Whale Watching Tour Genua: Begegnung mit Delfinen, Schnabelwalen und einer Meeresschildkröte

Als ich gelesen habe, dass man vor Genuas Küste Whale Watching Touren machen kann, wusste ich das kann ich mir nicht entgehen lassen.


Gebucht habe ich den 4 Stündigen Ausflug via Get your Guide. Auf dem Portal gibt es mehrere Anbieter – nach einer kurzen Recherche habe ich mich für Golfo Paradiso entschieden, da die Tour hier von einem Meeresbiologen begleitet wird und mir das ein gutes Gefühl in Sachen Nachhaltigkeit und Wertschätzung gegenüber den Meerestieren gegeben hat.

Für 4 Stunden bezahlt man 40€ pro Person.


Abfahrt ist am Porto Antico. Das Schiff ist leicht zu finden, da der Kapitän wahlweise Musik oder Durchsagen, die die Tour ankündigen über die Lautsprecher laufen lässt. Um 13:00 Uhr legt das Schiff pünktlich ab und es geht mit großen Hoffnungen hinaus in den Golf von Genua.

Nach dem wir den Hafen hinter uns gelassen haben springen auch schon Streifendelfine in den Wellen des Bootes mit. Das letzte Mal habe ich Delfine in freier Wildbahn als kleines Kind bei einer Fährfahrt in den Urlaub gesehen. Sie schwimmen teilweise ganz nah am Rand des Schiffes entlang, so dass ich das Gefühl hatte, ich hätte sie berühren können, hätte ich meine Hand nur weit genug ins Wasser gestreckt.

Auf der anderen Seite des Boots taucht kurze Zeit später ein Mondfisch auf. Leider konnte ich den nicht richtig erkennen, da die restliche Reisegruppe schlagartig auf eine Seite gerannt ist und mir der Fisch damit verborgen blieb. Ich konnte lediglich die ein oder andere Flosse zwischen den Köpfen erkennen.

Auf etwa Hälfte der Tour wird es auf einmal ganz still auf dem Schiff: Schnabelwale! Eine kleine Gruppe taucht direkt vor uns auf. Nach Aussage des Biologen handelt es sich um eine Mutter-Kind Gruppe. Für mich ist es das erst Mal, dass ich Wale in freier Wildbahn sehen. Ich bin so fasziniert, dass ich jegliches Gefühl für Zeit und meine Umgebung verliere, bis die Tiere wieder im Meer verschwinden.

Wieder fahren wir über das offene Meer auf der Suche nach allem was irgendwie wie ein Flosse aussehen könnte. Dann mahnt der Kapitän zur Stille. Vor uns ist etwas großes im Wasser. Leider haben wir hier kein Glück. Nur ein plätschern und dann ist es still. Die Crew meint, dass es möglicherweise ein Hai gewesen sein könnte. Erfahren werden wir es aber nie, da der Moment viel zu schnell vorbei gewesen ist.

Gegen Ende der Tour kommt es noch zu einer seltenen Sichtung: eine Meeresschildkröte! Mir war nicht einmal bewusst, dass es Schildkröten im Mittelmeer überhaupt gibt. Nach aussagen des Biologen handelt es sich hier um ein junges Exemplar, da sie so gar keine Scheu vor dem Boot zeigt und sehr nah an uns vorbei schwimmt.

Für mich hat sich der Ausflug definitiv gelohnt, auch wenn wir keine großen Wale gesehen haben – was in der Theorie möglich gewesen wäre. Ich würde so etwas auf jeden Fall wieder machen, solange es in Begleitung eines Biologen ist, der die nötigen Infos zu den Sichtungen geben kann und auch die Befindlichkeiten der Tiere einschätzen kann. Wie nah kann man sich nähern, sollte man ganz leise sein um die Tiere nicht zu verschrecken, usw. Glücklich betrete ich knapp 4 Stunden nach Abfahrt wieder festen Boden und wundere mich wie schnell die Zeit auf dem Boot vergangen ist. Die Eindrücke dieses Ausflugs sollten noch mehrere Tage lang nachschwingen.

48 Stunden Genua

Für die größte Stadt Liguriens hatte ich keinen richtigen Plan. Natürlich gab es den ein oder anderen Ort, den ich gerne besichtigen wollte, aber ich habe mir im vorhinein keine Route zurecht gelegt um eine Liste von Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Diesmal wollte ich mich ein wenig treiben lassen.

Und so fing der erste Tag auch an. Vom Hotel aus bringt mich der Bus in die Stadt – zu diesem Zweck habe ich mir die App „AMT Genova“ auf das Handy geladen. Hier kann man sich nicht nur Verbindungen raussuchen, sondern auch gleich das Ticket für den öffentlichen Nahverkehr kaufen. Ein 110 Minuten Ticket kostet 2,20€ und ist meine erste Wahl um in die Stadt und auch wieder raus zum Hotel zu kommen.

