Ein weiterer Tagesausflug, den man im Golf von Neapel unbedingt machen sollte ist in den Archäologischen Park von Pompeii. Überall in der Stadt werden Touren dorthin angeboten – nach einiger Recherche bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die eigene Anreise per Zug die günstigste Variante ist. Vom Bahnhof Neapel sind es nur wenige Stationen und etwa eine Halbe- bis Dreiviertelstunde Fahrt für unschlagbare 5,60€ hin und zurück.
Am Bahnhof von Pompeii umgeht man dann am Besten die zahlreichen Touristenführer und angeblichen Ticketshops und begibt sich direkt auf den Weg zum Eingang des Archäologischen Parks. Nach etwa 20 Minuten weg durch die Stadt stehe ich auch schon in der kurzen Schlange am Eingang zum Amphitheater. Der Eintritt in den Park kostet 16€ pro Person. Da ich vor Jahren als Studentin schon einmal in Pompeii war hatte ich meinen alten Führer durch die Ausgrabungsstätte noch und war nicht auf einen Audioguide angewiesen. Im Folgenden habe ich meine 6 Highlights die man unbedingt gesehen haben sollte aufgelistet:
Das Amphitheater


Beim Amphitheater von Pompeii handelt es sich um den ältesten erhalten Bau dieses Art. Im Süden lehnt er sich an die Stadtmauer an, so das diese als Stützmauer für den Zuschauerraum genutzt werden konnte. Das Innere faste etwa 20.000 Personen. Die hohe Brüstung im Inneren, die man im zweiten Bild sehen kann, muss man sich bunt bemalt vorstellen. Dort werden wahrscheinlich Gladiatoren-, Jagdszenen oder Siegesfeiern dargestellt worden sein. Besondere Berühmtheit erreichte das Theater 59 n.Chr. als es zwischen Anhängern benachbarter Mannschaften – heute im Fußball würde man es Derby nennen – zu gewalttätigen Ausschreitungen kam. Da es mehrere Verletzte und sogar Tote zu beklagen gab, beschloss Kaiser Nero das Theater für 10 Jahre für Veranstaltungen zu sperren. Ich kann nur wieder den Vergleich zum heutigen Fußball ziehen: Kaum vorstellbar was passieren würde wenn man Mannschaften für 10 Jahre sperrt, nur weil sich die Fans nicht benehmen können.
Casa del Fauno


Mit 3000 m² Grundfläche ist die Casa del Fauno das größte Wohnhaus der Stadt. Namensgebend ist der im Atrium gefundene Faun, der auf dem ersten Bild zu sehen ist. Das Original befindet sich im Archäologischen Museum von Neapel. Am Ende des Gartens findest sich einen reich dekorierte Exedra. Sie liegt in einer Achse mit dem Eingang und ist der Mittelpunkt des Hauses. Die Säulen werden von korinthischen Kapitellen aus bemaltem Stuck bekrönt. Den Boden ziert – meiner Meinung nach – das schönste und beeindruckendste Mosaik der ganzen Stadt. Gezeigt ist eine Schlachtenszene. Wer sich Zeit nimmt und sie genauer betrachtet stellt fest, dass es sich um den entscheidenden Kampf zwischen Alexander dem Großen und dem persischen Herrscher Dareios handelt. Auch hier findet sich das Original wieder im Archäologischen Museum von Neapel.
Forum, Basilika & Apollontempel



An der Kreuzung der beiden Hauptstraßen liegt das Forum – es ist in seiner Funktion vergleichbar mit heutigen Stadtplätzen. Der Platz verändert sich im Laufe der Jahre immer wieder: Neue Tempel werden errichtet, Ladenlokale kommen hinzu, alte Bauten verschwinden. Auf den Basen entlang der Säulenhallen waren wohl Bildnisse berühmter Bürger aufgestellt – gefunden wurde keine diese Statuen, man nimmt an, dass die Bürger nach dem Vulkanausbruch zurück gekehrt sind und sie entfernt haben. Heute ziert eine moderne Reiterskulptur den Platz, die zumindest ein wenig erahnen lässt wie imposant der Platz mit all seinem Schmuck und den Statuen gewirkt haben muss.
Der wohl wichtigsten Kultbau der Stadt, gleich an das Forum anschließend, war der Apollontempel. Dem Gott zugeordnet werden kann er aufgrund einer gefundenen Bronzestatue – die heute im Original in Neapel zu finden ist. Umgeben ist der Tempel von einem Säulengang, der auf Bild drei zu erkennen ist
Lupanar


Für alle nicht Historiker oder Archäologen ist dieser unscheinbare Bau wohl der interessanteste. Hinter der Bezeichnung Lupanar (lat. lupa = Dirne) verbirgt sich ein Bordell. Es ist das größte und bestgestaltete in Pompeii. Es wird behauptet, dass die Bilder oberhalb der Zimmer die Spezialität der Dame darunter darstellen. Da es sich bei den Zimmern um sehr kleine Räume mit lediglich einem gemauerten Bett als einzigem Einrichtungsgegenstand handelt, erschließt sich für mich die Erotik eher weniger. Mein Eindruck ist, dass hier lediglich niedere Triebe bedient wurden.
Auf einer der nächstgelegenen Hauptstraße findet sich ein Wegweiser in den Steinboden eingemeißelt. Die Spitze der Darstellung zeigt in Richtung des Lupanars. Vor allem bei Führungen geht hier immer ein raunen durch die Gruppe, kurz gefolgt von zahlreichen Klickgeräuschen der Auslösers der Handykameras – so auch bei der amerikanischen Gruppe in die ich durch Zufall hinein geraten bin.
Casa dei Vettii
Die Casa dei Vetti beeindruckt durch ihre reiche Ausgestaltung. Leider war sie bei meinem Besuch – wie auch schon vor 10 Jahren bei meinem ersten Besuch in Pompeii – wegen Renovierungs- und Forschungsarbeiten für Touristen geschlossen. Ich hätte den Fries der Eroten bein der Arbeit gerne einmal live gesehen.
Mysterienvilla

Die Gemälde der Mysterienvilla sind wohl die bekanntesten in ganz Pompeii. Die Villa befindet sich etwas außerhalb der übrigen Anlage, das Gelände fällt zum Meer hin ab. Zum Wohnhaus gehört auch eine Städte für Weinproduktion. Die berühmten im Bild abgelichteten Malereien befinden sich Triclinium des Hauses. Die Deutung ist hoch umstritten. Man kann den Initiationsritus in einen Mysterienkult – daher der moderne Name der Villa – interpretieren, aber auch auch die weibliche Initiation in den Dionysos Kult. Zweiteres gilt nach aktueller Forschungslage als wahrscheinlicher.
Am Ende der Villa gibt es eine kleinen Ausgang vom Gelände. Wer also nicht den ganzen Weg zurück in die Ausgrabungsstätte laufen möchte und wie ich nicht an ein festes Transportmittel gebunden ist, kann hier den archäologischen Park verlassen und das kurze Stück die Strasse entlang zum Bahnhof marschieren. Von hier geht es dann wieder zurück nach Neapel.





