Villa Rustica Brederis

Versteckt hinter einem Golfplatz und neben einem Fussballplatz findet man die Villa Rustica in Rankweil. Das anktike Landgut Brederis umfasst 3 ausgegrabene Gebäude, die vom 1. bis 5 Jahrhundert nach Christus besiedelt waren. Das erste Haus wurde 1954 entdeckt, in den Grabungen 2002 und 2007 kamen das Haupthaus und ein römisches Badehaus dazu. Im näheren Umfeld vermutet man noch weitere Gebäude, die aktuell aber noch durch Felder verborgen sind.

Zwischen den Fundamenten wurde eine begehbare Plattform errichtet, die Glasvitrine auf dem Bild oben gib den Blick frei auf einen kleinen Teil der Originalmauern des Haupthauses. Die wechselhafte Geschichte des Orts und die Funktion der Gebäude wird durch Texttafeln an der Seite für die Besucher zugänglich. Eine kleine Schauwand zeigt Fundstücke, die vor Ort gefunden wurden – Waffen, Münzen, Fibeln, Keramik und ein Weinsieb.

Nationalpark Butrint

Wer Sarandë als Base für Ausflüge nimmt hat nur eine kurze Autofahrt nach Butrint. Die Fahrt war für uns allerdings etwas kurios. Zunächst war es gar nicht so einfach die Autovermietung zu finden. Mit Hilfe von Google Maps haben wir uns auf einen Platz navigiert, wo die Vermietung zu finden sein sollte. Allerdings war da eben nur ein Platz mit einer Skulptur und weit und breit nichts was nach einer seriösen Autovermietung aussieht. Nach einigem hin und her entschließen wir uns am nächsten Kiosk zu fragen, wo den die ominöse Vermietung zu finden sei – und tadaa! Wir haben sie gefunden. Die Kaution und Bezahlung läuft komplett in Euro ab und dann bekommen wir auch schon den Schlüssel zu unserem Kleinwagen.

Mit diesem geht es dann an der Küste entlang durch das benachbarte Ksamil – wo an allen Ecken und Enden gebaut wird und keine Baustelle so gesichert ist, wie man es aus Westeuropa gewohnt ist: sprich man fährt einfach durch die Lücke, die die Bauarbeiter dem Verkehr lassen. Shops, die auf Touristen warten Reihen sich wie Perlen an einer Kette. Sobald man die Stadt verlässt verändert sich der Anblick: Grüne Hügel soweit das Auge reicht und zwischendurch spitzt das Meer zwischen den Bergen durch. Die Straße endet mit der Landzunge. Hier befindet sich der Nationalpark Butrint.

An sich ist der Nationalpark riesig. Die komplette umliegende Landschaft gehört zum Park dazu. Eine kleine Fähre würde uns über den Fluß auf die andere Seite bringen, wo sich der landschaftlich wunderschöne Teil der Parks erschließt. Ich habe mein Auge allerdings auf den diesseitigen Teil geworfen, da neben dem Parkplatz schon das Tor zur antiken Stätte Butrint wartet, die ich mir als Teil des UNESCO Weltkulturerbes nicht entgehen lassen wollte. Für umgerechnet 10€ erhält man Zutritt zum weitläufigen Gelände, auf dem sich über die Jahrhunderte Griechen, Byzantiner, Venezianer und Osmanen die Klinke in die Hand geben.

Laut klassischer Mythologie wurde die antike Stadt von den Verbannten, die die gefallene Stadt Troja verließen, gegründet. Auch ohne Plan findet man sich auf dem Gelände gut zurecht. Zahlreiche Wegweiser führen in einem Rundweg zu dem wichtigen Landmarken.

Highlight des Rundgangs ist die Taufkapelle mit Mosaiken aus dem 6. Jahrhundert. Aktuell sind die vor Ort erhaltenen Originale zur Erhaltung zugeschüttet – sie werden nur alle paar Jahre freigelegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dafür ragen die große Basilika und das Theater aus dem 3. Jahrhundert fast in Originalgröße in den Himmel. Funde aus dem Areal finden sich im kleinen Museum, das in der venezianischen Burg ganz oben auf dem Hügel untergebracht ist.

Die 10€ ist der Besuch definitiv wert. Man bekommt richtig viel zu sehen. Geeignet ist der Ausflug auch für heißere Tage, da man die meiste Zeit im Schatten der Bäume verbringt.

Pfahlbautenmuseum – Bronzezeit in Unteruhldingen am Bodensee

Ich bin mit dem Auto nach Unteruhldingen angereist – hier ist zu beachten, dass es in der Stadt selbst, bzw. in unmittelbarer Nähe des Freilichtmuseums keine Parkplätze gibt. Deshalb orientiere ich mich, wie im Internet angegeben, am Parkleitsystem. P1 scheint für mich die erste und beste Parkmöglichkeit zu sein. Bezahlt werden kann ganz easy über die EasyPark App. Für 2 Stunden bezahle ich 6,90€.

