen-Herz hat am Ende des Rundgangs höher geschlagen und ich kann jedem, der in der Nähe ist, nur wärmstens empfehlen die Pfahlbauten zu besuchen. Der Eintritt war definitiv sein Geld wert und ich habe damit gerne das Museum, das nicht staatlich gefördert wird, unterstützt.

Florenz – Ein Wochenende voller Kunst & Architektur

Ich bin den ganzen Tag in Florenz herumgeschlendert, mit offenem Auge und träumendem Herzen. Sie wissen, das ist meine größte Wonne in dieser Stadt, die mit Recht den Namen la bella verdient. Wenn Italien, wie die Dichter singen, mit einer schönen Frau vergleichbar, so ist Florenz der Blumenstrauß an ihrem Herzen. - Heinrich Heine

… und während man so durch Florenz schlendert kommt man an einem Monument nicht vorbei: dem Duomo. Er ist nicht nur eine der größten Attraktionen der Stadt, in um und auf der man einen ganzen Tag verbringen kann, sondern er dient auch immer als Orientierungspunkt. Ein Ticket für die Crypta, Kuppel und den Campanile hat für mich und das verlängerte Wochenende ausgereicht – vor allem da das Ticket über mehrere Tage versetzt genutzt werden kann. Erster Punkt nach dem Ankommen war die Besichtigung der Kuppel. Über zahlreiche Stufen geht ein über mehrere Etappen bis unter die reich verzierte Kuppel. Dort könnte man sich über einen längeren Zeitraum aufhalten und die verschiedenen biblischen Szenen identifizieren und betrachten. Betonung auf könnte! Der Weg an der Spitze ist sehr schmal, so dass immer nur eine Person im Gang stehen kann, deswegen kann man auch nicht länger stehen bleiben, da die nächsten aus der Gruppe schön hinter einem anstehen und ebenfalls über die Bilder staunen möchte.

Der nächste Tag führt mich dann auf die Kuppel – wieder über zahlreiche Treppen. Auch hier ist der Weg wieder so schmal, dass gerade so zwei Personen nebeneinander vorbei gehen können, was bei Gegenverkehr so seine Herausforderungen mit sich bringt. Oben angekommen werden die Strapazen durch eine traumhafte Aussicht über die Stadt belohnt.

Am letzten Tag geht’s dann hinab in die Crypta, die alten Fundamente und Reliquien bewundern. Kostenlos dazu gibt’s die Abkürzung in den Dom hinein. Man überspringt quasi die Schlange der anderen Touristen und steht mitten im Dom, wo man ihn noch mal von seiner ganzen Schönheit innen betrachten kann. Von außen wird mir das Gebäude immer wieder in der Stadt begegnen.

Neben dem Dom erhebt sich der Campanile, der – genau ihr ahnt es schon – über zahlreiche Stufen erreichbar ist. Besonders schön ist die Aussicht, wenn man das Glück hat, den Sonnenuntergang von oben miterleben kann.

Nächstes Must See auf meiner Florenz Liste sind Michelangelos David, sowie die Uffizien. Für beides hatte ich Tickets im vorhinein, um die Schlangen am Eingang vermeiden zu können.

Der David hat es mir schon angetan, muss ich sagen. Zum einen ist er größer als ich ihn mir vorgestellt hatte und zum anderen steht er so prominent in einer Apsis des Museums, dass man gar nicht anders kann als ihn zu bewundern. Die anderen Exponate im Museum verblassen etwas unter seinem Schein.

Für die Uffizien sollte man sich einen guten Tag einplanen, wenn man wirklich alles besichtigen möchte. Auch hier hatte ich vorab ein Ticket – anders wäre es wahrscheinlich auch nicht möglich gewesen. Die Schlange für meinen Timeslot war relativ lang, wobei ich am Ende doch ziemlich schnell drin war. Highlight hier für mich ist die „Geburt der Venus“ von Boticelli. Überhaupt steht für mich das ganze Museum irgendwie im Zeichen der Venus. Die Schlange an der „Venus di Medici“ war so lang und hat sich so langsam fortbewegt, dass ich mich nicht angestellt habe und nur einen kurzen Blick von einem der Seiteneinblicke über viele Köpfe hinweg erhaschen konnte. In der Bilderserie unten erhält man ein paar Eindrücke, was ich alles besichtigt habe.

