Florenz – Ein Wochenende voller Kunst & Architektur

Ich bin den ganzen Tag in Florenz herumgeschlendert, mit offenem Auge und träumendem Herzen. Sie wissen, das ist meine größte Wonne in dieser Stadt, die mit Recht den Namen la bella verdient. Wenn Italien, wie die Dichter singen, mit einer schönen Frau vergleichbar, so ist Florenz der Blumenstrauß an ihrem Herzen. - Heinrich Heine

… und während man so durch Florenz schlendert kommt man an einem Monument nicht vorbei: dem Duomo. Er ist nicht nur eine der größten Attraktionen der Stadt, in um und auf der man einen ganzen Tag verbringen kann, sondern er dient auch immer als Orientierungspunkt. Ein Ticket für die Crypta, Kuppel und den Campanile hat für mich und das verlängerte Wochenende ausgereicht – vor allem da das Ticket über mehrere Tage versetzt genutzt werden kann. Erster Punkt nach dem Ankommen war die Besichtigung der Kuppel. Über zahlreiche Stufen geht ein über mehrere Etappen bis unter die reich verzierte Kuppel. Dort könnte man sich über einen längeren Zeitraum aufhalten und die verschiedenen biblischen Szenen identifizieren und betrachten. Betonung auf könnte! Der Weg an der Spitze ist sehr schmal, so dass immer nur eine Person im Gang stehen kann, deswegen kann man auch nicht länger stehen bleiben, da die nächsten aus der Gruppe schön hinter einem anstehen und ebenfalls über die Bilder staunen möchte.

Der nächste Tag führt mich dann auf die Kuppel – wieder über zahlreiche Treppen. Auch hier ist der Weg wieder so schmal, dass gerade so zwei Personen nebeneinander vorbei gehen können, was bei Gegenverkehr so seine Herausforderungen mit sich bringt. Oben angekommen werden die Strapazen durch eine traumhafte Aussicht über die Stadt belohnt.

Am letzten Tag geht’s dann hinab in die Crypta, die alten Fundamente und Reliquien bewundern. Kostenlos dazu gibt’s die Abkürzung in den Dom hinein. Man überspringt quasi die Schlange der anderen Touristen und steht mitten im Dom, wo man ihn noch mal von seiner ganzen Schönheit innen betrachten kann. Von außen wird mir das Gebäude immer wieder in der Stadt begegnen.

Neben dem Dom erhebt sich der Campanile, der – genau ihr ahnt es schon – über zahlreiche Stufen erreichbar ist. Besonders schön ist die Aussicht, wenn man das Glück hat, den Sonnenuntergang von oben miterleben kann.

Nächstes Must See auf meiner Florenz Liste sind Michelangelos David, sowie die Uffizien. Für beides hatte ich Tickets im vorhinein, um die Schlangen am Eingang vermeiden zu können.

Der David hat es mir schon angetan, muss ich sagen. Zum einen ist er größer als ich ihn mir vorgestellt hatte und zum anderen steht er so prominent in einer Apsis des Museums, dass man gar nicht anders kann als ihn zu bewundern. Die anderen Exponate im Museum verblassen etwas unter seinem Schein.

Für die Uffizien sollte man sich einen guten Tag einplanen, wenn man wirklich alles besichtigen möchte. Auch hier hatte ich vorab ein Ticket – anders wäre es wahrscheinlich auch nicht möglich gewesen. Die Schlange für meinen Timeslot war relativ lang, wobei ich am Ende doch ziemlich schnell drin war. Highlight hier für mich ist die „Geburt der Venus“ von Boticelli. Überhaupt steht für mich das ganze Museum irgendwie im Zeichen der Venus. Die Schlange an der „Venus di Medici“ war so lang und hat sich so langsam fortbewegt, dass ich mich nicht angestellt habe und nur einen kurzen Blick von einem der Seiteneinblicke über viele Köpfe hinweg erhaschen konnte. In der Bilderserie unten erhält man ein paar Eindrücke, was ich alles besichtigt habe.

Am Ausgang der Uffizien befindet sich die berühmte Ponte Vecchio – und ganz ehrlich schön fand ich die Brücke beim ersten Eindruck nicht. Klar sind die bunten Anbauten ganz niedlich in ihren Pastellfarben, aber schön? Nein, schön finde ich das Bauwerk nicht. Vielleicht schaue ich deshalb auch auf dem Foto unten in die andere Richtung. Der Charm der Brücke zeigt sich erst, wenn man sie überquert – sie ist voller Geschäfte! Vor allem Juweliere geben sich die Klinke in die Hand. Der Schaufensterbummel war wirklich sehr schön, nur leider scheint mein Geschmack ein sehr exquisiter zu sein und ich suche mir instinktiv immer das teuerste Schmuckstück aus. Deshalb sollte es auch beim Schaufensterbummel bleiben.

Wo wir gerade schon bei exquisit sind, habe ich noch einen Geheimtipp für alle Fashion Girlies: das Museo Salvatore Ferragamo! Ganz unscheinbar befindet es sich im Untergeschoss des gleichnamigen Geschäfts nahe der Ponte Vecchio. Erzählt wird die Geschichte von den Anfängen des Gründers und Namensgebers bis hin zur Gegenwart. In der liebevoll kuratierten Ausstellung weht immer der Hauch von altem Hollywood durch die Gänge. Sehr fasziniert war ich von den hölzernen Modellen, die nach den Füßen der Filmstars angefertigt wurden, damit die Schuhe maßgefertigt werden können. Verliebt habe ich mich in die Ballerinas von Grace Kelly, die auch heute noch todschick wären. Der Drang am Ende der Ausstellung Schuhe zu kaufen konnte ich fast nicht unterdrücken – aber die von mir favorisierten Ballerinas werden zu meinem Glück, oder zum Glück meines Geldbeutels, nicht mehr hergestellt.