Schon beim Aussteigen sehe ich die Wegweiser Richtung See und Pfahlbauten. Der Weg führt ungefähr 10 Minuten durch das kleine Städtchen hinunter an den Bodensee. Wer faul ist, muss allerdings nicht laufen, sondern kann mit dem Kurbähnle für 3,50€ (Hin- und Rückfahrt) bis fast direkt zum Eingang des Museums fahren.

Man betritt das Areal durch das Museum. Pro Person wird ein Eintritt von 14€ pro Person fällig. Seit 2011 gehört die Fundstätte mit ihren insgesamt vier vorgeschichtlichen Dorfanlagen, an der seit 1922 ein Museum und Nachbauten stehen, zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Ausstellung ist sehr liebevoll und modern gestaltet. Besonders das Archeorama hat es mir angetan. Hier geht man mit zwei Forschern auf einen Tauchgang zu den Überresten, der durch eine Videoprojektion im ganzen Raum gestaltet ist. Am Ende wird eine Rekonstruktion des bronzezeitlichen Dorfes gezeigt und man wird in die Freifläche entlassen. Hier wartet schon ein Guide, der einen kurzen Abriss zur Geschichte des Orts und dem Besten Rundgang über das Gelände gibt. Danach kann das Gelände frei erkundet werden.

Jedes Haus ist einem anderen Thema gewidmet: Töpferei, Steinwerkzeuge, Wohnhaus usw. In den großen Häusern stehen einem wieder Guides zur Verfügung, die die verschiedenen Exponate erläutern und für Fragen zur Verfügung stehen. Übrigens waren die Pfahlbauten auch Schauplatz der ARD-Doku „Steinzeit – Das Experiment“ aus dem Jahr 2007.

Mein Archäologen-Herz hat am Ende des Rundgangs höher geschlagen und ich kann jedem, der in der Nähe ist, nur wärmstens empfehlen die Pfahlbauten zu besuchen. Der Eintritt war definitiv sein Geld wert und ich habe damit gerne das Museum, das nicht staatlich gefördert wird, unterstützt.

7 archäologische Highlights in Athen

1. Akropolis

Selbst wenn man sich nicht für Geschichte und Archäologie interessiert, kommt man an der Akropolis nicht vorbei. Der Parthenon Tempel ist mehr oder weniger immer von der Stadt aus zu sehen.

Aber von vorne: Über der Stadt erheben sich mehrere Hügel. Der touristisch wichtigste ist der Burgberg – die sogenannte Akropolis. Die architektonischen Hinterlassenschaften, die heute zu sehen sind bilden den Stand der römischen Kaiserzeit ab. Als Athen zur Hauptstadt des modernen Griechenland wurde, wurde auch die Akropolis zum Teil des nationalen Selbstverständnisses. Seit dem 19. Jhd. finden hier Grabungen und Restaurierungen statt.

Durch die Propyläen – die auf ein mykenisches Burgtor zurück gehen – betritt man das Akropolis Gelände. Hier wird man über Schautafeln im Kreis um den Platz geführt.

Erste Station auf dem Weg ist das Erechteion. Dieser Bau wird bereits in Homers Odysee und Ilias erwähnt. Der kleine Tempel war wohl der Athena Polias geweiht. Das bekannteste Element ist die Korenhalle im Süden.

Von hier aus bewegt man sich an die Spitze des Plateaus, wo man freie Sicht auf den Tempel der Athena Parthenos hat – den Parthenon. Er bildet das religiöse Zentrum des antiken Athens und gründet auf mehreren Vorgängerbauten. Laut Angaben von Plinius befand sich in seinem Inneren ein 11,5 m hohes Bildnis der Athena – heute ist davon nichts mehr übrig.

In der Moderne sorgt aktuell der Parthenon Fries für Aufmerksamkeit. Die Originale sind in verschiedenen Museen verteilt. Jüngst hat der Vatikan angekündigt seine Fragmente an Griechenland zurück zugeben. Nun werden wieder Stimmen lauter, dass auch das British Museum in London, wo sich der Großteil der Bauplastik befindet, seine Stücke zurück geben sollte.

Ich habe mich beim Ticketkauf für ein Kombiticket entschieden, mit dem man im Zeitraum von 5 Tagen fast alle hier aufgelisteten Attraktionen besichtigen kann. Für 30€ in der Nebensaison kein schlechter Deal.

