48 Stunden Budapest

Langes Osterwochenende und mein Freund und ich haben zum ersten Mal seit Jahren gleichzeitig frei – das heißt Städtetrip! Es hat nicht lange gedauert und wir haben uns auf Budapest in Ungarn geeinigt. Von München aus ist die Stadt in knapp 7 Stunden gut mit dem Auto zu erreichen. Bei den aktuellen Flug- und Zugpreisen kam uns Auto fahren, trotz zweimal Autobahnmaut, billiger. Am Ende hatten wir so etwas mehr als 48 Stunden um die Stadt zu erkunden.

Nachdem wir uns mit einer kleinen Pause im Hotel von den Strapazen der Fahrt erholt haben ging es auf einen einen kurzen Spaziergang, um die Umgebung um das Hotel zu erkunden. Der erste Stopp ist dabei das Hard Rock Cafe, da ich es mir in den Kopf gesetzt habe ab diesem Jahr Pins zu unseren Reisen zu sammeln. Damit diese Programmpunkt schon mal erledigt ist kommt dieser Punkt als erstes.

Von hier aus spazieren wir weiter Richtung Donau – und dann ist der erste Touri-Hotspot auch schon in Sichtweite: die Kettenbrücke. Hier stolpert man an jeder Ecke über die Instagram Mädels, die versuchen ihr perfektes Foto zu machen.

Alle Brücken über die Donau wurden im zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht zerstört. Bereits 1946 wurde die Freiheitsbrücke, wie sie seitdem offiziell heißt, orginalgetreu wiederaufgebaut. Die Brücke verbindet die beiden Stadtteile Buda und Pest.

Der zweite Tag startet mit einem Ausflug in die Markthalle. Für alle Foodies ein absolutes Muss. Ich glaube ich habe noch nie so viel Paprika und Salami in den verschiedensten Formen und Verarbeitungsstadien gesehen. Die Markthalle erstreckt sich über drei Stockwerke. Das Erdgeschoss ist vor allem den eben genannten Produkten gewidmet – natürlich gibt es hier aber auch anderes Obst und Gemüse, sowie Metzgerware.

Im Obergeschoss dominieren Imbiss-Stände und Souvenirs. Hier war es mir irgendwann fast zu voll. Die Galerie bietet meinem empfinden nach nicht genug Platz, dass die Besucher gleichzeitig flanieren, essen und in Souvenirs stöbern konnten. Ich hatte hier meine Tasche immer fest im Griff, da es diesem Gedränge wohl ein leichtes für Taschendiebe ist – ich muss aber auch dazu sagen, dass dies eine Vorsichtsmaßnahme meinerseits war und ich keinen Vorfall mitbekommen habe.

Im Untergeschoss wird dann noch Fisch und eingelegte Ware angeboten. Die große Markthalle ist Mo – Fr von 06:00 – 18:00 Uhr und Sa 06:00 – 15:00 Uhr geöffnet.

Nach einer kurzen Mittagspause im Hotel geht es weiter zur Stephansbasilika, die fußläufig von unserem Hotel zu erreichen ist. Weil Karsamstag war, ist der Eintritt zur Basilika kostenlos – normalerweise kostet der Besuch 6000 HUF. Ich bin kein großer Fan davon für den Besuch einer Kirche, die noch aktiv genutzt wird, Eintritt zu bezahlen. Eine Fahrt bzw. Besichtigung eines Kirchturms gegen ein Entgelt finde ich unproblematisch, das Gotteshaus an sich zu bezahlen finde ich allerdings schwierig. Ich hätte die Basilika also nicht besichtigt, hätte ich Eintritt bezahlen müssen.

Die 96 Meter hohe Kuppel ist zusammen mit der Kuppel des Parlaments das höchste Gebäude der Pester Innenstadt. Es dauerte insgesamt 55 Jahre bis das Gotteshaus fertiggestellt wurde.

Danach geht es für uns zur Floating Bus Tour. Hier macht man zuerst eine klassische Stadtrundfahrt mit dem Bus und dann fährt der selbe Bus in die Donau und führt die Stadtrundfahrt als Boot weiter. Ich kann das Erlebnis auf jeden Fall empfehlen – auch wenn es im Bus trotz Klima sehr stickig und eng gewesen ist. Für größere Personen könnte es aufgrund der Enge in den eineinhalb Stunden doch etwas anstrengender werden.

