Entlang der slowenischen Adriaküste

Die erste größere Reise dieses Jahr führt mich an ein eher unpopuläres Ziel für Strandurlaub: Slowenien! 46km lang erstreckt sich die slowenische Riviera zwischen Italien und Kroatien. Mit dem Auto von München aus fährt man etwas mehr als 500 km, was ungefähr 6 Stunden dauert – mit einem normalen Auto. Mit meinem Oldtimer Bus habe ich die Strecke lieber auf zwei Tage aufgeteilt, da man bei Tempo 80 doch nicht so schnell voran kommt wie alle anderen.

Koper

Als meine Base für die Erkundung der Region habe ich Koper ausgewählt. Hierbei handelt es sich um die größte Küstenstadt Sloweniens, die auch in der Nebensaison einiges zu bieten hat.

Da meine Unterkunft noch nicht bereit zum Check in war, dachte ich der Muschelstrand den ich im Internet gesehen hatte wäre ein super Ort um sich die Zeit zu vertreiben. Er liegt etwas außerhalb der Stadt zwischen Koper und Ankaran. Zunächst war ich skeptisch, da ich in den Rezensionen alles von „da gibt es gar keine Muscheln“ bis „alles ist voll davon“ gelesen hatte. Nachdem ich am Parkplatz angekommen war, wusste ich auch wieso. Auf den ersten Blick sieht man gar nichts. Vor dem Parkplatz erstreckt sich ein kleiner Hafen mit Fischer- und Sportbooten – rechts davon geht der Weg an der Küste entlang in ein Naturschutzgebiet. Auf dieser Seite findet man keine Muscheln. Als ich schon enttäuscht abdrehen wollte, habe ich dann aber doch noch ein kleines Mädchen mit einer Schaufel und einem Eimerchen erspäht. Der ganze Eimer war voller kleiner Muscheln! Und das Mädchen kam von der unscheinbaren linken Seite.

Die Stadt Koper hat bereits eine lebhafte Geschichte hinter sich. Erstmal erwähnt wird sie als griechische Kolonie Aegida. Später sind die Venezianer prägend – was in der Architektur der Altstadt immer noch zu spüren ist. Zentraler Ort ist der Tito Platz um den sich Prätorenpalast, mit dem heutigen Rathaus, sowie die Maria Himmelfahrts Kathedrale und ihrem Campanile gruppieren. Als Campanile bezeichnet man einen freistehenden Glockenturm.

Mir hatten es besonders die Details im Bauschmuck angetan. Beispielhaft dafür habe ich die Justizia auf dem Dach des Palastes als Foto im folgenden ausgewählt.

Nur einen kleinen Spaziergang vom Hauptplatz entfernt öffnet sich die Strandpromenade. In der Hauptsaison landen hier auch Kreuzfahrtschiffe, deren Gäste sich dann wie ein Heuschreckenschwarm über die Stadt ergießen. Man merkt sehr schnell, dass das touristische Angebot darauf ausgelegt wurde. Die große Touristeninformation war in der Nebensaison beispielsweise komplett geschlossen. Entlang der palmengesäumten Straße finden sich viele Bars und Restaurants. Teilweise waren diese aber noch geschlossen, bzw. haben ihre Öffnungszeiten angepasst. Auch der typische touristische Tand fehlt fast komplett – ich habe fast die ganze Woche damit verbracht Postkarten für die Lieben zu Hause zu finden.

Einen Ort möchte ich aber herausheben. Ganz am Anfang der Promenade, wo es Richtung Stadtstrand geht, befindet sich der in leuchtendem blau bemalte Stand Maristella. Die total netten Damen haben mir erklärt, dass die Magnete an ihrem Stand alle handgemacht sind. Sie bestehen aus verschieden großen Muscheln, in denen klitzekleine Muscheln, Sandkörner und anders Material aus dem Meer verklebt sind. Dazu kommt der eingravierte Name der Stadt in der wir uns befinden. Bei so viel Liebe zum Detail und Handwerkskunst konnte ich gar nicht anders, als auch für meinen Kühlschrank zu Hause einen Magneten mitzunehmen.

Am Ende der Promenade öffnet sich die Straße zum Fischerei- und Industriehafen. Mir macht es großen Spaß mich dort auf eine Bank zu setzten und das Treiben zu beobachten. Zur Linken geht mein Blick in den Industriehafen, wo gerade ein großes Containerschiff abgeladen wurde. Ich finde es wahnsinnig faszinierend, dabei zuzusehen, wie dort – ähnlich wie beim Bauklötze spielen – ein Container nach dem andern abgeladen wird. Wenn man bedenkt dass jeder Container einem LKW entspricht…

Auf der rechten Seite durfte ich dann einen Postkartenmoment erleben. Als ich da so dasaß und beobachtete, wie sich die Schiffe auf dem Meer aufreiten, um in den Hafen zu gelangen und gelöscht zu werden, fiel mir plötzlich ein kleines Fischerboot auf. Sein helles Weiß zeichnete sich vom Blau des Meeres ab. Als es langsam näher kam, wurde es plötzlich turbulent. Immer mehr Seevögel schwirrten um das Boot. Damit nahm dann auch die Lautstärke im Hafen zu. Das aufgeregte Flattern und Schreien der Vögel wurde immer mehr und mehr, bis es plötzlich abflachte. Je näher das Boot dem Hafen kam, desto weniger Vögel wurden es. Diese Hektik war darin begründet, dass die Fischer ihren gefangenen Fisch schon auf dem Meer ausgenommen haben und die Innereien über die Reling warfen – sehr zur Freude der Vögel. Vor lauter Begeisterung kam ich gar nicht dazu meine Kamera zu zücken. Deshalb ist das Foto, das auch den Titel ziert, erst entstanden, als eigentlich schon alles vorbei war. Trotzdem finde ich, das Motiv könnte auch aus einem Popeye Film stammen.