2. griechische Agora

Der Bereich der griechischen Agora wurde bereits in der Bronzezeit als Friedhof genutzt. Ab der Eisenzeit waren dann auch die Lebenden auf diesem Gebiet aktiv. Die Agora liegt direkt am Pananthenäenweg der hinauf zur Akropolis führt. Als die Perser Athen eroberten wurde dieses Areal zerstört, die danach errichteten Bauten konzentrieren sich eher auf die Randgebiete des Komplexes – so wie es auch heute den Eindruck macht. Die Freifläche in der Mitte diente kulturellen, religiösen und politischen Zwecken. Auch hier ist wieder der Stand der römischen Kaiserzeit erhalten.

Nach betreten fällt einem sofort der Tempel des Hephaistos auf der Erhebung an der linken Seite auf. Hierbei handelt es sich um den wahrscheinlich am Besten erhaltenen Tempel des antiken Griechenland.

Genau gegenüber findet sich die rekonstruierte Stoa des Attalos. Aus dem ersten Stockwerk ist auch das Bild hier entstanden. Das Erdgeschoss beherbergt heute ein kleines Museum mit Funden von der Agora.

3. Hadrians Bibliothek

[…] das Großartigste aber sind hundert Säulen aus prhygischem Marmor, und die Wände sind ebenso gebaut wie die Säulenhallen. Und hier sind Gebäude mit vergoldetem Dach und aus Alabater und dazu mit Statuen und Gemälden geschmückt, in denen Bücher aufbewahrt werden.

Pausanias, Beschreibung Griechenlands I, 18, 9

Vom bei Pausanias beschriebenen Glanz ist leider nicht mehr viel übrig. Heute sind mehr oder weniger nur noch Teile der Außenfassade und ein paar Säulen im Inneren erhalten. Das mag auch daran liegen, dass das Gebäude im 7.Jhd zu einer Kirche umgebaut wurde. Die Grundmauern der dreischiffigen Basilika sind im Landschaftsbild nachzuvollziehen.

4. Turm der Winde

Auf diesen Turm stellte er [Andronikos aus Kyrrhos] eine kegelförmige Säulenspitze mit einem bronzenen Zritonauf, der mit der rechten Hand einen Stab vorstreckt und so konstruiert ist, dass er durch den Wind umgedreht wurde, sich immer gegen den Wind stellte und den Stab über die Darstellung (des Windes) hielt als Anzeiger, woher der Wind weht.

Vitruv, De architectura libri decem 1, 6, 4

Der sogenannte Turm der Winde befindet sich auf der römischen Agora im Stadtteil Plaka.

Das Oktogon, dessen Name sich von den allegorischen Darstellung der Winde im oberen Teil ableitet, kann von zwei Seiten betreten werden. Die Winde geben die vier Himmelsrichtungen wieder, so dass der Bau als eine Art Kompass genutzt werden kann. Ursprünglich befand sich an allen acht Seiten eine Sonnenuhr – einzelne Reste sind noch heute zu erkennen. Die wichtigere Uhr befand sich allerdings im Inneren. Hier befand sich eine Wasseruhr, die Tag und Nacht unabhängig von der Sonneneinstrahlung die Zeit anzeigte. Davon ist heute nichts mehr zu erkennen, da das Gebäude im Laufe der Zeit als Taufkapelle unter den Christen und in osmanischer Zeit von einem Derwisch Orden genutzt wurde.

5. Olympieion

Neben dem moderenen Stadion von Athen findet sich das Olympieion – der Tempel von dem nur noch wenige eindrucksvolle Säulen erhalten sind, war dem olympischen Zeus geweiht.

Die Ausgrabungen an dieser Stelle lassen auf einen Monumentalbau von 60 x 120 Metern schließen. Der Tempel wurde erst unter Kaiser Hadrian fertiggestellt. Bereits in der Antike wurden immer wieder Bauteile des Tempels für andere Bauten wiederverwendet.

6. Hadrianstor

Anlässlich der Einweihung des eben beschriebenen Olympieions unter Hadrian wurde auch der hier abgebildete Hadriansbogen eingeweiht.

Hierbei handelt es sich um einen reinen Fassadenbau. Er trennt die Athener Altstadt von den neuen durch Hadrian erbauten Stadtvierteln – dies wird durch die Inschrift auf dem Bogen deutlich. Im Laufe der Zeit war der Bogen Bestandteil einer Kirche, sowie Teil der türkischen Stadtbefestigung im 18. Jahrhundert.

7. Akropolis Museum

Einen runden Abschluss zur Besichtigung der ganzen Monumente, die hier beschrieben wurden, bietet das 2009 eröffnete Akropolis Museum.