Am Ausgang der Uffizien befindet sich die berühmte Ponte Vecchio – und ganz ehrlich schön fand ich die Brücke beim ersten Eindruck nicht. Klar sind die bunten Anbauten ganz niedlich in ihren Pastellfarben, aber schön? Nein, schön finde ich das Bauwerk nicht. Vielleicht schaue ich deshalb auch auf dem Foto unten in die andere Richtung. Der Charm der Brücke zeigt sich erst, wenn man sie überquert – sie ist voller Geschäfte! Vor allem Juweliere geben sich die Klinke in die Hand. Der Schaufensterbummel war wirklich sehr schön, nur leider scheint mein Geschmack ein sehr exquisiter zu sein und ich suche mir instinktiv immer das teuerste Schmuckstück aus. Deshalb sollte es auch beim Schaufensterbummel bleiben.

Wo wir gerade schon bei exquisit sind, habe ich noch einen Geheimtipp für alle Fashion Girlies: das Museo Salvatore Ferragamo! Ganz unscheinbar befindet es sich im Untergeschoss des gleichnamigen Geschäfts nahe der Ponte Vecchio. Erzählt wird die Geschichte von den Anfängen des Gründers und Namensgebers bis hin zur Gegenwart. In der liebevoll kuratierten Ausstellung weht immer der Hauch von altem Hollywood durch die Gänge. Sehr fasziniert war ich von den hölzernen Modellen, die nach den Füßen der Filmstars angefertigt wurden, damit die Schuhe maßgefertigt werden können. Verliebt habe ich mich in die Ballerinas von Grace Kelly, die auch heute noch todschick wären. Der Drang am Ende der Ausstellung Schuhe zu kaufen konnte ich fast nicht unterdrücken – aber die von mir favorisierten Ballerinas werden zu meinem Glück, oder zum Glück meines Geldbeutels, nicht mehr hergestellt.

Last but not least geht es ins Freie. Die Boboli Gärten hinter dem Palazzo Pitti sind eine der bekanntesten Gärten Italiens. Hier findet man zahlreiche Aussichtspunkte, die entweder die Stadt oder die toskanische Landschaft überblicken lassen. Die Landschaft hat es mir ein bisschen mehr angetan und sieht einfach genau so aus wie auf dem Bild in der Küche meiner Eltern, das ich meine halbe Kindheit über bewundert habe. Ich dachte immer auf dem Bild wäre mehr Fiktion als Wahrheit dargestellt – aber es sollte sich rausstellen: die Traumlandschaft aus meiner Kindheit gibt es wirklich! Und sie ist in echt noch schöner als gemalt.

24 Stunden in Colmar

Im November ging es für ein kurzes Wochenenden ins Elsass. Da ich effektiv nur 24 Stunden in der Stadt verbracht habe kommen hier meine drei Highlights, die man nicht verpassen sollte:

Klein-Venedig

Im Viertel Krutenau, wo sich auch meine Unterkunft befand, findet sich das sogenannte Klein Venedig. Das Leben spielt sich hier rund um die Zuflüsse des Flusses Lauch ab, was an die italienische Stadt erinnert. Wasser spielte bei der Entstehung des Viertel eine große Rolle, da sich hier die Gemüsebauern vor den Toren der Stadt ansiedelten. Besonders der Ausschnitt auf dem Bild unten ist sehr bekannt. Täglich fotografieren sich hier hunderte Menschen vor dem pittoresken Hintergrund.

Freiheitsstatue

Der berühmteste Sohn der Stadt ist Auguste Bartholdi – der Erfinder der Freiheitsstatue. Ihm ist nicht nur ein Museum gewidmet, sondern die eiserne Dame findet sich auch überall in Colmar wieder. Auf den Strassen findet man goldene Wegweiser, die zu einer Replik der amerikanischen Freiheitsstatue führen. Da die große Statue etwas außerhalb der Stadt steht blieb für einen Besuch leider keine Zeit und die Wegweiser mussten genügen.

Choco Museum

Mein kleines Highlight während der Reise war das Choco Story Museum. Für 12,50€ Eintritt für einen ein Audio Guide durch die zweiteilige Ausstellung: Vom Anbau bis zur Verarbeitung der Kakaos wird im ersten Teil alles genau erklärt. der zweite Teil beschäftigt sich mit den Dingen die man aus Schockolade fertigen kann – von Trinkschokolade bis zu lebensgroßen Figuren. Wie der Freiheitsstatue unten im Bild. Und das Beste: Während des Durchgangs kann man die ganze Zeit kleine Schokotaler probieren!

Kulinarisch darf der Flammkuchen natürlich nicht fehlen. Den bekommt man fast an jeder Ecke. Da ich leider schon immer viel zu verfressen war, gibt’s davon keine Fotos und ich werden wohl nie ein Food-Blogger werden…

Danzig & Sopot – Wie verbringt man eine Woche an der polnischen Ostseeküste?