Last but not least geht es ins Freie. Die Boboli Gärten hinter dem Palazzo Pitti sind eine der bekanntesten Gärten Italiens. Hier findet man zahlreiche Aussichtspunkte, die entweder die Stadt oder die toskanische Landschaft überblicken lassen. Die Landschaft hat es mir ein bisschen mehr angetan und sieht einfach genau so aus wie auf dem Bild in der Küche meiner Eltern, das ich meine halbe Kindheit über bewundert habe. Ich dachte immer auf dem Bild wäre mehr Fiktion als Wahrheit dargestellt – aber es sollte sich rausstellen: die Traumlandschaft aus meiner Kindheit gibt es wirklich! Und sie ist in echt noch schöner als gemalt.

Whale Watching Tour Genua: Begegnung mit Delfinen, Schnabelwalen und einer Meeresschildkröte

Als ich gelesen habe, dass man vor Genuas Küste Whale Watching Touren machen kann, wusste ich das kann ich mir nicht entgehen lassen.


Gebucht habe ich den 4 Stündigen Ausflug via Get your Guide. Auf dem Portal gibt es mehrere Anbieter – nach einer kurzen Recherche habe ich mich für Golfo Paradiso entschieden, da die Tour hier von einem Meeresbiologen begleitet wird und mir das ein gutes Gefühl in Sachen Nachhaltigkeit und Wertschätzung gegenüber den Meerestieren gegeben hat.

Für 4 Stunden bezahlt man 40€ pro Person.


Abfahrt ist am Porto Antico. Das Schiff ist leicht zu finden, da der Kapitän wahlweise Musik oder Durchsagen, die die Tour ankündigen über die Lautsprecher laufen lässt. Um 13:00 Uhr legt das Schiff pünktlich ab und es geht mit großen Hoffnungen hinaus in den Golf von Genua.

Nach dem wir den Hafen hinter uns gelassen haben springen auch schon Streifendelfine in den Wellen des Bootes mit. Das letzte Mal habe ich Delfine in freier Wildbahn als kleines Kind bei einer Fährfahrt in den Urlaub gesehen. Sie schwimmen teilweise ganz nah am Rand des Schiffes entlang, so dass ich das Gefühl hatte, ich hätte sie berühren können, hätte ich meine Hand nur weit genug ins Wasser gestreckt.

Auf der anderen Seite des Boots taucht kurze Zeit später ein Mondfisch auf. Leider konnte ich den nicht richtig erkennen, da die restliche Reisegruppe schlagartig auf eine Seite gerannt ist und mir der Fisch damit verborgen blieb. Ich konnte lediglich die ein oder andere Flosse zwischen den Köpfen erkennen.

Auf etwa Hälfte der Tour wird es auf einmal ganz still auf dem Schiff: Schnabelwale! Eine kleine Gruppe taucht direkt vor uns auf. Nach Aussage des Biologen handelt es sich um eine Mutter-Kind Gruppe. Für mich ist es das erst Mal, dass ich Wale in freier Wildbahn sehen. Ich bin so fasziniert, dass ich jegliches Gefühl für Zeit und meine Umgebung verliere, bis die Tiere wieder im Meer verschwinden.

Wieder fahren wir über das offene Meer auf der Suche nach allem was irgendwie wie ein Flosse aussehen könnte. Dann mahnt der Kapitän zur Stille. Vor uns ist etwas großes im Wasser. Leider haben wir hier kein Glück. Nur ein plätschern und dann ist es still. Die Crew meint, dass es möglicherweise ein Hai gewesen sein könnte. Erfahren werden wir es aber nie, da der Moment viel zu schnell vorbei gewesen ist.

Gegen Ende der Tour kommt es noch zu einer seltenen Sichtung: eine Meeresschildkröte! Mir war nicht einmal bewusst, dass es Schildkröten im Mittelmeer überhaupt gibt. Nach aussagen des Biologen handelt es sich hier um ein junges Exemplar, da sie so gar keine Scheu vor dem Boot zeigt und sehr nah an uns vorbei schwimmt.

Für mich hat sich der Ausflug definitiv gelohnt, auch wenn wir keine großen Wale gesehen haben – was in der Theorie möglich gewesen wäre. Ich würde so etwas auf jeden Fall wieder machen, solange es in Begleitung eines Biologen ist, der die nötigen Infos zu den Sichtungen geben kann und auch die Befindlichkeiten der Tiere einschätzen kann. Wie nah kann man sich nähern, sollte man ganz leise sein um die Tiere nicht zu verschrecken, usw. Glücklich betrete ich knapp 4 Stunden nach Abfahrt wieder festen Boden und wundere mich wie schnell die Zeit auf dem Boot vergangen ist. Die Eindrücke dieses Ausflugs sollten noch mehrere Tage lang nachschwingen.

48 Stunden Genua

Für die größte Stadt Liguriens hatte ich keinen richtigen Plan. Natürlich gab es den ein oder anderen Ort, den ich gerne besichtigen wollte, aber ich habe mir im vorhinein keine Route zurecht gelegt um eine Liste von Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Diesmal wollte ich mich ein wenig treiben lassen.

Und so fing der erste Tag auch an. Vom Hotel aus bringt mich der Bus in die Stadt – zu diesem Zweck habe ich mir die App „AMT Genova“ auf das Handy geladen. Hier kann man sich nicht nur Verbindungen raussuchen, sondern auch gleich das Ticket für den öffentlichen Nahverkehr kaufen. Ein 110 Minuten Ticket kostet 2,20€ und ist meine erste Wahl um in die Stadt und auch wieder raus zum Hotel zu kommen.