Hier finden sich Exponate von der Archaik bis zur Spätantike. Alles was hier ausgestellt wird wurde auf der Akropolis gefunden.

Besonderes Augenmerk liegt auf dem Parthenonfries, dem einen gesamte Etage gewidmet wird. Der innere und äußere Fries sind gemäß ihrer ursprünglichen Anordnung am Tempel im Raum angebracht. Davor erheben sich die Giebelfiguren. Dem Besucher wird so ein 3D Eindruck des Tempels gegeben.

Das Museum ist als einziges hier in der Liste nicht im Kombiticket enthalten. Der Eintritt kostet in der Wintersaison 10€.


Quelle: Wolfram Letzner, Athen. Der Archäologische Führer.

Campus Galli

Das Projekt

Im badischen Meßkirch befindet sich seit 2012 die wahrscheinlich größte mittelalterliche Baustelle Europas. Mit den Mitteln der Karolinger Zeit wird in reiner Handarbeit, ohne moderne Maschinen der Bauplan des Klosters St. Gallen aus dem 9. Jahrhundert nachgebaut. Jeder Holznagel, jedes Seil und jede Dachschindel wird per Hand hergestellt und dann in den Gebäuden verbaut. Seit 2013 kann hier experimentelle Archäologie live miterlebt werden. Der Eintritt für einen Erwachsenen kostet 13€. Die Bauzeit ist für mehrere Jahrzehnte angesetzt – die Baustelle befindet sich in stetigem Wandel. Aktuell wird am ersten Gebäude aus Stein gebaut: das Nebengebäude des Abtshofs.

Der Rundgang

Vom eher modern minimalistisch gehaltenen Eingang geht es hinauf in den Wald zur karolingischen Klosterstadt. Der erste Bau auf dem Rundweg ist eine kleine Eremitage mit Hühnern, kurz bevor sich der Weg zu einem großen Platz hin öffnet. Dort befindet sich die erst kürzlich fertiggestellte Scheune. Das mit Stroh gedeckte Gebäude ist mit einer Höhe von 8 m und knapp 240 qm das aktuell größte auf dem Areal.

Zur linken der Scheune befindet sich die Weberei. Rechter Hand geht es weiter Richtung Kräutergarten. Der Garten ist mit einem Holztor verschlossen, so dass mit nur der Blick über den Zaun bleibt. Bei der Betrachtung des Zauns und des dazugehörigen Tors wird mir zum ersten Mal richtig bewusst, dass hier alles ohne moderne Maschinen und mit bloßen Händen geschaffen wurde – diese Erkenntnis sollte sich noch einige Male wiederholen. Neben dem Kräuter – und Gemüsegarten schließt der Friedhof an. Gekennzeichnet wird er durch ein handgeschnitztes Kreuz.

Weiter den Rundgang entlang passiert man Korbmacherei und Töpferei. Ich habe mich ein wenig in die Krüge mit archaisch wirkender Verzierung verliebt. So etwas schönes würde ich mir durchaus auch in mein modernes Zuhause stellen.

Die nächste Station ist die Schmiede. Da ich meinen Rundgang in der Mittagspause von 13 – 14 Uhr gestartet habe waren nirgends Handwerker bei der Arbeit. Vor allem die Schmiede wäre mit brennendem Feuer und dem Lärm der Hämmer noch eindrucksvoller gewesen.

Langsam nähere ich mich dem Zentrum der Anlage. Relativ unscheinbar liegt das neueste Bauvorhaben des Projekts auf der rechten Seite des Weges – der Abtshof. Außer ein paar Grundmauer ist noch nicht viel vom ersten Steingebäude der Klosterstadt zu sehen. Dafür wird es wenige Meter dahinter umso spektakulärer. Hinter ein paar Bäumen versteckt sich die Holzkirche mit Turm. Hier wird mir wieder die unglaubliche Leistung der Beteiligten des Projekts bewusst. Die Kirche ist komplett aus Holz errichtet. Jede Dachschindel wird durch einen kleinen Holznagel gehalten. Die Balken werden entweder durch Holzdübel miteinander verbunden oder fügen sich nahtlos ineinander ein. Die kleinen Fenster, die ein wenig Licht in den Innenraum lassen sind mit einer Art Pergament verschlossen – Glasfenster gibt es im 9. Jahrhundert schließlich noch nicht. Der Altarraum ist liebevoll mit geschwungenen Mustern verziert. Ein wenig erinnert mich das Dekor an bekannte Wikinger Serien – ich wäre also nicht sonderlich überrascht gewesen, wäre ein Krieger in Fellen gekleidet, die Haare zu Zöpfen geflochten und mit Axt und Schild bewaffnet in den Raum gekommen. Man fühlt sich sehr schnell in eine andere Zeit versetzt.

