Über die Riviera del Brenta nach Padua

Venedig kennt in Venetien jeder, aber habt ihr schon mal von der Riviera del Brenta gehört? Mir sagte das auch nichts, bevor ich mich auf meine Venedig Reise vorbereitet habe – und was soll ich sagen, es hat sich für mich als absoluter Geheimtipp herausgestellt.

Die Riviera del Brenta führt am gleichnamigen Fluss von Venedig bis nach Padua und ist insgesamt 50 Kilometer lang. Nirgends sonst findet man so viele venezianische Villen außerhalb Venedigs – die reichen Kaufleute Venedigs verbrachten die heißen Sommer lieber am kühleren Flussufer. Da die Villen am Kanal so zahlreich sind, habe ich mir die drei für mich interessantesten herausgepickt.

Villa Malcontenta

Die erste auf meiner Route ist die Villa Malcontenta, die es auch auf die UNESCO Kulturerbe Liste geschafft hat. Der Name Malcontenta (die Unzufriedene) leitet sich von einer Grande Dame der Foscari-Familie ab. Sie wurde angeblich hierher verbannt, da sie ihren Mann betrogen haben soll.

Ich habe mich sofort in die Architektur und die Innengestaltung mit den zahlreichen Fresken verliebt und wäre sofort eingezogen. Die zum Wasser ausgerichtete Säulenvorhalle erinnert an einen kleinen antiken Tempel. Die Strafe der Verbannung hat sich wohl doch ganz gut ertragen lassen.


Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 9:00 – 12:00 Uhr & 14:30 – 17:30

Eintritt Erwachsene: 12€


Villa Widmann

Die nächste Villa auf meiner Liste ist die Villa Widmann aus dem 18. Jahrhundert. Sie ist mit einem Obergeschoss, das von einer Galerie umrahmt wird, etwas größer als die Malcontenta. Nördlich des Gebäudes öffnet sich das Areal zu einem großzügigen Park, der zahlreiche Statuen birgt – Nymphen, Götter und Amoretten sind dargestellt. Bis 1984 wurde die Villa von einer Familie bewohnt und ging dann in Staatseigentum über. Highlight des Gebäudes sind die Kerzenleuchter aus Murano-Glas.


Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 10:00 – 13:00 Uhr & 13:30 – 16:30 Uhr

Eintritt Erwachsene: 7€


Villa Pisani

Die Villa Pisani ist die größte und wahrscheinlich historisch bedeutsamste Villa auf der Strecke. Sie wurde im 18. Jahrhundert als Abbild von Versailles erbaut. Insgesamt beherbergt das Gebäude 114 Zimmer. Dogen, Könige und Kaiser gaben sich hier die Klinke in die Hand – unter anderem hat Mussolini hier Hitler zu einem Treffen geladen. Heute ist die Villa, inklusive großem Garten mit Teichen und einem Labyrinth, als Nationalmuseum für die Öffentlichkeit zugängig. Mich hat der Besuch eher an ein Schloss erinnert, als an eine Villa.


Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 9:00 – 20:00 Uhr

Eintritt Erwachsene: 12€


Padua

Von der letzten Villa sind es nur noch 10 km nach Padua. Leider hatte ich nicht so viel Glück mit dem Timing. Als ich gegen 14:00 Uhr dort eintraf, begann gerade die Mittagsruhe und alle Cafes und Museen schlossen für mehrere Stunden. Ich hätte gerne die Cappela degli Scrovegni und ihre prachtvollen Deckenmosaiken bestaunt – nur leider ist es sehr schwierig 2 1/2 Stunden zu überbrücken, wenn man kein geöffnetes Cafe zum verweilen findet. Also mussten die öffentlich zugänglichen Sehenswürdigkeiten her halten, für die man kein Ticket braucht. Zuerst ging es ins Stadtzentrum an den Palazzo della Ragione. Hier wurde gerade der Markt abgebaut und nur noch wenige Stände in der Markthalle hatten geöffnet. Hier wird alles „to go“ verkauft ohne eine Möglichkeit sich zu setzten. Der Platz so wie der darauf folgende Piazza dei Signori sind von defensiver Architektur geprägt. Es gibt keine Bänke auf denen man sich niederlassen könnte. Nachdem ich dann doch noch eine Eisdiele gefunden hatte, die geöffent war habe ich mich kurzerhand, und aufgrund dem Mangels an anderer Möglichkeiten, auf die Stufen der Loggia del Consiglio o della Gran Guardia gesetzt.

Nach dieser kurzen Pause geht es weiter zum Prato della Valle. Der elliptische Park ist ein ehemaliger Sportplatz, der von einem schmalen Kanal eingegrenzt wird. An der Umrandung stehen 78 Statuen, die historische Persönlichkeiten der Stadt Padua ehren sollen.