Get to know Genua

Dreh- und Angelpunkt ist für mich der Hafen. Von hier aus lasse ich mich durch die Straßen der Stadt treiben. Der erste ganz ehrliche Eindruck, den die Stadt auf mich macht: So richtig schön ist es hier nicht. Alles wirkt er düster, eng und ein wenig herunter gekommen. Erst wenn man ein bisschen mehr ins Zentrum kommt ändert sich dieser Eindruck ein wenig. Plötzlich steht man auf einem großen, offenen Platz an den sich die Einkaufsstraße anschließt. Klar, dass ich hier ein wenig bummeln wollte. Im Ausland versuche ich mich vor allem auf die Geschäfte zu konzentrieren, die es zu Hause nicht gibt – und so bin ich in einem „Kasanova“ Laden gelandet, in dem es allerlei Einrichtungsgegenstände gibt. Am Ende habe ich das Geschäft mit einem faltbaren Waschbecken verlassen, das ich während des voran gegangenen Camping-Urlaubs gut gebrauchen hätte können.

Wer eher nach kulinarischen Highlights sucht, sollte sich eher am Hafen aufhalten. Hier spielt sich das meiste Leben ab und ein Restaurant reiht sich an das nächste.

Für große und kleine Kinder gibt es am Ende des Hafens noch ein kleines Highlight: Die Galeone Neptune. Für 6€ Eintritt kann man das Schiff von oben bis unten erkunden. Erklärt wird hier gar nichts – es handelt sich um den Nachbau einer spanischen Galeone aus dem 17. Jahrhundert. Sie wurde 1985 für den Roman Polanski Film „Piraten“ gebaut und liegt nun in Genuas Hafen vor Anker. Mich hat vor allem die Figur am Bug sehr beeindruckt. Ich hatte bis dahin kein Gefühl für diese Größendimensionen.

Street Art

Wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft, findet fast an jeder Ecke Street Art in der einen oder anderen Form. Das versöhnt mich mit dem zunächst eher negativen ersten Eindruck. Die Stadt hat ihren eigenen Charme, den man nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennt. Also immer mit wachem Blick durch die Städte wandeln – man entdeckt die Schönheit oft erst, wenn man sich Zeit für die Details nimmt.

Regentipp:

Wenn es doch mal regnen sollte, wie am letzten Tag meines Besuchs, dann kann ich das Galata Museo del Mare empfehlen. Hier kann man sich für 17€ Eintritt locker den ganzen Tag aufhalten. Ich muss aber auch sagen, dass ich mir ein wenig mehr davon versprochen hatte.

Das Museum wirkt ein wenig altbacken, es gibt im ersten Teil der Ausstellung sehr viele Gemälde und Nachbildungen von Segelschiffen, genaueres kann ich dazu nicht sagen, da fast alle Hinweistafeln auf Italienisch beschriftet waren. Dazu kommt, dass es sehr schummrig beleuchtet ist. Die ersten beiden der insgesamt vier Stockwerke widmen sich Cristoph Columbus und der Seefahrt des 16. und 17. Jahrhunderts. Auf jeder Etage steht ein Schiff in Originalgröße zur Besichtigung bereit. Für mich wird es erst im dritten Stock mit der Personenschifffahrt des 19.Jahrhunderts und dem Handel mit der neuen Welt spannend. Die Geschichten realer Menschen berühren mich doch mehr als Modellschiffe. In der vierten Etage wird es dann aktuell: Das Thema Migration bis ins Hier und Jetzt wird behandelt. Unter anderem ist ein Ruderboot, mit dem Flüchtlinge über’s Mittelmeer in Italien angekommen sind, ausgestellt. Für mich gleicht es mehr einer Nussschale und ich mag mir gar nicht vorstellen, was die Menschen auf diesem Schiff erlebt haben…

Am Ende der Ausstellung gibt es noch den Hinweis zur Aussichtsplattform auf dem Dach des Museums, welche man sich nicht entgehen lassen sollte. Von hier hat man einen traumhaften Blick über den Hafen und die Stadt.

Als keine Kritikpunkt muss ich anmerken, dass mir das Thema zweiter Weltkrieg völlig gefehlt hat. Ich habe bewusst keine Vitrine zu diesem Thema wahrgenommen. Auch das Thema Ozean inklusive der Tiere und Pflanzen, die hier leben kam auch überhaupt nicht zur Sprache. Bei einem Meeresmuseum hätte ich das zumindest in Teilen erwartet.

Exploring Liguria: Mit dem Oldtimer-Van von Dolceaqua bis nach Genua


Dolceaqua – Ventimiglia – Cervo – Savona – Arenzano – Genua


Wir eröffnen offiziell die Camping Saison! 10 Tage geht es für uns mit dem Feuerwehrbus nach Ligurien – zwischen Genua und der französischen Grenze. Insgesamt haben wir den Trip in vier Etappen aufgeteilt. Da wir in der Vorsaison unterwegs sind haben wir keinen der Campingplätze vorgebucht, was uns ein gewisses Maß an Spontanität in der Planung ermöglicht hat. In der Hauptsaison wäre es wahrscheinlich nicht so einfach gewesen.

Mit unserem Oldtimer-Bus, der im Durchschnitt eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h auf die Strecke bringt, ist eine Anreise an einem Tag ein bisschen utopisch. Deshalb ist der erste Tag des Urlaub nur der Fahrt gewidmet. Wir beginnen bei 10 Grad und Regen und werden den strömenden Regen auch bis Italien nicht los – inklusive Aqua Planning auf der italienischen Autobahn. 570 km geht es durch die Schweiz bis nach Costa Vescovato. Der Campingplatz „La Campeggia“ ist unser Stellplatz für die Nacht. Zu zweit inklusive Strom haben wir 20€ in der Nebensaison bezahlt. Die Anmeldung konnte ich ganz einfach online von unterwegs aus ausfüllen. Wäre das Wetter auch nur ein bisschen besser gewesen, hätten wir abends den Ausblick über die Weinberge genießen können. So haben wir uns, gleich nachdem wir alles angeschlossen hatten, in den Van verzogen und dem Trommeln des Regens auf dem Dach gelauscht. Das Ganze hört sich romantischer an als es gewesen ist. Da wir bis jetzt nur den Boden isoliert haben ist es kalt im Bus – und nach ein paar Stunden merken wir, das der Oldtimer ein Leck hat. Es tropft an der hinteren rechten Ecke leicht, aber stetig ins Innere. Das muss auf jeden Fall bei unserer nächsten Bauphase repariert werden.