Da uns die Sommer im Süden in den letzten Jahren zu Heiß für’s Sightseeing waren, wollten wir dieses Jahr mal etwas anderes probieren. Warum nicht an die Ostsee fahren, wo es nicht über 30 Grad heiß wird?

Dann stellt sich schon die nächste Frage: Wenn an die Ostsee, dann wohin? Die Möglichkeiten scheinen auf den ersten Blick endlos. Nachdem wir kurz die Preise verglichen haben, war der deutsche Küstenabschnitt aus dem Rennen – und als mir dann noch ein relativ günstiges Hotelangebot für Danzig in die Hände gefallen ist, war es klar. Es geht im Sommer nach Polen!

Zur Anreise kam für uns am Ende nur das Auto in frage. Die Anreise per Flugzeug ging nicht direkt, es wäre ein Umstieg in Warschau nötig gewesen und auch der Zug hätte viel länger gebraucht und wäre sehr viel teurer und unzuverlässiger gewesen. Also ab ins Auto. Auch hier sind wir nicht den ganzen Weg in einem Stück gefahren, sondern haben einen Stopp zum Übernachten in Berlin eingelegt.

In Danzig angekommen, geht der erste Weg in die Danziger Altstadt um die Lage zu erkunden. Mit dem Hoteleigenen Boot machen wir eine kurze Rundfahrt durch die Stadt bis hin zur Stadtgrenze. Vorbei am alten Kran und dem Riesenrad auf der anderen Flussseite ist uns schnell klar, wir wollen die Stadt unbedingt noch mal zu Wasser entdecken.

Nach der kurzen Bootfahrt erkunden wir die Stadt zu Fuß. Durch eines der großen Stadttore geht es hinein in die historische Altstadt. In einer U-Form flanieren wir am Rathaus, Neptunbrunnen und langem Markt. Immer wieder fallen mir die vielen Bernsteinläden und -stände ins Auge und ich bin mir an Tag eins schon sicher, dass ich das ein oder andere Souvenir von hier mit nach Hause nehmen werde.

Am Ende des Spaziergangs erreichen wir die Plattform von der die verschiedensten Ausflugsdampfer in See stechen. Kurzentschlossen steigen wir auf das Boot, dass uns zur Westerplatte bringt. Kostenlos dazu bekommt man eine Hafenrundfahrt, die die verschiedenen Bauten und Gerätschaften im Hafenbecken erklärt.

Bei der Westerplatte handelt es sich um eine Landzunge, auf der durch den Beschuss eines polnischen Munitionslagers der zweite Weltkrieg begann. Ein 23 Meter hohes Denkmal am Ende der Halbinsel erinnert schon aus weiter Ferne an den polnischen Widerstand. Wir nehmen uns 40 Minuten Zeit um uns umzusehen. Als ich vor dem zerschossenen Munitionslager stehe kommt mir wieder dieses komische Gefühl, das ich öfter an historischen Orten mit einer dunklen Vergangenheit habe. Irgendwie ist mir kalt, obwohl es ein schöner Sommertag ist und irgendwie fühle ich mich bedrückt. Das wird auch nicht besser, wenn wir am Soldatenfriedhof vorbei kommen, der an die jungen Männer erinnert, die hier ihr Leben lassen mussten. Wie in einer anderen Welt fühlt sich dann das fröhliche Treiben am Strand an, der nur wenige Meter außerhalb des Wäldchens beginnt.

Die Geschichte des zweiten Weltkriegs sollte uns auch die nächsten Tage begleiten. Da es am nächsten Morgen regnet, beschließen wir das gleichnamige Museum zu besuchen. Was wir allerdings nicht bedacht hatten, war das wir nicht die einzigen waren, die diesen Plan gefasst hatten. Im Museum werden Tickets mit Zeitfenstern verkauft um den Ansturm in den Griff zu bekommen. Als wir Mittags am Museum ankommen ist der nächste verfügbare Zeitslot 16:00 Uhr. Da wir nicht so lange dort warten wollten habe ich noch in der Schlange zum Ticketschalter online einen Zeitslot für den nächsten Vormittag gebucht. Es empfiehlt sich also diesen Besuch zu planen und im vorhinein schon online ein Ticket zu besorgen.

Also ziehen wir unverrichteter Dinge wieder ab und spazieren zurück in die Altstadt. Auf dem Weg kommen wir am Maritimen Museum vorbei. Das Museum an sich ist kostenlos, nur für den Besuch des Museumsschiffs braucht man ein Ticket. Das Schiff vor der Türe hat uns sehr viel besser gefallen als das in die Jahre gekommene Museum. Das Schiff kann man in einem Rundgang komplett vom Bauch bis hin zum Steuerrad erkunden. Teilweise sind die Treppen ganz schon schmal und steil, so dass ich mich nur rückwärts wieder runter getraut habe.