Nachdem ich mich von der Kirche losreißen konnte geht es auf den großen Marktplatz im Zentrum. Hier ist für das leibliche Wohl gesorgt und zum ersten Mal schleichen sich ein paar moderne Dinge ein. Verschlossene Getränke werden natürlich in Glasflaschen serviert und die Mülleimer sind mit Plastiktüten bestückt. Trotzdem wird sehr viel Wert darauf gelegt den Rest in einem historischen Gewand zu halten. Alle Sitzmöglichkeiten sind aus Holz gefertigt. Die Plane, die über den Bänken und Tischen gespannt ist, ist mit einer kompliziert aussehenden Knotenkonstruktion an einem Pflock im Boden verankert. In den Buden auf der anderen Seite des Platzes kann man Erzeugnisse aus der Anlage, sowie historisch anmutende Geräte und Schmuck erwerben – für mich gibt es einen Kochlöffel aus Kirschholz, eine Kräutersalzmischung und silberne Ohrringe.

Da es bei meinem Besuch während der Einkehr fürchterlich angefangen hat zu regnen, habe ich die Tierstallungen auf dem Rest des Weges ausgelassen und bin auf kürzestem Weg zurück zum Auto gegangen um noch einigermaßen trocken anzukommen.

6 Highlights die man in Pompeii nicht verpassen sollte

Ein weiterer Tagesausflug, den man im Golf von Neapel unbedingt machen sollte ist in den Archäologischen Park von Pompeii. Überall in der Stadt werden Touren dorthin angeboten – nach einiger Recherche bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die eigene Anreise per Zug die günstigste Variante ist. Vom Bahnhof Neapel sind es nur wenige Stationen und etwa eine Halbe- bis Dreiviertelstunde Fahrt für unschlagbare 5,60€ hin und zurück.

Am Bahnhof von Pompeii umgeht man dann am Besten die zahlreichen Touristenführer und angeblichen Ticketshops und begibt sich direkt auf den Weg zum Eingang des Archäologischen Parks. Nach etwa 20 Minuten weg durch die Stadt stehe ich auch schon in der kurzen Schlange am Eingang zum Amphitheater. Der Eintritt in den Park kostet 16€ pro Person. Da ich vor Jahren als Studentin schon einmal in Pompeii war hatte ich meinen alten Führer durch die Ausgrabungsstätte noch und war nicht auf einen Audioguide angewiesen. Im Folgenden habe ich meine 6 Highlights die man unbedingt gesehen haben sollte aufgelistet:

Das Amphitheater

Beim Amphitheater von Pompeii handelt es sich um den ältesten erhalten Bau dieses Art. Im Süden lehnt er sich an die Stadtmauer an, so das diese als Stützmauer für den Zuschauerraum genutzt werden konnte. Das Innere faste etwa 20.000 Personen. Die hohe Brüstung im Inneren, die man im zweiten Bild sehen kann, muss man sich bunt bemalt vorstellen. Dort werden wahrscheinlich Gladiatoren-, Jagdszenen oder Siegesfeiern dargestellt worden sein. Besondere Berühmtheit erreichte das Theater 59 n.Chr. als es zwischen Anhängern benachbarter Mannschaften – heute im Fußball würde man es Derby nennen – zu gewalttätigen Ausschreitungen kam. Da es mehrere Verletzte und sogar Tote zu beklagen gab, beschloss Kaiser Nero das Theater für 10 Jahre für Veranstaltungen zu sperren. Ich kann nur wieder den Vergleich zum heutigen Fußball ziehen: Kaum vorstellbar was passieren würde wenn man Mannschaften für 10 Jahre sperrt, nur weil sich die Fans nicht benehmen können.

Casa del Fauno

Mit 3000 m² Grundfläche ist die Casa del Fauno das größte Wohnhaus der Stadt. Namensgebend ist der im Atrium gefundene Faun, der auf dem ersten Bild zu sehen ist. Das Original befindet sich im Archäologischen Museum von Neapel. Am Ende des Gartens findest sich einen reich dekorierte Exedra. Sie liegt in einer Achse mit dem Eingang und ist der Mittelpunkt des Hauses. Die Säulen werden von korinthischen Kapitellen aus bemaltem Stuck bekrönt. Den Boden ziert – meiner Meinung nach – das schönste und beeindruckendste Mosaik der ganzen Stadt. Gezeigt ist eine Schlachtenszene. Wer sich Zeit nimmt und sie genauer betrachtet stellt fest, dass es sich um den entscheidenden Kampf zwischen Alexander dem Großen und dem persischen Herrscher Dareios handelt. Auch hier findet sich das Original wieder im Archäologischen Museum von Neapel.