Get to know Genua

Dreh- und Angelpunkt ist für mich der Hafen. Von hier aus lasse ich mich durch die Straßen der Stadt treiben. Der erste ganz ehrliche Eindruck, den die Stadt auf mich macht: So richtig schön ist es hier nicht. Alles wirkt er düster, eng und ein wenig herunter gekommen. Erst wenn man ein bisschen mehr ins Zentrum kommt ändert sich dieser Eindruck ein wenig. Plötzlich steht man auf einem großen, offenen Platz an den sich die Einkaufsstraße anschließt. Klar, dass ich hier ein wenig bummeln wollte. Im Ausland versuche ich mich vor allem auf die Geschäfte zu konzentrieren, die es zu Hause nicht gibt – und so bin ich in einem „Kasanova“ Laden gelandet, in dem es allerlei Einrichtungsgegenstände gibt. Am Ende habe ich das Geschäft mit einem faltbaren Waschbecken verlassen, das ich während des voran gegangenen Camping-Urlaubs gut gebrauchen hätte können.

Wer eher nach kulinarischen Highlights sucht, sollte sich eher am Hafen aufhalten. Hier spielt sich das meiste Leben ab und ein Restaurant reiht sich an das nächste.

Für große und kleine Kinder gibt es am Ende des Hafens noch ein kleines Highlight: Die Galeone Neptune. Für 6€ Eintritt kann man das Schiff von oben bis unten erkunden. Erklärt wird hier gar nichts – es handelt sich um den Nachbau einer spanischen Galeone aus dem 17. Jahrhundert. Sie wurde 1985 für den Roman Polanski Film „Piraten“ gebaut und liegt nun in Genuas Hafen vor Anker. Mich hat vor allem die Figur am Bug sehr beeindruckt. Ich hatte bis dahin kein Gefühl für diese Größendimensionen.

Street Art

Wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft, findet fast an jeder Ecke Street Art in der einen oder anderen Form. Das versöhnt mich mit dem zunächst eher negativen ersten Eindruck. Die Stadt hat ihren eigenen Charme, den man nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennt. Also immer mit wachem Blick durch die Städte wandeln – man entdeckt die Schönheit oft erst, wenn man sich Zeit für die Details nimmt.

Regentipp:

Wenn es doch mal regnen sollte, wie am letzten Tag meines Besuchs, dann kann ich das Galata Museo del Mare empfehlen. Hier kann man sich für 17€ Eintritt locker den ganzen Tag aufhalten. Ich muss aber auch sagen, dass ich mir ein wenig mehr davon versprochen hatte.

Das Museum wirkt ein wenig altbacken, es gibt im ersten Teil der Ausstellung sehr viele Gemälde und Nachbildungen von Segelschiffen, genaueres kann ich dazu nicht sagen, da fast alle Hinweistafeln auf Italienisch beschriftet waren. Dazu kommt, dass es sehr schummrig beleuchtet ist. Die ersten beiden der insgesamt vier Stockwerke widmen sich Cristoph Columbus und der Seefahrt des 16. und 17. Jahrhunderts. Auf jeder Etage steht ein Schiff in Originalgröße zur Besichtigung bereit. Für mich wird es erst im dritten Stock mit der Personenschifffahrt des 19.Jahrhunderts und dem Handel mit der neuen Welt spannend. Die Geschichten realer Menschen berühren mich doch mehr als Modellschiffe. In der vierten Etage wird es dann aktuell: Das Thema Migration bis ins Hier und Jetzt wird behandelt. Unter anderem ist ein Ruderboot, mit dem Flüchtlinge über’s Mittelmeer in Italien angekommen sind, ausgestellt. Für mich gleicht es mehr einer Nussschale und ich mag mir gar nicht vorstellen, was die Menschen auf diesem Schiff erlebt haben…

Am Ende der Ausstellung gibt es noch den Hinweis zur Aussichtsplattform auf dem Dach des Museums, welche man sich nicht entgehen lassen sollte. Von hier hat man einen traumhaften Blick über den Hafen und die Stadt.

Als keine Kritikpunkt muss ich anmerken, dass mir das Thema zweiter Weltkrieg völlig gefehlt hat. Ich habe bewusst keine Vitrine zu diesem Thema wahrgenommen. Auch das Thema Ozean inklusive der Tiere und Pflanzen, die hier leben kam auch überhaupt nicht zur Sprache. Bei einem Meeresmuseum hätte ich das zumindest in Teilen erwartet.