Auf dem Heimweg ging es nochmal kurz über den Heldenplatz, den ich vom Bus aus schon bewundern konnte. Da mir die Spaziergänge des Tages in den Knochen steckten und sich mein Bauch auch schon zum Thema Abendessen gemeldet hat, war es nur ein kurzer Abstecher für das Foto.

Für die letzten 12 Stunden habe ich mir so gut wie alle Highlights aus dem Reiseführer aufgehoben und es geht in den nächsten Stunden Schlag auf Schlag.

Nach dem Frühstück geht es gleich los Richtung Fischerbastei. Wir waren um halb 11 dort und trotzdem schon zu spät um den Menschenmassen zu entgehen. Ich habe mich nicht nur einmal gefragt, wann die Reise Influenzer vor Ort sind um die Fotos die man so im Internet findet, so menschenleer schießen zu können. Teilweise stehen an den Plätzen einfach Restauranttische.

Die Bastei ist Teil des Burgmauer. Die sieben Türme, von denen man einen auf dem Foto rechts sehen kann, symbolisieren die sieben Magyaren-Stämme. Der Name Fischerbastei stammt vom hier beheimateten Fischmarkt, was es auch zur Aufgabe der Fischer machte diesen Teil der Mauer zu verteidigen.

Von der Bastei aus sieht man schon den den nächsten Punkt auf meiner Liste – das Parlament. Da man manche Dinge besser von der Ferne bewundern kann, als wenn man direkt davor steht, habe ich mich für Fotos von der gegenüberliegenden Donauseite entschieden. Gut das es nahegelegen gleich eine U-Bahn Station gibt.

Hier ist dann auch mein neues Profilfoto, sowie mein neues Lieblings-Pärchenbild entstanden.

Mit besagter U-Bahn geht des dann unter der Donau zur anderen Flusseite. Hier wartet die Skulptur „Schuhe am Donauufer“. Insgesamt sind es 60 Paare auf einer Länge von 40 Metern erinnern an die Massenerschießungen, von ungarischen Juden durch die Nazis, am Donauufer. Die Schuhe sind ganz unterschiedlich: von Männern, Frauen und Kindern.

Für mich war es dann doch ein bisschen erschreckend, wie viele Touristen fröhliche Selfies an einem Holocaust Mahnmal schießen. Offensichtlich ist vielen die grausame Geschichte, die hinter der Skulptur steht nicht bewusst, oder nicht jeder macht sich darüber so viele Gedanken wie ich.

Das Beste kam für mich dann zum Schluss: der Besuch des jüdischen Viertels. Gestartet haben wir mit einer Führung durch die Synagoge an der Dohanystraße. Der Innenraum gleicht einer christlichen Kirche, da bei der Innengestaltung Wert darauf gelegt wurde sich der christlichen Mehrheit anzupassen. Eine Synagoge an sich braucht eigentlich keinen Schmuck um als Synagoge zu gelten – einzig wichtig sind die Thora Rollen.

Die Synagoge steht an der Grenze des ehemaligen Ghettos, das während des zweiten Weltkriegs errichtet wurde.

Das Ghetto stand nur wenige Wochen und birgt trotzdem eine Fülle von geschichtlichen Ereignissen. So sind zum Beispiel 2000 Juden im Innenhof begraben, die im Ghetto erschossen wurden. Nach der Befreiung Budapests wurden sie in Eile in einem Massengrab begraben. Es handelt sich um eines der größten Massengräber jüdischer Opfer in der Welt. Die Geschichte der Synagoge, sowie einen Einblick in das Judentum bietet das jüdische Museum, das an den Komplex anschließt und im Eintritt einbegriffen ist.

Besonders beeindruckt hat mich die silberne Trauerweide im Hof, die oben auf dem Bild zu sehen ist. Nach der Errichtung konnten für den symbolischen Preis von 200€ Blätter an diesem Baum gekauft werden. Auf den Blättern wurden dann die Namen der unter den Nazionalsozialisten ermordeten Juden eingraviert, denen man mit seiner Spende gedenken wollte. So gut wie jedes Blatt trägt einen Namen. Ich bin immer überwältigt von der Vielzahl der Menschen, die unter diesem Regime ermordet wurden. Die bloße Zahl ist für mich immer schwer greifbar. Solche Monumente machen das ganze für mich etwas deutlicher . auch wenn hier nur ein Bruchteil abgebildet ist.