Forum, Basilika & Apollontempel

An der Kreuzung der beiden Hauptstraßen liegt das Forum – es ist in seiner Funktion vergleichbar mit heutigen Stadtplätzen. Der Platz verändert sich im Laufe der Jahre immer wieder: Neue Tempel werden errichtet, Ladenlokale kommen hinzu, alte Bauten verschwinden. Auf den Basen entlang der Säulenhallen waren wohl Bildnisse berühmter Bürger aufgestellt – gefunden wurde keine diese Statuen, man nimmt an, dass die Bürger nach dem Vulkanausbruch zurück gekehrt sind und sie entfernt haben. Heute ziert eine moderne Reiterskulptur den Platz, die zumindest ein wenig erahnen lässt wie imposant der Platz mit all seinem Schmuck und den Statuen gewirkt haben muss.

Der wohl wichtigsten Kultbau der Stadt, gleich an das Forum anschließend, war der Apollontempel. Dem Gott zugeordnet werden kann er aufgrund einer gefundenen Bronzestatue – die heute im Original in Neapel zu finden ist. Umgeben ist der Tempel von einem Säulengang, der auf Bild drei zu erkennen ist

Lupanar

Für alle nicht Historiker oder Archäologen ist dieser unscheinbare Bau wohl der interessanteste. Hinter der Bezeichnung Lupanar (lat. lupa = Dirne) verbirgt sich ein Bordell. Es ist das größte und bestgestaltete in Pompeii. Es wird behauptet, dass die Bilder oberhalb der Zimmer die Spezialität der Dame darunter darstellen. Da es sich bei den Zimmern um sehr kleine Räume mit lediglich einem gemauerten Bett als einzigem Einrichtungsgegenstand handelt, erschließt sich für mich die Erotik eher weniger. Mein Eindruck ist, dass hier lediglich niedere Triebe bedient wurden.

Auf einer der nächstgelegenen Hauptstraße findet sich ein Wegweiser in den Steinboden eingemeißelt. Die Spitze der Darstellung zeigt in Richtung des Lupanars. Vor allem bei Führungen geht hier immer ein raunen durch die Gruppe, kurz gefolgt von zahlreichen Klickgeräuschen der Auslösers der Handykameras – so auch bei der amerikanischen Gruppe in die ich durch Zufall hinein geraten bin.

Casa dei Vettii

Die Casa dei Vetti beeindruckt durch ihre reiche Ausgestaltung. Leider war sie bei meinem Besuch – wie auch schon vor 10 Jahren bei meinem ersten Besuch in Pompeii – wegen Renovierungs- und Forschungsarbeiten für Touristen geschlossen. Ich hätte den Fries der Eroten bein der Arbeit gerne einmal live gesehen.

Mysterienvilla

Die Gemälde der Mysterienvilla sind wohl die bekanntesten in ganz Pompeii. Die Villa befindet sich etwas außerhalb der übrigen Anlage, das Gelände fällt zum Meer hin ab. Zum Wohnhaus gehört auch eine Städte für Weinproduktion. Die berühmten im Bild abgelichteten Malereien befinden sich Triclinium des Hauses. Die Deutung ist hoch umstritten. Man kann den Initiationsritus in einen Mysterienkult – daher der moderne Name der Villa – interpretieren, aber auch auch die weibliche Initiation in den Dionysos Kult. Zweiteres gilt nach aktueller Forschungslage als wahrscheinlicher.

Am Ende der Villa gibt es eine kleinen Ausgang vom Gelände. Wer also nicht den ganzen Weg zurück in die Ausgrabungsstätte laufen möchte und wie ich nicht an ein festes Transportmittel gebunden ist, kann hier den archäologischen Park verlassen und das kurze Stück die Strasse entlang zum Bahnhof marschieren. Von hier geht es dann wieder zurück nach Neapel.

Cartagena & Licor 43

Sightseeing Cartagena

Cartagena liegt im südlichen Spanien in der Küstenregion Murcia. Die Besiedelung an dieser Stelle kann durch Funde bemalter Muschelschalen bis zu den Neanderthalern zurück verfolgt werden. Später wurde die iberische Hafenstadt Mastia von den Phöniziern als „Neustadt“ neu gegründet und bildete den Ausgangspunkt des zweiten punischen Krieges – von hier brach Hannibal Richtung Italien auf. Nach der Eroberung durch die Römer wurde die Stadt zur wichtigsten Silberabbauregion des römischen Reiches. Noch heute kann man Reste der römischen Siedlung im Stadtbild finden. Das herausragendste Gebäude der Stadt ist das gut erhaltene römische Theater.

