Eine Woche in Neapel

Der erste richtige Urlaub nach zwei Jahren Corona Pause führt mich nach Neapel – und es gibt viel zu entdecken. Diesmal habe ich mir eine ganze Woche für den Städtetrip Zeit genommen und hätte mit weiteren Strandtagen und Ausflügen in die Umgebung auch noch länger bleiben können. Im folgenden habe ich vier Tage, die ich nur in Neapel verbracht habe aufgezeichnet.

Den Anreisetag habe ich mit einem Abendspaziergang an der Strandpromenade entlang genutzt, wo man auch sehr gut Essen gehen kann.

Das Bild auf der Seite ist eines der ersten Fotos die ich auf dieser Reise gemacht habe und auch eines meiner liebsten.

Centro Storico

Mein kleines aber feines Bed & Breakfast liegt direkt am Hauptbahnhof. Deshalb ist es für mich nur logisch, dass der erste Weg ins fußläufig erreichbare Centro Storico geht. Die erste Sehenswürdigkeit, die quasi auf dem Weg liegt ist der Duomo. Zusammen mit Basilika Santa Restituta bildet der Dom eine Einheit und ist damit die älteste Kirche in Neapel.

Danach stürze ich mich in das Gewusel der Stadt. Überall findet man kleine Geschäfte die allerlei Souvenirs anbieten. Ein Highlight ist die Schnitzergasse San Gregorio Armeno. Hier gibt es nicht nur klassische Krippenfiguren – wie auf dem Bild rechts zu sehen – sondern auch allerlei Kuriositäten. Neben Holzfiguren des Papstes reihen sich auch Prince, Freddy Mercury und natürlich Diego Maradonna ein. Nach wenigen Stunden in der Stadt ist mir klar Santo Diego ist nicht nur ein Symbol der eingefleischten Fussballfans sonder Teil der Kultur – dazu aber später noch mehr.

Eine Biegung später stehe ich vor dem Kloster Santa Chiara, indem auch heute noch Franziskaner und Klarissen leben geht auf eine Basilika aus dem Jahr 1310 zurück. Der damalige König wünschte sich eine schlichte Kirche, da die Kirchengüter nur der Armenhilfe zugute kommen sollten. Dementsprechend ist der Bau im Vergleich zu anderen Kirchen auch heute noch sehr schlicht gehalten. Das eigentliche Highlight findet sich im Inneren. Der Kreuzgang des Klosters ist in bunter Majolikakunst gestaltet. Die Kacheln leuchten in den Farben Gelb, Grün und Blau. Auf den Sitzbänken sind mythologische, bukolische und maritime Szenen zu bestaunen. Diesen Anblick lässt sich das Kloster bezahlen – der Eintritt beträgt 6€ pro Person.

Bagno Elena

Im Golf von Neapel muss unbedingt auch ein Strandtag drin sein. Durch einen Tipp unseres Gastgebers im Bed & Breakfast Re Diego bin ich auf das Bagno Elena aufmerksam geworden. Außer einem Bikini braucht man an nichts zu denken – Liegen, Sonnenschirme und Handtücher können vor Ort gegen Gebühr (für alles zusammen habe ich 20€ für den ganzen Tag bezahlt) geliehen werden. Da es sich hier um einen Privatstrand handelt hatte ich auch kein mulmiges Gefühl meine Wertsachen allein am Strand zurück zu lassen, während ich im Meer schwimmen war. Das unschuldige Schwimmvergnügen war allerdings schnell beendet, nachdem ich die winzigen Quallen im Wasser entdeckt habe – zum Glück habe ich der Qualle nur den Kopf gestreichelt und die Tentakel nicht berührt. Der nächste Gang ins Meer war dann mit sehr viel offeneren Augen.

Palazzo Reale + Piazza del Plebiscito

Die nächste Station führt über die wahrscheinlich am meisten fotografierte Ubahn Station in Neapel, wenn nicht sogar in ganz Europa – Toledo. Die ganze Metro Linie 1 wurde nach ihrem Ausbau von mehr als 100 Künstlern gestaltet. Das Blau in der Gestaltung repräsentiert das nahe gelegene Meer.

An der Oberfläche angekommen ist es nicht mehr weit bis zur Piazza Plebiscito und dem gegenüberliegenden Palazzo Reale.