Venedig in 2 Tagen

Venedig wird normalerweise in vier Stadtviertel aufgeteilt. Dazu kommen dann noch die südlichen Inseln inklusive Lido, sowie die Biennale, die kein eigentliches Viertel ist, aber einen eigenen Absatz verdient hat.

Venedig ist über mehrere Wege zu erreichen. Von München aus liegt man entweder 1 Stunde, fährt knappe 7 Stunden direkt und ohne umzusteigen mit dem Zug, oder sitzt etwa 5 1/2 Stunden mit im Auto, wenn alles ohne Probleme läuft. Ich stand in Italien im Stau und saß insgesamt 8 Stunden bei 34°Grad im Auto, aber es ist ja schließlich Urlaub und von solchen Kleinigkeiten darf man sich die Laune nicht verderben lassen.

Jetzt aber rein ins Geschehen und ab in die einzelnen Stadtviertel:

Dorsoduro

Wer mit Bus, Bahn oder Auto ankommt steht vor der Wahl – zuerst nach Dorsoduro oder nach San Polo. Ich habe mich für Dorsoduro entschieden, da man hier nicht sofort von Touristenmassen durch die Straßen geschoben wird.

Highlight für mich ist hier die Peggy Guggenheim Collection. Nachdem die Erbin ihren Vater auf der Titanic verloren hatte kam sie in Kontakt Dadaisten und beschloss ihr Heim am Canal Grande dem Surrealismus, Expressionismus und Futurismus zu widmen. Sie wurde Mäzenin für zeitgenössische italienische Kunst, die unter Mussolini als entartet eingestuft wurde. Ihre besondere Stellung in Venedigs Geschichte zeigt sich auch darin, dass sie mit einer Außnahmegenehmigung ehrenhalber in ihrem Garten ihre letzte Ruhe finden durfte.

Opening this gallery and its collection to the public during a time when people are fighting for their lives and freedom is a responsibility of which I am fully conscious. This undertaking will serve its purpose only if it succeeds in serving the future instead of recording the past.

Press release on the opening of Art of This Century, New York, 1942

Öffnungszeiten: Mittwoch – Montag 10:00 – 18:00 Uhr

Eintritt Erwachsene: 16€ (Studenten unter 26: 9€)


San Polo & Santa Croce

Wer wie ich gerne über lokale Märkte schlendert sollte für den Rialto Markt schon etwas früher in die Stadt kommen. Der Fischmarkt findet immer Dienstag bis Sonntag 7:00 – 14:00 Uhr statt – je früher man kommt desto mehr gibt es zu bestaunen. Ich war gegen 10:00 Uhr dort und es waren nicht mehr alle Stände besetzt. Zum staunen haben die Marktstände, die ich gesehen habe allemal gereicht. Besonders fasziniert war ich von einem halben Schwertfisch in der der Auslage oder noch lebende Krabben ein Stück weiter.

Vom Markt ist es nur ein Katzensprung bis zur Rialto Brücke. Für mich ist diese Sehenswürdigkeit eine von denen, die von der Ferne viel schöner sind, als wenn man wirklich darauf herum zu läuft. Dazu kommen die Menschenmassen, die einen über die Brücke schieben – man hat das Gefühl man kann nicht einfach stehen bleiben und im Verweilen den Augenblick genießen. An den beiden Enden der Brücke folgen auch schon die vielen Souvenirständen, wo ich vielleicht auch kurz mal schwach geworden bin. Auf der anderen Seite der Brücke beginnt dann auch schon die Einkaufsstraße von Venedig mit den bekannten Namen für den kleineren aber auch großen Geldbeutel.

San Marco

Weiter geht’s zum wahrscheinlich bekanntesten und überfülltesten Stadtteil Venedigs: San Marco. Hier kommen vor allem alle Kulturinteressierten auf ihre kosten. Schon vom Vaporetto (öffentlicher Nahverkehr via Boot) aus sieht man die Spitzen der Basilika, die alles andere überscheint. Die Pracht der Basilika di San Marco ist unüberroffen.

Wer nicht sein Herz stärker klopfen fühlt, wenn er auf dem Markusplatz steht, der lasse sich begraben, denn er ist tot, unwiederbringlich tot.