Piran

Piran ist wohl die bekannteste Stadt an der slowenischen Riviera. Von meiner Base Koper aus ist es nur eine kurze 30 minütige Autofahrt. Am Stadteingang wartet schon ein gebührenpflichtiger Parkplatz, an dem man nicht vorbei kommt. Das ziehen eines Parktickets ist obligatorisch, damit sich die Schranke, die den Zugang zur Stadt versperrt, öffnet – ein teurer Spaß, die angefangene Stunde kostet 5€! Falls ihr euch überlegt auch mit dem Auto anzureisen, bitte macht nicht den selben Fehler wie ich: Wenn man das Parkticket nicht sichtbar in die Scheibe legt, kassiert man zusätzlich einen Strafzettel über 40€. Da ich den Tag dort verbracht habe, hat alleine das Parken 70€ (inklusive Strafzettel) gekostet. Ist Piran einen Besuch wert? Ja! Würde ich mit dem Wissen über die horrenden Parkgebühren nochmal machen? Wahrscheinlich eher nicht.

Von diesem ganzen Parkticket-Drama sollte ich am Anfang meines Besuchs aber noch nichts wissen. Also geht es mit einem kurzen Spaziergang hinein in die Stadt. Man läuft immer an der Küste entlang, bis man auf den Hafen stößt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite findet sich schon mein erstes Highlight: das Seefahrtmuseum. Über drei Stockwerke erstreckt sich die Sammlung, die eine Zeitspanne von den frühesten archäologischen Funden bis hin zum zweiten Weltkrieg abdeckt. Für 5€ Eintritt in der Nebensaison ein echtes Schnäppchen, das sich auf jeden Fall lohnt.

In der Bucht, die auf das Museum folgt, erstreckt sich der Tartini Platz. Auch hier merkt man den venezianischen Einfluss in der Region wieder sehr deutlich. Verwinkelte Gässchen schlängeln sich vorbei an Prunkfassaden alter Blütezeit. Von hier aus gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder den Berg hinauf zur mittelalterlichen Stadtmauer und Kirche oder weiter entlang bis zum Leuchtturm. Ich habe mich aufgrund des unbeständigen Wetters an diesem Tag für letzteres entschieden. An der Promenade warten zahlreiche Lokale in denen man besser Schutz vor Regen suchen kann.

Auf dem Weg entlang der Küste trifft man auf die Meerjungfrau vin Piran. Ich hätte sie fast übersehen, da sich die Skulptur perfekt in die anderen Steine der Küstenmauer einfügt. Nur wenige Schritte später steht man an der Spitze einer Landzunge, auf der sich der Leuchtturm befindet. Ab hier wird es windig. Sehr windig. Ich hatte viel zu viel damit zu tun, meine Haare, Tasche und Strickjacke im Zaum zu halten, um auch noch auf die Jagd nach dem perfekten Schnappschuss zu gehen. Sobald man die Spitze wieder verlässt ist der Spuk dann auch schon wieder vorbei.

Da es nun wieder anfing zu regnen, musste eine weitere Indoor-Aktivität her. Gut dass das Aquarium nur kurz um die Ecke lag. Der eher kleine Bau ist nicht zu vergleichen mit den großen Sealife Zentren – was nicht als etwas schlechtes zu werten ist, da dieses hier von der örtlichen Universität betrieben wird. An jedem Behälter sind Texte angebracht, die erklären, was man den da eigentlichen begutachtet. Am faszinierendsten war für mich der Tank mit den Muränen. Ich hatte diese Tiere zuvor noch nie so nah gesehen und meine Vorstellung war eher von einem Disney Film geprägt, als von der Realität. Ich hätte dort stundenlang zusehen können. Aber so ging es auch den meisten anderen Besucher, also musste ich mich doch losreißen. Und das nur um vor dem Tank mit Quallen hängen zu bleiben. Die kreisrunde Bewegung im Tank zusammen mit den Tieren, die scheinbar ohne Sinn kreuz und quer zu treiben scheinen, finde ich unheimlich beruhigend.

Izola

Izola ist die kleinste der drei slowenischen Küstenstädte und wie ich fand auch die unspektakulärste. Mein Eindruck wurde wahrscheinlich davon geprägt, dass am ganzen Hafen entlang gebaut wird. Große Teile des Yachthafens waren durch einen Bauzaun versperrt – da kommt eben auch kein richtiges Urlaubsflair auf. Auch hier gibt es einen Stadtstrand, der während meines Aufenthalts eifrig genutzt wurde. Da es ziemlich windig war waren einige Windsurfer im Wasser. Durch die Windgeschwindigkeiten auf dem Meer waren ein paar Sprünge doch ganz schön hoch. Ich hätte mir da doch ein wenig in die Hosen gemacht, als Zuschauer kann man das nur bewundern. Das Strandbad wenige Meter weiter war zu diesem Zeitpunkt gesperrt. Die Wellen peitschten einfach zu wild gegen die Betonmauern – man hätte locker die bekannte Szene aus „Arielle – Die Meerjungfrau“ nachstellen können. Nach kurzem Check der Lage habe ich mich dazu entschlossen das sein zu lassen. Kein Foto der Welt ist es wert vom Meer verschlungen zu werden.

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