Auch die Moderne ist in Form zahlreichere Street Art Kunstwerke stark vertreten. Als Teil einer Gruppe konnte ich mich leider nicht absondern und detaillierter in die Stadtgeschichte eintauchen und auf die Besonderheiten eingehen.

Experiencia 43

Ein bisschen ausserhalb der Stadt findet sich die Produktionsstätte von Licor 43. In den letzen Jahren wurde hier die Experiencia 43 erschaffen, die es nicht nur möglich macht die Fabrik zu besichtigen, sondern auch ein kleines Museum beherbergt, dass die Entstehungsgeschichte von Licor 43 beleuchtet. Die Grundrezeptur geht wohl auf ein römisches Getränk zurück. Von der heutigen Rezeptur die aus 43 Zutaten besteht sind nur 5 bekannt – Vanille, Tee, Koriander, Zitrone und Orange.

Im Rahmen meiner Besichtigungstour durfte ich die einzelnen Produkte verkosten und am Ende meinen eigenen Cocktail mixen – mit Zutaten, die zuvor im Garten gesammelt wurden!

Zurück in die Bronzezeit

Korsika hat, geschichtlich gesehen, nicht nur Napoleon Bonaparte zu bieten – sondern auch einige Zeugnisse aus der Bronzezeit.

Die touristisch am Besten erschlossene Stätte findet sich in Filitosa: der bronzezeitlichen Hauptstadt der Insel. Hierbei handelt es sich um die größte erhaltene Anlage Korsikas. Der Eintritt zur Anlage beträgt 7€ – für 4€ mehr erhält man zusätzlich ein kleines Heftchen mit weiterführenden Infos zum Thema. Der Ort ist seit der Bronzezeit (2200 – 800 v. Chr.) besiedelt. Das Highlight der Anlage ist das Zentralmonument, das mitten in den Besiedlungsspuren liegt. Es besteht aus mehreren rund angeordneten Menhiren (Hinkelsteinen). Die Steine sind alle bearbeitet – fast alle tragen Gesichter und Waffen. Die genaue Bedeutung der Steine ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Als relativ sicher gilt jedoch, dass sie in Zusammenhang mit kultischen Handlungen oder Beisetzungen stehen. Neben den Menhiren finden sich an diesem Ort noch weitere interessante Gesteinsformationen.

Nach dem Besuch der Fundstätte bietet es sich an, dass prähistorische Museum in Sartene zu besuchen um das Gesehene zu komplettieren. Hier sind weiter Funde aus Filitosa und Cauria ausgestellt. In den 4€ Eintritt enthalten war zum Zeitpunkt meines Besuchs auch eine Sonderausstellung, die sich voll und ganz den Menhiren der Insel gewidmet hat.

Das Städtchen Sartene hat neben dem Museum noch mehr zu bieten. Jeden Tag wird sie von Touristen überschwemmt, die durch die kleinen und verwinkelten Gassen flanieren.

Auf der Fahrt zurück nach Ajaccio bietet es sich an einen Abstecher an den Strand zu machen. Rund um Propriano hat man zahlreiche zur Auswahl – der Plage de Portigliolo zeichnet sich durch 3km langen feinen Sandstrand  aus. Wenn man nicht direkt am Zugang bleibt, hat man den Strand fast für sich alleine.

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Plage de Portigliolo

Auf König Minos Spuren

Bei der Besichtigung der antiken Stätte Knossos (Κνωσσός) gilt: Der frühe Vogel fängt den Wurm! Wer nicht mit einer größeren Gruppe, die durch einen Reiseführer organisiert ist, anreist muss mit einer hohen Wartezeit am Kassenhäuschen rechnen.

Der Eintrittspreis von 16€ beinhaltet zusätzlich auch noch das Museum in Heraklion. Für mich, als studierte Archäologin, hatten die vielen bunten Restaurierungen doch starken Disneyland Charakter. An mehreren Stellen ragen leuchtend rot bemalte Säulen in den Himmel. Auch die Fresken sind so stark nachbearbeitet, dass es auf den ersten Blick sehr schwer erkennbar ist, wobei es sich um antik erhaltenes Material handelt und was nachträglich zur Verdeutlichung betoniert wurde. Je länger man zwischen den Touristenmassen wandelt, desto „romantischer“ wird die Vorstellung des archaischen König Minos, der von einer der zahlreichen Terrassen auf sein Reich hinab blickt. Die Besichtigung von Faistos am Vortag macht es für mich einfacher, sich die antiken Teile der Anlage zurück ins Gedächtnis zu rufen.