Franz Grillparzer

Einer Legende nach schmuggelten venezianische Kaufleute den Leichnam des hl. Markus im 9. Jhd. nach Venedig und errichteten ihm eine Basilika. Das heutige Bauwerk stammt aus dem Jahr 1094.
Die 1,6m hohe Quadriga in der Mitte stammt aus Rom – wahrscheinlich von einem Triumphbogen oder dem Mausoleum Kaiser Hadrians. Sie wiegen über 800kg. Die Portale an der Vorderseite sind von Steinbögen bekrönt in denen glänzende Mosaike angebracht sind – besonders abends glänzen die goldenen Steinchen in voller Pracht.

Gleich nebenan in Richtung des Canal Grande öffnet sich der Platz hin zum Palazzo Ducale. Hierbei handelt es sich um den offiziellen Sitz des Dogen der ab dem 14. Jahrhundert sein heutiges Erscheinungsbild trägt. Mehr als sieben Jahrhunderte lang saß hier die venezianische Regierung und überstand so einige Stürme und Zusammenbrüche. Eine der bekanntesten Persönlicheiten der Stadt war hier auf dem Dachboden eingesperrt: Giacomo Casanova – bekannterweise konnte er von hier entkommen.


Öffnungszeiten: täglich 09:00 – 19:00 Uhr

Eintritt Erwachsene: 30€ (wer sich schon 30Tage vor seinem Besuch sicher ist und online Tickets kauft spart 5€)


Cannaregio

Cannaregio hat nicht die Anziehung der Touristischen Hotspots – hier findet man vor allem Wohnhäuser in einem Mix zwischen herrschaftlichen Palazzi und schlichten Häusern durchzogen von kleinen Kanälen.

Ein Highlight bietet dieses „normale“ Stadtviertel aus touristischer Sicht aber doch: das jüdische Ghetto. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert war hier das jüdische Viertel ausgewiesen. Wer tiefer in die jüdische Geschichte Venedigs eintauchen will, der sollte das Museum Ebraico besuchen. Der Besuch des Museums kann mit einer Führung kombiniert werden, die die Besichtigung der Synagogen des Ghettos beinhaltet.


Öffnungszeiten: Sonntag – Freitag 10:00 – 18:00 Uhr

Führungen immer stündlichen ab 10:30 Uhr

Eintritt Erwachsene: 12€, mit Führung 15€


Lido

Wer wie ich im Hochsommer bei über 30°Grad in Venedig unterwegs ist, braucht nach dem ganzen Sightseeing auch mal eine Abkühlung. Wie gut, dass die Stadt ihre eigene Lido Insel hat – das Beste daran mit dem Vaporetto Tagesticket kommt man ganz easy zur gleichnamigen Anlegestelle. Zunächst sieht das Ganze so gar nicht nach Sandstrand aus. Der Anleger spült einen auf einen belebten Busbahnhof mit Hauptstraße dahinter. Sobald man diese überquert hat wird das Strandgefühl aber mit jedem Schritt spürbarer. Es reihen sich, neben Eisdielen und Cafes, kleine Kioske an der Straße auf , die allerlei Krimskrams verkaufen, den man für den Strand brauchen könnte – Sonnenbrillen und -hüte, Handtücher und Luftmatrazen.

Nach etwa 10 Minuten Fußweg erreiche ich den Strandabschnitt. Hier stellt sich nun nur noch eine Frage: kostenpflichtiges Strandbad oder Free Beach? Da ich nur ein Handtuch in der Tasche hatte und die Sonne erbarmungslos und ohne Wolken in Sicht vom Himmel gebrannt hat, habe ich mich für das Strandbad entschieden. Zwei Liegen und einen Schirm kann man hier für 30€ den ganzen Tag lang mieten. Den Schirm habe ich bitter nötig gebraucht, weshalb ich gerne bereit war den Preis zu bezahlen. Zumal das Strandbad nicht mein tägliches Ziel war, was die Sache dann doch unnötig teuer gemacht hätte. Vor Ort ist es auch möglich seine Wertgegenstände in einen Spint zu sperren, so dass man sorgenlos im Meer planschen kann.

Noch ein kleiner Tipp am Rande: Badeschuhe sind eine super Investition. Sie sind zwar meistens nicht besonders stylisch, aber glühend heißer Sand unter den nackten Füßen ist für mich meistens keine Option. Der Abschnitt im Meer erfordert an sich eigentlich kein besonders Schuhwerk – der Weg hin und zurück sind das Hindernis.

Biennale

Zu guter Letz wäre dann da noch die Biennale – die an sich kein eigenes Stadtviertel hat, meiner Meinung nach aber einen eigenen Abschnitt verdient hat.

Seit 1907 findet die Biennale jedes Jahr statt. Der Schwerpunkt wechselt jedes Jahr zwischen Kunst ( in geraden Jahren) und Architektur (in ungeraden Jahren). Aktuell findet gerade die Architekturbiennale unter dem Titel „The Laboratory of the Future“ statt. Sie ist die erste große Ausstellung dieser Art, die den Weg zur Klimaneutralität in der Praxis erprobt, sowie die Themen Dekolonisierung und Dekarbonisierung anspricht.