Erster Ausflug nach Dolceaqua

Am nächsten Morgen geht der Urlaub dann richtig los. Wir nähern uns dem Startpunkt Ventimiglia mit großen Schritten. Auf dem Weg machen wir einen Halt in Dolceaqua, das in jedem Reiseführer und Reisebericht erwähnt wird. Es handelt sich um ein Dorf, dessen Altstadt an einem Hang gelegen ist. Die kleinen verwinkelten Straßen, die erstmal nur nach oben zu führen scheinen, sind nicht mit dem Auto befahrbar. Deshalb parken wir auf dem großen Parkplatz auf der Altstadtseite des Flusses am Fuß des Dorfes. Ganz oben thront ein Kastell, das grundsätzlich auch besichtigt werden kann – wir kommen zur Mittagszeit an und verpassen den letzten Einlass vor der Mittagspause um eine halbe Stunde. Also tauschen wir wieder in die schmalen Gassen ein. Der Maler Monet wurde ebenfalls von der Ansicht verzaubert und hat mehr oder weniger mein Foto gemalt.

Nach diesem Ausflug und einem ausgiebigen Mittagessen, geht es weiter zum Stellplatz. Wie bleiben etwas außerhalb von Ventimiglia und fahren zum Campingplatz “ Camping por la mar„. Hier zahlen wir inklusive Strom und 18 Minuten warme Dusche 29€. Abends spazieren wir noch kurz hinunter zum Meer und schauen schweigend den Wellen zu.

1. Etappe (Ventimiglia – Cervo)

Eigentlich stand der botanische Garten Hanbury auf meiner Liste. Da wir am vorhergehenden Tag aber etwas spät an unserem Stellplatz angekommen sind, konnten wir den Garten, der nur bis 17:00 Uhr geöffnet hat nicht mehr besuchen. In der ersten Etappe wäre er zu weit abseits der Strecke gelegen um diesen Schlenker zu machen. Das sollte nicht das letzte Mal auf dieser Reise sein, dass ich die Sehenswürdigkeiten, von der Liste die ich im Vorlauf zu Hause gemacht habe, auslassen musste. Viele Dinge sind einfach nicht möglich, wenn man mit einem knapp 5 Meter langen und fast 3 Meter hohen Camping Bus unterwegs ist.

Auf der Strecke nach Cervo gibt es allerdings eine super Alternative für alle Pflanzenliebhaber: Der Giardino Esotico Pallanca. Er liegt direkt an der Straße und wir hätten ihn beim Fahren fast übersehen! Was von Außen eher unscheinbar wirkt ist ein exotischer Garten, der sich über zahlreiche Terrassen auf dem Hügel erstreckt . Es handelt sich um einen privaten Garten, der seit 1989 für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Wir haben 6€ pro Person bezahlt, die sich zumindest für mich als Crazy Plant Lady definitiv gelohnt haben.

Weiter geht die Fahrt und wir erreichen die Stadt San Remo. Hier stehen wir nur im Stau und haben keine Möglichkeit zu parken um die Stadt zu erkunden oder auf der Strandpromenade zu bummeln. Deshalb orientieren wir uns weiter Richtung Leuchtturm am Ende der Stadt. Aber auch dieser ist abgezäunt und kann offensichtlich nicht besichtigt werden. Weiter entlang der Strecke würde das Künstlerdorf Bussana Vecchia warten – da wir am Vortag aber erst in Dolceaqua waren und das im Internet sehr ähnlich ausgesehen hat, haben wir den Ort bewusst ausgelassen. Kurz vor unserem Tagesziel findet sich noch ganz versteckt am Straßenrand und nirgends ausgeschildert das Denkmal für die Gewinner des Radrennes Mailand – San Remo. Es gibt nur eine winzige Parkmöglichkeit, so dass ich nur kurz aus dem Auto gesprungen bin um das Ganze in einem Foto festzuhalten.

An allen kommenden Stränden vorbei fahren wir zu unserem Etappenziel – dem Campingplatz „Camping del Mare„. Der Platz hat einen eigenen Strandzugang, der nur wenige Meter von dem uns zugewiesenen Stellplatz entfernt ist – weil uns der Platz und der Strand so gut gefallen hat bleiben wir eine weiter Nacht stehen und legen einen Strandtag ein. Das Meer ist zwar noch etwas kalt, das hat uns aber nicht wirklich davon abgehalten hinein zu springen.

Hier zahlen wir inklusive heißer Dusche 25€ pro Nacht. Der Strom wird mit 50 Cent pro Kilowattstunde abgerechnet.

2. Etappe (Cervo – Savona)

Auf der Strecke Cervo – Savona hätte der Reiseführer mehrere Sightseeing Tipps parat gehabt – aber wie vorhin schon mal angesprochen gestaltet sich das mit dem Campervan schwierig. Die Parkplatz-Situation war in allen Fällen ziemlich bescheiden.

Aber erst mal zu den Hotspots: Alessio. Hier gäbe es die Mauer der Verliebten zu sehen. Weit und breit gab es in der ganzen Stadt keinen Parkplatz, wo wir unseren Van hätten abstellen können. Auf der Parkplatzsuche sind wir aber dennoch daran vorbei gefahren – und genau in dem Moment streikt meine Kamera! Ich hätte mir gerne die Fliesen an der Wand genauer angesehen. Eine der ältesten trägt die Signatur von Ernest Hemmingway und stammt aus dem Jahr 1951. Am Ende sollte es aber nicht sein.

