Campus Galli

Das Projekt

Im badischen Meßkirch befindet sich seit 2012 die wahrscheinlich größte mittelalterliche Baustelle Europas. Mit den Mitteln der Karolinger Zeit wird in reiner Handarbeit, ohne moderne Maschinen der Bauplan des Klosters St. Gallen aus dem 9. Jahrhundert nachgebaut. Jeder Holznagel, jedes Seil und jede Dachschindel wird per Hand hergestellt und dann in den Gebäuden verbaut. Seit 2013 kann hier experimentelle Archäologie live miterlebt werden. Der Eintritt für einen Erwachsenen kostet 13€. Die Bauzeit ist für mehrere Jahrzehnte angesetzt – die Baustelle befindet sich in stetigem Wandel. Aktuell wird am ersten Gebäude aus Stein gebaut: das Nebengebäude des Abtshofs.

Der Rundgang

Vom eher modern minimalistisch gehaltenen Eingang geht es hinauf in den Wald zur karolingischen Klosterstadt. Der erste Bau auf dem Rundweg ist eine kleine Eremitage mit Hühnern, kurz bevor sich der Weg zu einem großen Platz hin öffnet. Dort befindet sich die erst kürzlich fertiggestellte Scheune. Das mit Stroh gedeckte Gebäude ist mit einer Höhe von 8 m und knapp 240 qm das aktuell größte auf dem Areal.

Zur linken der Scheune befindet sich die Weberei. Rechter Hand geht es weiter Richtung Kräutergarten. Der Garten ist mit einem Holztor verschlossen, so dass mit nur der Blick über den Zaun bleibt. Bei der Betrachtung des Zauns und des dazugehörigen Tors wird mir zum ersten Mal richtig bewusst, dass hier alles ohne moderne Maschinen und mit bloßen Händen geschaffen wurde – diese Erkenntnis sollte sich noch einige Male wiederholen. Neben dem Kräuter – und Gemüsegarten schließt der Friedhof an. Gekennzeichnet wird er durch ein handgeschnitztes Kreuz.

Weiter den Rundgang entlang passiert man Korbmacherei und Töpferei. Ich habe mich ein wenig in die Krüge mit archaisch wirkender Verzierung verliebt. So etwas schönes würde ich mir durchaus auch in mein modernes Zuhause stellen.

Die nächste Station ist die Schmiede. Da ich meinen Rundgang in der Mittagspause von 13 – 14 Uhr gestartet habe waren nirgends Handwerker bei der Arbeit. Vor allem die Schmiede wäre mit brennendem Feuer und dem Lärm der Hämmer noch eindrucksvoller gewesen.

Langsam nähere ich mich dem Zentrum der Anlage. Relativ unscheinbar liegt das neueste Bauvorhaben des Projekts auf der rechten Seite des Weges – der Abtshof. Außer ein paar Grundmauer ist noch nicht viel vom ersten Steingebäude der Klosterstadt zu sehen. Dafür wird es wenige Meter dahinter umso spektakulärer. Hinter ein paar Bäumen versteckt sich die Holzkirche mit Turm. Hier wird mir wieder die unglaubliche Leistung der Beteiligten des Projekts bewusst. Die Kirche ist komplett aus Holz errichtet. Jede Dachschindel wird durch einen kleinen Holznagel gehalten. Die Balken werden entweder durch Holzdübel miteinander verbunden oder fügen sich nahtlos ineinander ein. Die kleinen Fenster, die ein wenig Licht in den Innenraum lassen sind mit einer Art Pergament verschlossen – Glasfenster gibt es im 9. Jahrhundert schließlich noch nicht. Der Altarraum ist liebevoll mit geschwungenen Mustern verziert. Ein wenig erinnert mich das Dekor an bekannte Wikinger Serien – ich wäre also nicht sonderlich überrascht gewesen, wäre ein Krieger in Fellen gekleidet, die Haare zu Zöpfen geflochten und mit Axt und Schild bewaffnet in den Raum gekommen. Man fühlt sich sehr schnell in eine andere Zeit versetzt.