The Laboratory of the Future is an exhibition in six parts. It includes 89 participants, over half of whom are from Africa or the African Diaspora. The gender balance is 50/50, and the average age of all participants is 43, dropping to 37 in the Curator’s Special Projects, where the youngest is 24. 46% of participants count education as a form of practice, and, for the first time ever, nearly half of participants are from sole or individual practices of five people or less. Across all the parts of The Laboratory of the Future, over 70% of exhibits are by practices run by an individual or a very small team. (…)”

https://universes.art/de/biennale-venedig/2023-architecture

Mit dem Schiff durch den Donaudurchbruch

Wie kommt man da hin?

Von München aus sind es 111 km bis zur Schiffsanlegestelle Kehlheim. Die einfachste Anreise ist per Auto in etwas über einer Stunde

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wird es allerdings schon etwas schwieriger – Kehlheim hat keinen Bahnhof. Deshalb fährt man am Besten mit dem Zug bis nach Saal an der Donau. Von dort geht es dann per Bus weiter nach Kehlheim. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Busverbindung eine manchmal vor Schwierigkeiten stellt. Der Bus fährt nur einmal pro Stunde. Wenn man seinen Zug nicht darauf abgestimmt hat steht man am Bahnhof oder geht kurzentschlossen die 5,5 km zu Fuß.

Was macht man da?

An der Anlegestelle fahren mehrere Schiffe. Die einen Richtung Regensburg, die anderen durch den Donaudurchbruch. Ich habe mich für letzteres entschieden. Mit einer Taktung von 30 Minuten muss man nie lange auf sein Schiff warten. Der Donaudurchbruch bei Weltenburg ist eine Engstelle des Donautals und als Natruschutzgebiet und Geotop anerkannt. Seit 2020 ist die Weltenburger Enge ein nationales Naturmonument. Schon König Ludwig I hatte diese Stelle 1840 als Naturdenkmal ausgewiesen. Der Kalkstein der Felsformationen gehört in die Zeit des Oberjura,

An der Anlegestelle fahren mehrere Schiffe. Die einen Richtung Regensburg, die anderen durch den Donaudurchbruch. Ich habe mich für letzteres entschieden. Mit einer Taktung von 30 Minuten muss man nie lange auf sein Schiff warten. Der Donaudurchbruch bei Weltenburg ist eine Engstelle des Donautals und als Natruschutzgebiet und Geotop anerkannt. Seit 2020 ist die Weltenburger Enge ein nationales Naturmonument. Schon König Ludwig I hatte diese Stelle 1840 als Naturdenkmal ausgewiesen. Der Kalkstein der Felsformationen gehört in die Zeit des Oberjura, der vor etwa 150 Millionen Jahren abgelagert wurde – als das ganze Gebiet noch von einem flachen Meer bedeckt war. Die Formationen haben im Laufe der Zeit Namen von der Bevölkerung bekommen, wie z.B. Römerfelsen, die verfeindeten Brüder oder die steinerne Jungfrau.

Am Ende der knapp einstündigen Schifffahrt wartet das Kloster Weltenburg. Es bietet sich an in der Klosterschenke einzukehren. Das dort verkaufte Bier wird noch vor Ort gebraut. Die Schenke mit Biergarten verkauft auch allerlei Mitbringsel für zu Hause. Von Tassen über Aufnäher bis hin zu verschiedenen Bieren und Schnäpsen kann alles gekauft werden.

Wer die Kultur nicht zu kurz kommen lassen möchte, macht noch einen Abstecher in die Klosterkirche. Die Kirche ist dem Heiligen Georg geweiht, der in seiner Funktion als Drachentöter am Altar dargestellt ist. Das Bild erhält besondere Dramatik, da hinter dem Altar helles Tageslicht durch ein Fenster fällt und der Kampf zwischen Georg und dem Drachen auch als Kampf zwischen Licht und Dunkelheit interpretiert werden kann.

Was kostet das?

Die Anreise per Bus und Bahn ist im 49€ Ticket enthalten.

Mit dem Auto kosten 3 Stunden 3€ auf dem Parkplatz direkt an der Anlegestelle

Die Schifffahrt nach Weltenburg kostet 16€ – hin und zurück. Das Bier mit dem ich mich im Biergarten erfrischt habe schlägt mit 4,90€ zu Buche. Ein Andenken in Form eines Aufnähers für meine Reisetasche durfte auch noch mit, was weitere 5€ gekostet hat.