Ein Stück weiter lockt die Grotte von Borgia Verezzis. Sie ist mehrere Kilometer lang und gilt als farbigste Grotte Italiens. Schon auf dem Satelitenbild – das ich immer zur Parkplatzsuche nutze – war weit und breit keine Parkmöglichkeit zu sehen. Deshalb sind wir diesen Punkt gar nicht erst angefahren.

Nächster Halt Varigotti – oder auch nicht… Der kleine Küstenort ist vor allem für seine bunten Häuser, die sarazenische Einflüsse zeigen, bekannt. Sie dienen als Vorlage für die Häuser im Donald Duck Comic „Donald und die Nacht der Sarazenen“. Parkplatz gab es wieder weit und breit keinen, weshalb wir auch hier nur durch gefahren sind.

Die Strände von Bergeggi würden hier anschließen, aber hier kann man maximal mit dem Roller / Motorrad parken, da alles aus Hotelanlagen oder Strandbädern besteht.

Unseren Platz für die Nacht haben wir dann auf dem Campingplatz Vittoria in Savona gefunden. Hier zahlen wir 37,5€ inklusive Strom. Wir haben einen Platz direkt am Meer ergattert. Der Ausblick aus dem Auto ist einfach traumhaft. Das entschädigt uns für die verpassten Sehenswürdigkeiten. Der Platz hat allerdings auch eine kleine Schattenseite – die sanitären Anlagen sind etwas in die Jahre gekommen. Geduscht habe ich hier nicht und die Toilette war ohne Brille und Toilettenpapier. Für einen kurzen Zwischenstopp ist der Platz total ok, für länger würden wir uns aber eher etwas komfortableres suchen.

3. Etappe ( Savona – Arenzano)

In Savona lockt die Fortezza Priamar. Direkt am Fuß der Festung gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz, auf dem Der Bus sehr gut Platz findet. Die Besichtigung der Fortezza ist kostenlos, lediglich das kleine archäologische Museum kostet 5€ Eintritt. In dem kleinen, aber feinen Museum wird die Geschichte der Stadt ab der Römerzeit abgebildet. Ich fand ein bisschen Schade, dass wir die einzigen Besucher im Museum waren, obwohl die Festung an sich gut besucht war.

Danach geht es schon weiter zum nächsten Stellplatz: Dem Caravan Park The Vesima, direkt zwischen Autobahn und Bahngleisen. Hier zahlen wir 43€ inklusive Strom und warme Dusche. Als Stadtkind haben mich die Geräusche der Straße und der Bahn überhaupt nicht gestört und ich konnte wunderbar schlafen. Besonders schön fanden wir den Zugang zum kleinen Strandabschnitt. Hier waren wir zum 3. Mal im Meer baden und hätten uns auch einen längeren Aufenthalt vorstellen können.

4. Etappe (Arenzano – Genua)

Die letzte Etappe an unseren Zielort Genua ist eher unspektakulär. Da wir in Arenzano schon in einem direkten Vorort von Genua waren, sind wir nur noch durch die Stadt gefahren. Da campen in der Stadt eher schwierig ist, haben wir uns dazu entschieden für die Erkundung Genuas ein Hotel am Stadtrand zu mieten, wo wir unseren Bus gut und sicher abstellen können. Da sich hier dann auch die Art des Reisens ändert, widme ich Genua einen eigenen Blogpost.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unser erster längerer Campingtrip ein voller Erfolg war. Wir sind ein sehr eingespieltes Team, was sich besonders im Aufbau unseres Pavilions zeigt, den wir inzwischen in 5 Minuten auf- oder abgebaut haben. Die wichtige Erkenntnis für mich war, das sich bei dieser Form des Reisens einiges verändert. Sightseeing ist keine große Priorität mehr, die Landschaft rückt weiter in den Vordergrund. Auch Zeit hat einen anderen Stellenwert. Alles ist etwas langsamer und man entschleunigt von Tag zu Tag bis dahin, das ich irgendwann nicht mehr wusste welchen Wochentag wir haben.

Über die Riviera del Brenta nach Padua

Venedig kennt in Venetien jeder, aber habt ihr schon mal von der Riviera del Brenta gehört? Mir sagte das auch nichts, bevor ich mich auf meine Venedig Reise vorbereitet habe – und was soll ich sagen, es hat sich für mich als absoluter Geheimtipp herausgestellt.

Die Riviera del Brenta führt am gleichnamigen Fluss von Venedig bis nach Padua und ist insgesamt 50 Kilometer lang. Nirgends sonst findet man so viele venezianische Villen außerhalb Venedigs – die reichen Kaufleute Venedigs verbrachten die heißen Sommer lieber am kühleren Flussufer. Da die Villen am Kanal so zahlreich sind, habe ich mir die drei für mich interessantesten herausgepickt.

Villa Malcontenta

Die erste auf meiner Route ist die Villa Malcontenta, die es auch auf die UNESCO Kulturerbe Liste geschafft hat. Der Name Malcontenta (die Unzufriedene) leitet sich von einer Grande Dame der Foscari-Familie ab. Sie wurde angeblich hierher verbannt, da sie ihren Mann betrogen haben soll.

Ich habe mich sofort in die Architektur und die Innengestaltung mit den zahlreichen Fresken verliebt und wäre sofort eingezogen. Die zum Wasser ausgerichtete Säulenvorhalle erinnert an einen kleinen antiken Tempel. Die Strafe der Verbannung hat sich wohl doch ganz gut ertragen lassen.


Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 9:00 – 12:00 Uhr & 14:30 – 17:30

Eintritt Erwachsene: 12€


Villa Widmann

Die nächste Villa auf meiner Liste ist die Villa Widmann aus dem 18. Jahrhundert. Sie ist mit einem Obergeschoss, das von einer Galerie umrahmt wird, etwas größer als die Malcontenta. Nördlich des Gebäudes öffnet sich das Areal zu einem großzügigen Park, der zahlreiche Statuen birgt – Nymphen, Götter und Amoretten sind dargestellt. Bis 1984 wurde die Villa von einer Familie bewohnt und ging dann in Staatseigentum über. Highlight des Gebäudes sind die Kerzenleuchter aus Murano-Glas.


Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 10:00 – 13:00 Uhr & 13:30 – 16:30 Uhr

Eintritt Erwachsene: 7€


Villa Pisani

Die Villa Pisani ist die größte und wahrscheinlich historisch bedeutsamste Villa auf der Strecke. Sie wurde im 18. Jahrhundert als Abbild von Versailles erbaut. Insgesamt beherbergt das Gebäude 114 Zimmer. Dogen, Könige und Kaiser gaben sich hier die Klinke in die Hand – unter anderem hat Mussolini hier Hitler zu einem Treffen geladen. Heute ist die Villa, inklusive großem Garten mit Teichen und einem Labyrinth, als Nationalmuseum für die Öffentlichkeit zugängig. Mich hat der Besuch eher an ein Schloss erinnert, als an eine Villa.


Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 9:00 – 20:00 Uhr

Eintritt Erwachsene: 12€


Padua

Von der letzten Villa sind es nur noch 10 km nach Padua. Leider hatte ich nicht so viel Glück mit dem Timing. Als ich gegen 14:00 Uhr dort eintraf, begann gerade die Mittagsruhe und alle Cafes und Museen schlossen für mehrere Stunden. Ich hätte gerne die Cappela degli Scrovegni und ihre prachtvollen Deckenmosaiken bestaunt – nur leider ist es sehr schwierig 2 1/2 Stunden zu überbrücken, wenn man kein geöffnetes Cafe zum verweilen findet. Also mussten die öffentlich zugänglichen Sehenswürdigkeiten her halten, für die man kein Ticket braucht. Zuerst ging es ins Stadtzentrum an den Palazzo della Ragione. Hier wurde gerade der Markt abgebaut und nur noch wenige Stände in der Markthalle hatten geöffnet. Hier wird alles „to go“ verkauft ohne eine Möglichkeit sich zu setzten. Der Platz so wie der darauf folgende Piazza dei Signori sind von defensiver Architektur geprägt. Es gibt keine Bänke auf denen man sich niederlassen könnte. Nachdem ich dann doch noch eine Eisdiele gefunden hatte, die geöffent war habe ich mich kurzerhand, und aufgrund dem Mangels an anderer Möglichkeiten, auf die Stufen der Loggia del Consiglio o della Gran Guardia gesetzt.

Nach dieser kurzen Pause geht es weiter zum Prato della Valle. Der elliptische Park ist ein ehemaliger Sportplatz, der von einem schmalen Kanal eingegrenzt wird. An der Umrandung stehen 78 Statuen, die historische Persönlichkeiten der Stadt Padua ehren sollen.

Venedig in 2 Tagen

Venedig wird normalerweise in vier Stadtviertel aufgeteilt. Dazu kommen dann noch die südlichen Inseln inklusive Lido, sowie die Biennale, die kein eigentliches Viertel ist, aber einen eigenen Absatz verdient hat.

Venedig ist über mehrere Wege zu erreichen. Von München aus liegt man entweder 1 Stunde, fährt knappe 7 Stunden direkt und ohne umzusteigen mit dem Zug, oder sitzt etwa 5 1/2 Stunden mit im Auto, wenn alles ohne Probleme läuft. Ich stand in Italien im Stau und saß insgesamt 8 Stunden bei 34°Grad im Auto, aber es ist ja schließlich Urlaub und von solchen Kleinigkeiten darf man sich die Laune nicht verderben lassen.

Jetzt aber rein ins Geschehen und ab in die einzelnen Stadtviertel:

Dorsoduro

Wer mit Bus, Bahn oder Auto ankommt steht vor der Wahl – zuerst nach Dorsoduro oder nach San Polo. Ich habe mich für Dorsoduro entschieden, da man hier nicht sofort von Touristenmassen durch die Straßen geschoben wird.

Highlight für mich ist hier die Peggy Guggenheim Collection. Nachdem die Erbin ihren Vater auf der Titanic verloren hatte kam sie in Kontakt Dadaisten und beschloss ihr Heim am Canal Grande dem Surrealismus, Expressionismus und Futurismus zu widmen. Sie wurde Mäzenin für zeitgenössische italienische Kunst, die unter Mussolini als entartet eingestuft wurde. Ihre besondere Stellung in Venedigs Geschichte zeigt sich auch darin, dass sie mit einer Außnahmegenehmigung ehrenhalber in ihrem Garten ihre letzte Ruhe finden durfte.

Opening this gallery and its collection to the public during a time when people are fighting for their lives and freedom is a responsibility of which I am fully conscious. This undertaking will serve its purpose only if it succeeds in serving the future instead of recording the past.

Press release on the opening of Art of This Century, New York, 1942

Öffnungszeiten: Mittwoch – Montag 10:00 – 18:00 Uhr

Eintritt Erwachsene: 16€ (Studenten unter 26: 9€)


San Polo & Santa Croce

Wer wie ich gerne über lokale Märkte schlendert sollte für den Rialto Markt schon etwas früher in die Stadt kommen. Der Fischmarkt findet immer Dienstag bis Sonntag 7:00 – 14:00 Uhr statt – je früher man kommt desto mehr gibt es zu bestaunen. Ich war gegen 10:00 Uhr dort und es waren nicht mehr alle Stände besetzt. Zum staunen haben die Marktstände, die ich gesehen habe allemal gereicht. Besonders fasziniert war ich von einem halben Schwertfisch in der der Auslage oder noch lebende Krabben ein Stück weiter.