Nachdem ich mich von der Kirche losreißen konnte geht es auf den großen Marktplatz im Zentrum. Hier ist für das leibliche Wohl gesorgt und zum ersten Mal schleichen sich ein paar moderne Dinge ein. Verschlossene Getränke werden natürlich in Glasflaschen serviert und die Mülleimer sind mit Plastiktüten bestückt. Trotzdem wird sehr viel Wert darauf gelegt den Rest in einem historischen Gewand zu halten. Alle Sitzmöglichkeiten sind aus Holz gefertigt. Die Plane, die über den Bänken und Tischen gespannt ist, ist mit einer kompliziert aussehenden Knotenkonstruktion an einem Pflock im Boden verankert. In den Buden auf der anderen Seite des Platzes kann man Erzeugnisse aus der Anlage, sowie historisch anmutende Geräte und Schmuck erwerben – für mich gibt es einen Kochlöffel aus Kirschholz, eine Kräutersalzmischung und silberne Ohrringe.

Da es bei meinem Besuch während der Einkehr fürchterlich angefangen hat zu regnen, habe ich die Tierstallungen auf dem Rest des Weges ausgelassen und bin auf kürzestem Weg zurück zum Auto gegangen um noch einigermaßen trocken anzukommen.

Eine Woche in Neapel

Der erste richtige Urlaub nach zwei Jahren Corona Pause führt mich nach Neapel – und es gibt viel zu entdecken. Diesmal habe ich mir eine ganze Woche für den Städtetrip Zeit genommen und hätte mit weiteren Strandtagen und Ausflügen in die Umgebung auch noch länger bleiben können. Im folgenden habe ich vier Tage, die ich nur in Neapel verbracht habe aufgezeichnet.

Den Anreisetag habe ich mit einem Abendspaziergang an der Strandpromenade entlang genutzt, wo man auch sehr gut Essen gehen kann.

Das Bild auf der Seite ist eines der ersten Fotos die ich auf dieser Reise gemacht habe und auch eines meiner liebsten.

Centro Storico

Mein kleines aber feines Bed & Breakfast liegt direkt am Hauptbahnhof. Deshalb ist es für mich nur logisch, dass der erste Weg ins fußläufig erreichbare Centro Storico geht. Die erste Sehenswürdigkeit, die quasi auf dem Weg liegt ist der Duomo. Zusammen mit Basilika Santa Restituta bildet der Dom eine Einheit und ist damit die älteste Kirche in Neapel.

Danach stürze ich mich in das Gewusel der Stadt. Überall findet man kleine Geschäfte die allerlei Souvenirs anbieten. Ein Highlight ist die Schnitzergasse San Gregorio Armeno. Hier gibt es nicht nur klassische Krippenfiguren – wie auf dem Bild rechts zu sehen – sondern auch allerlei Kuriositäten. Neben Holzfiguren des Papstes reihen sich auch Prince, Freddy Mercury und natürlich Diego Maradonna ein. Nach wenigen Stunden in der Stadt ist mir klar Santo Diego ist nicht nur ein Symbol der eingefleischten Fussballfans sonder Teil der Kultur – dazu aber später noch mehr.

Eine Biegung später stehe ich vor dem Kloster Santa Chiara, indem auch heute noch Franziskaner und Klarissen leben geht auf eine Basilika aus dem Jahr 1310 zurück. Der damalige König wünschte sich eine schlichte Kirche, da die Kirchengüter nur der Armenhilfe zugute kommen sollten. Dementsprechend ist der Bau im Vergleich zu anderen Kirchen auch heute noch sehr schlicht gehalten. Das eigentliche Highlight findet sich im Inneren. Der Kreuzgang des Klosters ist in bunter Majolikakunst gestaltet. Die Kacheln leuchten in den Farben Gelb, Grün und Blau. Auf den Sitzbänken sind mythologische, bukolische und maritime Szenen zu bestaunen. Diesen Anblick lässt sich das Kloster bezahlen – der Eintritt beträgt 6€ pro Person.