Der nächste Stop führt natürlich, wie schon angekündigt, ins archäologische Museum von Heraklion. Hier sind nicht nur die Originale der bemalten Friese aus Knossos zu sehen, sondern auch der Diskus aus Faistos. Dabei handelt es sich um einen der bedeutendsten Funde der Bronzezeit – er ist mit zahlreichen Darstellungen von Menschen,Tieren und Pflanzen bedruckt. Hierbei handelt es sich um ein Einzelstück, dessen kulturelle Bedeutung oder Leserichtung umstritten ist.

Der Tag klingt mit einem Bummel durch die Stadt Heraklion (Ηράκλειο) aus. Touristische Höhepunkte sind hierbei der Löwenplatz, Bembo-Brunnen oder die venezianische Loggia. Besonders am Löwenplatz findet man viele fliegende Händler oder Pantomime, die in mir das Gefühl auslösen meine Tasche fester am Körper zu tragen und ständig im Auge zu behalten. Leider kann man hier nur noch wenige Überbleibsel der historischen Altstadt bewundern, da die Stadt während des zweiten Weltkrieges von der Wehrmacht komplett ausgebombt wurde.

Steine über Steine….


Faistos – Matala – Moni Arkadi

Φαιστός – Μάταλα – Μονή Αρκαδίου


 Heute ist vor allem die richtige Schreibweise wichtig. Auf der Suche nach der minoischen Palastanlage Faistos (Φαιστός), habe ich mich erst einmal richtig schön verfahren. Auf deutsch wird der Palast auch gerne Festos genannt – wenn man das jedoch im Navi eingibt landet man bei einem Stausee mitten im nirgendwo…

Nach 20 Minuten Umweg stand ich dann aber  doch an der Kasse zum richtigen Palast (8€ Eintritt). Zunächst öffnet sich der Blick auf eine große Platzanlage mit großer Treppe im Auslauf. Aufgrund des Alters der Stätte ist erwartungsgemäß nicht mehr recht viel zu besichtigen. Nur die königlichen Gemächer sind durch eine Überdachung geschützt und relativ gut erhalten. Der hintere Teil, mit der Hauptfassade waren leider für Besucher gesperrt – einige Stellen waren durch Planen abgedeckt, was auf eine Restauration oder andere bestehende Arbeiten hindeutet. Die bedeutendsten archäologischen Funde befinden sich im Museum in Heraklion.

Von der Anhöhe von Faistos geht es weiter an den Strand von Matala (Μάταλα). Gleich hinter einem großen Parkplatz öffnet sich der Blick auf das Meer. Am Ende des Sandstrandes erheben sich römische Grabhöhlen, die für 2€ besichtigt werden können. Von den Höhlen sind nur noch die Einbuchtungen zwischen den überall hin und her kletternden Besuchern zu sehen. In den 70er Jahren wurde diesen nochmals neues Leben eingehaucht – einige der Höhlen wurden von Hippies geplündert und bewohnt.

Wiedermal kommt das Highlight des Tages zum Schluß. Der Weg führt mich über kleine verlassene Bergstraßen hinauf zum Kloster Arkadi (Μονή Αρκαδίου). Wie verlassen die Gegend ist sollte mir relativ schnell bewusst werden. Auf der gefühlt kleinsten und einsamsten Schotterstraße der Reise ziehen plötzlich drei aufgesteckte, abgetrennte Ziegenköpfe am Fenster des Autos vorbei. Nach der ersten Erkenntnis, dass der Rest der Ziege fehlt und wirklich nur der Kopf  des Tieres mit buchstäblich Haut und Haaren am Zaun steckt, entschließe ich mich nicht nochmal zurück zu fahren und diese Erlebnis zu dokumentieren. Schließlich fangen Horrorfilme meistens so, oder so ähnlich an… 😅

Doch der Weg nach Arkadiu lohnt sich auf alle Fälle! Durch ein schmales Tor erhascht man bereits einen ersten Blick auf die schöne Klosterkirche. Der ganze Ort strahlt eine besondere Art Ruhe aus, was wahrscheinlich mit dem Wissen um die Geschichte des Ortes zu tun hat. Während der osmanischen Eroberung zählt das Kloster zu einem der wichtigsten Widerstandsorte und ist bis heute ein Nationalsymbol. Im Zuge dieses Widerstands, als der Kampf so gut wie verloren gilt, sprengt sich der letzte verbleibende Mönch mit 300 Frauen und Kindern im Pulvermagazin in die Luft – um sie vor dem drohenden osmanischen Harem zu bewahren. Dieser Ort kann auch heute am Ende des Klosterhofes besichtigt werden. Mir lief ein kleiner kalter Schauer über den Rücken als ich  den noch russigen Wänden gegenüberstand. Der mit schönen Blumen liebevoll bepflanzte Hof und Umgang steht in krassem Gegensatz zur Geschichte des Ortes.