Vom Markt ist es nur ein Katzensprung bis zur Rialto Brücke. Für mich ist diese Sehenswürdigkeit eine von denen, die von der Ferne viel schöner sind, als wenn man wirklich darauf herum zu läuft. Dazu kommen die Menschenmassen, die einen über die Brücke schieben – man hat das Gefühl man kann nicht einfach stehen bleiben und im Verweilen den Augenblick genießen. An den beiden Enden der Brücke folgen auch schon die vielen Souvenirständen, wo ich vielleicht auch kurz mal schwach geworden bin. Auf der anderen Seite der Brücke beginnt dann auch schon die Einkaufsstraße von Venedig mit den bekannten Namen für den kleineren aber auch großen Geldbeutel.

San Marco

Weiter geht’s zum wahrscheinlich bekanntesten und überfülltesten Stadtteil Venedigs: San Marco. Hier kommen vor allem alle Kulturinteressierten auf ihre kosten. Schon vom Vaporetto (öffentlicher Nahverkehr via Boot) aus sieht man die Spitzen der Basilika, die alles andere überscheint. Die Pracht der Basilika di San Marco ist unüberroffen.

Wer nicht sein Herz stärker klopfen fühlt, wenn er auf dem Markusplatz steht, der lasse sich begraben, denn er ist tot, unwiederbringlich tot.

Franz Grillparzer

Einer Legende nach schmuggelten venezianische Kaufleute den Leichnam des hl. Markus im 9. Jhd. nach Venedig und errichteten ihm eine Basilika. Das heutige Bauwerk stammt aus dem Jahr 1094.
Die 1,6m hohe Quadriga in der Mitte stammt aus Rom – wahrscheinlich von einem Triumphbogen oder dem Mausoleum Kaiser Hadrians. Sie wiegen über 800kg. Die Portale an der Vorderseite sind von Steinbögen bekrönt in denen glänzende Mosaike angebracht sind – besonders abends glänzen die goldenen Steinchen in voller Pracht.

Gleich nebenan in Richtung des Canal Grande öffnet sich der Platz hin zum Palazzo Ducale. Hierbei handelt es sich um den offiziellen Sitz des Dogen der ab dem 14. Jahrhundert sein heutiges Erscheinungsbild trägt. Mehr als sieben Jahrhunderte lang saß hier die venezianische Regierung und überstand so einige Stürme und Zusammenbrüche. Eine der bekanntesten Persönlicheiten der Stadt war hier auf dem Dachboden eingesperrt: Giacomo Casanova – bekannterweise konnte er von hier entkommen.


Öffnungszeiten: täglich 09:00 – 19:00 Uhr

Eintritt Erwachsene: 30€ (wer sich schon 30Tage vor seinem Besuch sicher ist und online Tickets kauft spart 5€)


Cannaregio

Cannaregio hat nicht die Anziehung der Touristischen Hotspots – hier findet man vor allem Wohnhäuser in einem Mix zwischen herrschaftlichen Palazzi und schlichten Häusern durchzogen von kleinen Kanälen.

Ein Highlight bietet dieses „normale“ Stadtviertel aus touristischer Sicht aber doch: das jüdische Ghetto. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert war hier das jüdische Viertel ausgewiesen. Wer tiefer in die jüdische Geschichte Venedigs eintauchen will, der sollte das Museum Ebraico besuchen. Der Besuch des Museums kann mit einer Führung kombiniert werden, die die Besichtigung der Synagogen des Ghettos beinhaltet.


Öffnungszeiten: Sonntag – Freitag 10:00 – 18:00 Uhr

Führungen immer stündlichen ab 10:30 Uhr

Eintritt Erwachsene: 12€, mit Führung 15€


Lido

Wer wie ich im Hochsommer bei über 30°Grad in Venedig unterwegs ist, braucht nach dem ganzen Sightseeing auch mal eine Abkühlung. Wie gut, dass die Stadt ihre eigene Lido Insel hat – das Beste daran mit dem Vaporetto Tagesticket kommt man ganz easy zur gleichnamigen Anlegestelle. Zunächst sieht das Ganze so gar nicht nach Sandstrand aus. Der Anleger spült einen auf einen belebten Busbahnhof mit Hauptstraße dahinter. Sobald man diese überquert hat wird das Strandgefühl aber mit jedem Schritt spürbarer. Es reihen sich, neben Eisdielen und Cafes, kleine Kioske an der Straße auf , die allerlei Krimskrams verkaufen, den man für den Strand brauchen könnte – Sonnenbrillen und -hüte, Handtücher und Luftmatrazen.

Nach etwa 10 Minuten Fußweg erreiche ich den Strandabschnitt. Hier stellt sich nun nur noch eine Frage: kostenpflichtiges Strandbad oder Free Beach? Da ich nur ein Handtuch in der Tasche hatte und die Sonne erbarmungslos und ohne Wolken in Sicht vom Himmel gebrannt hat, habe ich mich für das Strandbad entschieden. Zwei Liegen und einen Schirm kann man hier für 30€ den ganzen Tag lang mieten. Den Schirm habe ich bitter nötig gebraucht, weshalb ich gerne bereit war den Preis zu bezahlen. Zumal das Strandbad nicht mein tägliches Ziel war, was die Sache dann doch unnötig teuer gemacht hätte. Vor Ort ist es auch möglich seine Wertgegenstände in einen Spint zu sperren, so dass man sorgenlos im Meer planschen kann.

Noch ein kleiner Tipp am Rande: Badeschuhe sind eine super Investition. Sie sind zwar meistens nicht besonders stylisch, aber glühend heißer Sand unter den nackten Füßen ist für mich meistens keine Option. Der Abschnitt im Meer erfordert an sich eigentlich kein besonders Schuhwerk – der Weg hin und zurück sind das Hindernis.