Bis 1994 wurde die Fläche der Piazza noch als Parkplatz genutzt – kein Vergleich zu heute! Als ich dort stand fand gerade eine Sportveranstaltung oder ähnliches statt. Im Detail war es für mich von außen nicht zu erkennen worum sich die zahlreichen Stände wirklich drehen. Auf jeden Fall gab es eine Anmeldung und ein Siegerpodest. Wer entlang der ehemaligen Zufahrtsstraße schaut dem öffnet sich der Blick zum Meer hin, am Ende kann man den Vesuv erkennen.

Gegenüber des Platzes befindet sich der imposante Palazzo Reale. Für 10€ Eintrittsgeld pro Person darf man ihn dann auch von innen bewundern. Der Aufgang (2. Bild) ist das erste was einem bei der Internetrecherche entgegen fällt und auch der Teil der meiner Meinung nach am beeindruckendsten ist. Im Obergeschoss führt der Rundgang dann durch die königlichen Empfangs- und Schlafräume. Die großen Spiegel laden mich immer dazu ein, ein verstecktes Selfie zu machen. Die große Terrasse, die einen herrlichen Blick über die Stadt und das Meer bietet war zu dem Zeitpunkt als ich dort war leider für Besucher geschlossen.

spanisches Viertel

Angrenzend an die Piazza Plebiscito findet sich das sogenannte spanische Viertel. Den Namen trägt es, da man sich aufgrund der engen Gassen und zahlreich bunt geschmückten Balkone, die durchaus auch mit Wäsche überladen sein können in die Metropolen Südamerikas katapultiert fühlt.

Am Anfang reihen sich noch Geschäft an Geschäft, wo man von frischem Fisch bis hin zum Badvorleger alles kaufen kann. Je mehr man sich zum Kern des Viertels vorarbeitet desto mehr Restaurants findet man in den Straßen. Die Wände sind mit zahlreichen Graffitis dekoriert. Schnell wird klar: Hier ist nur einer heilig – Diego Maradonna. Der Fussballer gewann 1987 mit dem SCC Neapel die italienische Meisterschaft und ist seitdem nicht mehr aus den Straßen wegzudenken. Zahlreiche Cafes und Restaurants sind mit seinem Bild geschmückt, ab und an findet man auch kleine Aufbauten, die mich an Hausaltäre erinnert haben. Das Highlight sind die auf Wegweisern ausgeschriebenen Maradonna Grafittis. Nachdem man die Straße bergauf gelaufen ist öffnet sie sich zu einem kleinen Platz, der mit zahlreichen Girlanden geschmückt ist. Hier findet sich so etwas wie ein kleiner Schrein, der mit dem Bildnis und zahlreichen Trikots Maradonnas ausgestattet ist. Natürlich kommt auch hier der Kommerz nicht zu kurz. Auf zahlreichen Kleiderstangen werden Maradonna Trikots aus allen Spielzeiten und in allen Größen angeboten.

6 Highlights die man in Pompeii nicht verpassen sollte

Ein weiterer Tagesausflug, den man im Golf von Neapel unbedingt machen sollte ist in den Archäologischen Park von Pompeii. Überall in der Stadt werden Touren dorthin angeboten – nach einiger Recherche bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die eigene Anreise per Zug die günstigste Variante ist. Vom Bahnhof Neapel sind es nur wenige Stationen und etwa eine Halbe- bis Dreiviertelstunde Fahrt für unschlagbare 5,60€ hin und zurück.

Am Bahnhof von Pompeii umgeht man dann am Besten die zahlreichen Touristenführer und angeblichen Ticketshops und begibt sich direkt auf den Weg zum Eingang des Archäologischen Parks. Nach etwa 20 Minuten weg durch die Stadt stehe ich auch schon in der kurzen Schlange am Eingang zum Amphitheater. Der Eintritt in den Park kostet 16€ pro Person. Da ich vor Jahren als Studentin schon einmal in Pompeii war hatte ich meinen alten Führer durch die Ausgrabungsstätte noch und war nicht auf einen Audioguide angewiesen. Im Folgenden habe ich meine 6 Highlights die man unbedingt gesehen haben sollte aufgelistet:

Das Amphitheater

Beim Amphitheater von Pompeii handelt es sich um den ältesten erhalten Bau dieses Art. Im Süden lehnt er sich an die Stadtmauer an, so das diese als Stützmauer für den Zuschauerraum genutzt werden konnte. Das Innere faste etwa 20.000 Personen. Die hohe Brüstung im Inneren, die man im zweiten Bild sehen kann, muss man sich bunt bemalt vorstellen. Dort werden wahrscheinlich Gladiatoren-, Jagdszenen oder Siegesfeiern dargestellt worden sein. Besondere Berühmtheit erreichte das Theater 59 n.Chr. als es zwischen Anhängern benachbarter Mannschaften – heute im Fußball würde man es Derby nennen – zu gewalttätigen Ausschreitungen kam. Da es mehrere Verletzte und sogar Tote zu beklagen gab, beschloss Kaiser Nero das Theater für 10 Jahre für Veranstaltungen zu sperren. Ich kann nur wieder den Vergleich zum heutigen Fußball ziehen: Kaum vorstellbar was passieren würde wenn man Mannschaften für 10 Jahre sperrt, nur weil sich die Fans nicht benehmen können.

Casa del Fauno

Mit 3000 m² Grundfläche ist die Casa del Fauno das größte Wohnhaus der Stadt. Namensgebend ist der im Atrium gefundene Faun, der auf dem ersten Bild zu sehen ist. Das Original befindet sich im Archäologischen Museum von Neapel. Am Ende des Gartens findest sich einen reich dekorierte Exedra. Sie liegt in einer Achse mit dem Eingang und ist der Mittelpunkt des Hauses. Die Säulen werden von korinthischen Kapitellen aus bemaltem Stuck bekrönt. Den Boden ziert – meiner Meinung nach – das schönste und beeindruckendste Mosaik der ganzen Stadt. Gezeigt ist eine Schlachtenszene. Wer sich Zeit nimmt und sie genauer betrachtet stellt fest, dass es sich um den entscheidenden Kampf zwischen Alexander dem Großen und dem persischen Herrscher Dareios handelt. Auch hier findet sich das Original wieder im Archäologischen Museum von Neapel.

Forum, Basilika & Apollontempel

An der Kreuzung der beiden Hauptstraßen liegt das Forum – es ist in seiner Funktion vergleichbar mit heutigen Stadtplätzen. Der Platz verändert sich im Laufe der Jahre immer wieder: Neue Tempel werden errichtet, Ladenlokale kommen hinzu, alte Bauten verschwinden. Auf den Basen entlang der Säulenhallen waren wohl Bildnisse berühmter Bürger aufgestellt – gefunden wurde keine diese Statuen, man nimmt an, dass die Bürger nach dem Vulkanausbruch zurück gekehrt sind und sie entfernt haben. Heute ziert eine moderne Reiterskulptur den Platz, die zumindest ein wenig erahnen lässt wie imposant der Platz mit all seinem Schmuck und den Statuen gewirkt haben muss.

Der wohl wichtigsten Kultbau der Stadt, gleich an das Forum anschließend, war der Apollontempel. Dem Gott zugeordnet werden kann er aufgrund einer gefundenen Bronzestatue – die heute im Original in Neapel zu finden ist. Umgeben ist der Tempel von einem Säulengang, der auf Bild drei zu erkennen ist

Lupanar

Für alle nicht Historiker oder Archäologen ist dieser unscheinbare Bau wohl der interessanteste. Hinter der Bezeichnung Lupanar (lat. lupa = Dirne) verbirgt sich ein Bordell. Es ist das größte und bestgestaltete in Pompeii. Es wird behauptet, dass die Bilder oberhalb der Zimmer die Spezialität der Dame darunter darstellen. Da es sich bei den Zimmern um sehr kleine Räume mit lediglich einem gemauerten Bett als einzigem Einrichtungsgegenstand handelt, erschließt sich für mich die Erotik eher weniger. Mein Eindruck ist, dass hier lediglich niedere Triebe bedient wurden.

Auf einer der nächstgelegenen Hauptstraße findet sich ein Wegweiser in den Steinboden eingemeißelt. Die Spitze der Darstellung zeigt in Richtung des Lupanars. Vor allem bei Führungen geht hier immer ein raunen durch die Gruppe, kurz gefolgt von zahlreichen Klickgeräuschen der Auslösers der Handykameras – so auch bei der amerikanischen Gruppe in die ich durch Zufall hinein geraten bin.