Neuer Tag, neuer Versuch. Wieder machen wir uns auf den Weg zum Museum des 2. Weltkriegs. Mit vorher gekauften Ticket läuft alles wie geschmiert. Die Schlange am Eingang ist nicht allzu lang und wir sind relativ schnell drin. Ich kann nur jedem den Audioguide ans Herz legen, ohne den wären wir verloren gewesen. Es werden nicht nur Informationen zu den ausgestellten Exponaten geben, sondern auch jeder Film übersetzt, auf Besonderheiten in der Ausstellung hingewiesen und Wegbeschreibungen und Anweisungen gegeben in welcher Reihenfolge man sich die einzelnen Räume anschauen soll. Die umgerechnet 3€ für den Guide haben sich für uns voll und ganz gelohnt. Wir haben gute 3 Stunden in der Ausstellung verbracht, die sich nicht wie 3 Stunden angefühlt haben.

Unseren letzten Tag vor der Abreise verbringen wir in der Satelittenstadt Sopot. Da die Taxipreise im Gegensatz zu Deutschland sehr erschwinglich sind haben wir uns entschieden die 15 – 20€ für die Fahrt von ungefähr 40 Minuten zu investieren und uns vom Taxi direkt an den Strand fahren zu lassen. Zahlreiche Beachclubs säumen den Weg zum Strand und hinter uns erhebt sich ein riesiges Hotel, das vom Glanz vergangener Zeiten zeugt. Die Clubs lassen wir allerdings links liegen und widmen uns der halbrunden Flaniermeile, die mit vielen kleinen und größeren Souvenirshops gespickt ist. Da am Ende doch immer das gleiche angeboten wird und auch allerlei Tand aus Fernost unter den Angebotenen Waren ist werden wir nicht fündig. Lieber zahlen wir 10 Sloty Eintritt für die Seebrücke auf der man nicht nur beobachten kann, wer hier sonst noch so flaniert, sondern es auch zahlreiche Touristendampfer und Yachten zu bestaunen gibt. Nachdem wir uns am Meer satt gesehen haben, machen wir noch einen Schwenk durch die kleine Innenstadt bevor wir wieder nach Danzig fahren.


Food & Drinks

Für unser leibliches Wohl war während der ganzen Reise Bestens gesorgt. Die regionale Küche hat es uns so sehr angetan, dass wir noch im Supermarkt halt machen mussten, um ein paar Zutaten und auch fertige Gerichte mit nach Hause nehmen zu können. Im folgenden kommen nun ein paar Tipps, wo wir essen waren und was wir empfehlen können.

Gdanski Bowke, Dlugie Pobrzeze 11, 80-888 Gdansk: traditionell polnisches, aber auch sehr touristisches Restaurant direkt am Fluss. Ohne Reservierung haben wir gerade noch so einen Platz bekommen. Sehr zu empfehlen ist die gemischte Vorspeisenplatte. Die meisten Gerichte kannte ich, hätte ich aber teilweise nicht in der Kombination gegessen. ⭐⭐⭐💲💲

Chinkalania, Tkacka 7, 80-836 Gdansk: georgisches Restaurant, in dem man bestens beraten wird, was es mit den Speisen auf sich hat, wie sie gegessen werden und in welcher Kombination man am Besten bestellt. Die gefüllten Teigtaschen mit Brühe waren super lecker und ich kann sie nur wärmstens empfehlen. Man bekommt sehr gutes Essen für kleines Geld. ⭐⭐⭐⭐ 💲

Kuchina Aleksandry, Dlugi Tard 11, 80-828 Gdansk: wieder ein sehr touristisches Lokal direkt am langen Markt in der Altstadt. Die Plemeni kamen wieder mit kurzer Einweisung und waren sehr lecker. ⭐⭐⭐💲💲

Tiki Jungle, Piwna 50/51, 80-831 Gdansk: Bei der Suche nach einer Bar fielen mir die Tiki Cocktails aus dem Tiki Jungle gleich ins Auge. Bestellt habe ich einen Skull Cocktail, der in einem gläsernen Totenkopf serviert wird. ⭐⭐⭐⭐ 💲💲

Pierogaria Stary Mlyn, Swietego Ducha 64, 80-834 Gdansk: Restaurant das sich auf Pierogi spezialisiert hat. Pierogen gibt es hier wirklich in allen Formen und Farben. Unbedingt vorher reservieren, zu den Stoßzeiten stehen die Leute vor dem Lokal Schlange. ⭐⭐⭐⭐ 💲💲