Restaurant Tipps

Hungarikum

Am ersten Abend waren wir in der Nähe der Kettenbrücke im Bistro „Hungarikum“ essen. Normalerweise bekommt man hier ohne Reservierung so gut wie keinen Platz. Auch als wir ankamen stand schon das Schild, dass sie leider ausgebucht sind vor der Türe. Doch wir hatten Glück! Gerade als wir wieder gehen wollten kam uns eine der Damen aus dem Service entgegen und meinte eine Reservierung hätte kurzfristig abgesagt und wir könnten den Tisch haben. Das haben wir uns natürlich nicht zweimal sagen lassen. Das Bistro wirbt damit authentische ungarische Küche anzubieten. Wir wurden nicht enttäuscht! Meine vegetarischen Gnocchi als auch das Gulasch von meinem Freund waren einsame Spitze. Besonders hervorheben möchte ich, dass man mit der Karte ein Tablett auf den Tisch gelegt bekommt, wo man sich Bilder und Übersetzungen in allen erdenklichen Sprachen zu den Speisen ansehen kann. Das macht es wirklich einfach das passende zu finden und habe ich so auch noch nirgends gesehen.


Hungarikum Bisztró 1051 Budapest, Steindl Imre u. 13.

Öffnungszeiten: : Mo – So 12:00 -14:30 Uhr und 18:00 – 22:00 Uhr
 www.hungarikumbisztro.hu


Belvarosi Lugas

Am zweiten Abend ging es ins Bistro „Belvarosi Lugas“ – wieder typisch ungarisch und wieder super lecker. Diesmal habe ich mich für Lammkeule entschieden und war wieder höchst zufrieden. Mein besonderes Highlight war allerdings der Nachtisch. Übersetzt wurde das Gericht mit „Vogelmilch“ und ich konnte mir so gar nichts darunter vorstellen. Bekommen habe ich dann ein Glas mit einer gelben dicken Flüßigkeit in der eine weiße Insel schwamm. Die Insel würde ich als etwas zwischen Baiser und Marshmellow beschreiben, die Flüßigkeit ist sehr süß und vanilig. Sie schmeckt ein bisschen wie Eierlikör ohne Alkohol. Da ich Süßspeisen immer sehr zugetan bin, hatte ich meinen neuen Favouriten für diese Reise gefunden. Wer es süß mag sollte es unbedingt ausprobieren!


Belvarosi Lugas Étterem, Bajcsy-Zsilinszky E. út 15., Budapest

Öffnungszeiten: Mo – So 12:00 – 23:00 Uhr https://www.facebook.com/belvarosilugasetterem


Getto Gulyas

Abend Nummer drei = Restaurant Nummer drei. Wir bleiben im jüdischen Viertel. Schon beim schlendern hat es mich Richtung Getto Gulyas. Die breite Fensterfront mit den hohen geöffneten Fenstern hat mich angezogen. Man hatte Innen fast das Gefühl man würde im Freien sitzen. Wahrscheinlich wäre auch hier wieder eine Reservierung besser gewesen – wir hatten aber wiedermal Glück und den letzten freien Tisch bekommen. Von Innen wirkt das Restaurant sehr modern und cool und der Name ist Programm. Auf der Karte findet man eine große Auswahl verschiedener Gulasch Zubereitungen. Wieder war ich mit meiner Wahl sehr zufrieden und ich habe auch hier mein neues Lieblingsdessert wiedergefunden. Übersetzt wurde es diesmal mit „schwebender Insel“. Zu trinken kann ich die selbstgemachte Limonade nur empfehlen – meine Wahl viel auf die Kombi von Erdbeer und Basilikum. Im Vergleich zu den anderen Restaurants ist dieses das coolste und erstaunlicherweise war es für uns auch das günstigste.


Gettó Gulyás ristorante per Gulasc, 1077 Budapest, Wesselényi u. 18

Öffnungszeiten: Mo – So 12:00 – 23:30 Uhr https://www.facebook.com/gettogulyas/menut


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