Casa dei Vettii

Die Casa dei Vetti beeindruckt durch ihre reiche Ausgestaltung. Leider war sie bei meinem Besuch – wie auch schon vor 10 Jahren bei meinem ersten Besuch in Pompeii – wegen Renovierungs- und Forschungsarbeiten für Touristen geschlossen. Ich hätte den Fries der Eroten bein der Arbeit gerne einmal live gesehen.

Mysterienvilla

Die Gemälde der Mysterienvilla sind wohl die bekanntesten in ganz Pompeii. Die Villa befindet sich etwas außerhalb der übrigen Anlage, das Gelände fällt zum Meer hin ab. Zum Wohnhaus gehört auch eine Städte für Weinproduktion. Die berühmten im Bild abgelichteten Malereien befinden sich Triclinium des Hauses. Die Deutung ist hoch umstritten. Man kann den Initiationsritus in einen Mysterienkult – daher der moderne Name der Villa – interpretieren, aber auch auch die weibliche Initiation in den Dionysos Kult. Zweiteres gilt nach aktueller Forschungslage als wahrscheinlicher.

Am Ende der Villa gibt es eine kleinen Ausgang vom Gelände. Wer also nicht den ganzen Weg zurück in die Ausgrabungsstätte laufen möchte und wie ich nicht an ein festes Transportmittel gebunden ist, kann hier den archäologischen Park verlassen und das kurze Stück die Strasse entlang zum Bahnhof marschieren. Von hier geht es dann wieder zurück nach Neapel.

1 Tag auf Capri

Wenn man schon Zeit in der Bucht von Neapel verbringt, bietet sich ein Tagesausflug auf die Insel Capri an. Am Hafen werden zahlreiche Touren angeboten. Ich habe mich allerdings dazu entschieden Capri auf eigene Faust zu erkunden.


Anreise über Hafen Beverello

Fähre nach Capri

Kosten Hin und Zurück 43,50€


45 Minuten später stehe ich am Hafen von Capri. Nun gibt es mehrere Möglichkeiten.

  • Inselrundfahrt per Boot (20€)
  • zu Fuß hinauf nach Capri Stadt
  • mit dem Funicolare in die Stadt fahren (10 min, 2€ pro Fahrt)

Um die Entscheidung zu treffen habe ich mich erst einmal in eines der Hafenbistros gesetzt. Was ich unbedingt haben musste war ein Drink, der in einer ausgehöhlten riesigen Zitrone serviert wird. Die stolzen 15€ war mir das Foto aber wert.

Da sich der nicht enden wollende Strom der Touristengruppen Richtung Stadt bewegt hat habe ich mich für einen Bootstour rund um die Insel entschieden. Und ich habe es nicht bereut. Alles was man aus dem Fernsehen und Internet kennt sieht man per Boot so viel besser als von Land aus. Da das Boot zu groß war um die berühmten Grotten zu besichtigen konnte ich nur einen kurzen Blick auf die sogenannte grüne Grotte erhaschen – die blaue Grotte war aufgrund der hohen Wellen leider komplett gesperrt.

Bei der Durchfahrt durch die Faraglioni sagt man, dass was man sich bei einem Kuss wünscht in Erfüllung geht – wahrscheinlich nicht gleich, aber irgendwann bestimmt!

Eine Stunde später komme ich wieder am Startpunkt an. Da die Rückreise per Fähre langsam näher rückt entscheide ich mich die Oberstadt via Funicolare (Zahnradbahn) zu besichtigen. Die einfache Fahrt kostet 2€.

Die Oberstadt besteht soweit ich sehen konnte hauptsächlich aus teuren Designer Boutiquen. Mein Highlight jedoch war die Kunstinstallation „Atalena sulla luna“ von Giacinto Bosco – sie steht quasi direkt am Ausgang der Bahnstation. Eine kurze Pause in einem der Eiscafes kann ich nur bedingt empfehlen: die Plätze eignen sich super um den Troubel von Instagrammern, Touristengruppen und Einheimischen auf sich wirken zu lassen, andererseits habe ich für eine Cola und ein Eis 16€ bezahlt.

Atalena sulla luna – Giacinto Bosco via Liquid Art System