Bagno Elena

Im Golf von Neapel muss unbedingt auch ein Strandtag drin sein. Durch einen Tipp unseres Gastgebers im Bed & Breakfast Re Diego bin ich auf das Bagno Elena aufmerksam geworden. Außer einem Bikini braucht man an nichts zu denken – Liegen, Sonnenschirme und Handtücher können vor Ort gegen Gebühr (für alles zusammen habe ich 20€ für den ganzen Tag bezahlt) geliehen werden. Da es sich hier um einen Privatstrand handelt hatte ich auch kein mulmiges Gefühl meine Wertsachen allein am Strand zurück zu lassen, während ich im Meer schwimmen war. Das unschuldige Schwimmvergnügen war allerdings schnell beendet, nachdem ich die winzigen Quallen im Wasser entdeckt habe – zum Glück habe ich der Qualle nur den Kopf gestreichelt und die Tentakel nicht berührt. Der nächste Gang ins Meer war dann mit sehr viel offeneren Augen.

Palazzo Reale + Piazza del Plebiscito

Die nächste Station führt über die wahrscheinlich am meisten fotografierte Ubahn Station in Neapel, wenn nicht sogar in ganz Europa – Toledo. Die ganze Metro Linie 1 wurde nach ihrem Ausbau von mehr als 100 Künstlern gestaltet. Das Blau in der Gestaltung repräsentiert das nahe gelegene Meer.

An der Oberfläche angekommen ist es nicht mehr weit bis zur Piazza Plebiscito und dem gegenüberliegenden Palazzo Reale.

Bis 1994 wurde die Fläche der Piazza noch als Parkplatz genutzt – kein Vergleich zu heute! Als ich dort stand fand gerade eine Sportveranstaltung oder ähnliches statt. Im Detail war es für mich von außen nicht zu erkennen worum sich die zahlreichen Stände wirklich drehen. Auf jeden Fall gab es eine Anmeldung und ein Siegerpodest. Wer entlang der ehemaligen Zufahrtsstraße schaut dem öffnet sich der Blick zum Meer hin, am Ende kann man den Vesuv erkennen.

Gegenüber des Platzes befindet sich der imposante Palazzo Reale. Für 10€ Eintrittsgeld pro Person darf man ihn dann auch von innen bewundern. Der Aufgang (2. Bild) ist das erste was einem bei der Internetrecherche entgegen fällt und auch der Teil der meiner Meinung nach am beeindruckendsten ist. Im Obergeschoss führt der Rundgang dann durch die königlichen Empfangs- und Schlafräume. Die großen Spiegel laden mich immer dazu ein, ein verstecktes Selfie zu machen. Die große Terrasse, die einen herrlichen Blick über die Stadt und das Meer bietet war zu dem Zeitpunkt als ich dort war leider für Besucher geschlossen.

spanisches Viertel

Angrenzend an die Piazza Plebiscito findet sich das sogenannte spanische Viertel. Den Namen trägt es, da man sich aufgrund der engen Gassen und zahlreich bunt geschmückten Balkone, die durchaus auch mit Wäsche überladen sein können in die Metropolen Südamerikas katapultiert fühlt.

Am Anfang reihen sich noch Geschäft an Geschäft, wo man von frischem Fisch bis hin zum Badvorleger alles kaufen kann. Je mehr man sich zum Kern des Viertels vorarbeitet desto mehr Restaurants findet man in den Straßen. Die Wände sind mit zahlreichen Graffitis dekoriert. Schnell wird klar: Hier ist nur einer heilig – Diego Maradonna. Der Fussballer gewann 1987 mit dem SCC Neapel die italienische Meisterschaft und ist seitdem nicht mehr aus den Straßen wegzudenken. Zahlreiche Cafes und Restaurants sind mit seinem Bild geschmückt, ab und an findet man auch kleine Aufbauten, die mich an Hausaltäre erinnert haben. Das Highlight sind die auf Wegweisern ausgeschriebenen Maradonna Grafittis. Nachdem man die Straße bergauf gelaufen ist öffnet sie sich zu einem kleinen Platz, der mit zahlreichen Girlanden geschmückt ist. Hier findet sich so etwas wie ein kleiner Schrein, der mit dem Bildnis und zahlreichen Trikots Maradonnas ausgestattet ist. Natürlich kommt auch hier der Kommerz nicht zu kurz. Auf zahlreichen Kleiderstangen werden Maradonna Trikots aus allen Spielzeiten und in allen Größen angeboten.