Biennale

Zu guter Letz wäre dann da noch die Biennale – die an sich kein eigenes Stadtviertel hat, meiner Meinung nach aber einen eigenen Abschnitt verdient hat.

Seit 1907 findet die Biennale jedes Jahr statt. Der Schwerpunkt wechselt jedes Jahr zwischen Kunst ( in geraden Jahren) und Architektur (in ungeraden Jahren). Aktuell findet gerade die Architekturbiennale unter dem Titel „The Laboratory of the Future“ statt. Sie ist die erste große Ausstellung dieser Art, die den Weg zur Klimaneutralität in der Praxis erprobt, sowie die Themen Dekolonisierung und Dekarbonisierung anspricht.

The Laboratory of the Future is an exhibition in six parts. It includes 89 participants, over half of whom are from Africa or the African Diaspora. The gender balance is 50/50, and the average age of all participants is 43, dropping to 37 in the Curator’s Special Projects, where the youngest is 24. 46% of participants count education as a form of practice, and, for the first time ever, nearly half of participants are from sole or individual practices of five people or less. Across all the parts of The Laboratory of the Future, over 70% of exhibits are by practices run by an individual or a very small team. (…)”

https://universes.art/de/biennale-venedig/2023-architecture

Eine Woche in Neapel

Der erste richtige Urlaub nach zwei Jahren Corona Pause führt mich nach Neapel – und es gibt viel zu entdecken. Diesmal habe ich mir eine ganze Woche für den Städtetrip Zeit genommen und hätte mit weiteren Strandtagen und Ausflügen in die Umgebung auch noch länger bleiben können. Im folgenden habe ich vier Tage, die ich nur in Neapel verbracht habe aufgezeichnet.

Den Anreisetag habe ich mit einem Abendspaziergang an der Strandpromenade entlang genutzt, wo man auch sehr gut Essen gehen kann.

Das Bild auf der Seite ist eines der ersten Fotos die ich auf dieser Reise gemacht habe und auch eines meiner liebsten.

Centro Storico

Mein kleines aber feines Bed & Breakfast liegt direkt am Hauptbahnhof. Deshalb ist es für mich nur logisch, dass der erste Weg ins fußläufig erreichbare Centro Storico geht. Die erste Sehenswürdigkeit, die quasi auf dem Weg liegt ist der Duomo. Zusammen mit Basilika Santa Restituta bildet der Dom eine Einheit und ist damit die älteste Kirche in Neapel.

Danach stürze ich mich in das Gewusel der Stadt. Überall findet man kleine Geschäfte die allerlei Souvenirs anbieten. Ein Highlight ist die Schnitzergasse San Gregorio Armeno. Hier gibt es nicht nur klassische Krippenfiguren – wie auf dem Bild rechts zu sehen – sondern auch allerlei Kuriositäten. Neben Holzfiguren des Papstes reihen sich auch Prince, Freddy Mercury und natürlich Diego Maradonna ein. Nach wenigen Stunden in der Stadt ist mir klar Santo Diego ist nicht nur ein Symbol der eingefleischten Fussballfans sonder Teil der Kultur – dazu aber später noch mehr.

Eine Biegung später stehe ich vor dem Kloster Santa Chiara, indem auch heute noch Franziskaner und Klarissen leben geht auf eine Basilika aus dem Jahr 1310 zurück. Der damalige König wünschte sich eine schlichte Kirche, da die Kirchengüter nur der Armenhilfe zugute kommen sollten. Dementsprechend ist der Bau im Vergleich zu anderen Kirchen auch heute noch sehr schlicht gehalten. Das eigentliche Highlight findet sich im Inneren. Der Kreuzgang des Klosters ist in bunter Majolikakunst gestaltet. Die Kacheln leuchten in den Farben Gelb, Grün und Blau. Auf den Sitzbänken sind mythologische, bukolische und maritime Szenen zu bestaunen. Diesen Anblick lässt sich das Kloster bezahlen – der Eintritt beträgt 6€ pro Person.

Bagno Elena

Im Golf von Neapel muss unbedingt auch ein Strandtag drin sein. Durch einen Tipp unseres Gastgebers im Bed & Breakfast Re Diego bin ich auf das Bagno Elena aufmerksam geworden. Außer einem Bikini braucht man an nichts zu denken – Liegen, Sonnenschirme und Handtücher können vor Ort gegen Gebühr (für alles zusammen habe ich 20€ für den ganzen Tag bezahlt) geliehen werden. Da es sich hier um einen Privatstrand handelt hatte ich auch kein mulmiges Gefühl meine Wertsachen allein am Strand zurück zu lassen, während ich im Meer schwimmen war. Das unschuldige Schwimmvergnügen war allerdings schnell beendet, nachdem ich die winzigen Quallen im Wasser entdeckt habe – zum Glück habe ich der Qualle nur den Kopf gestreichelt und die Tentakel nicht berührt. Der nächste Gang ins Meer war dann mit sehr viel offeneren Augen.

Palazzo Reale + Piazza del Plebiscito

Die nächste Station führt über die wahrscheinlich am meisten fotografierte Ubahn Station in Neapel, wenn nicht sogar in ganz Europa – Toledo. Die ganze Metro Linie 1 wurde nach ihrem Ausbau von mehr als 100 Künstlern gestaltet. Das Blau in der Gestaltung repräsentiert das nahe gelegene Meer.

An der Oberfläche angekommen ist es nicht mehr weit bis zur Piazza Plebiscito und dem gegenüberliegenden Palazzo Reale.

Bis 1994 wurde die Fläche der Piazza noch als Parkplatz genutzt – kein Vergleich zu heute! Als ich dort stand fand gerade eine Sportveranstaltung oder ähnliches statt. Im Detail war es für mich von außen nicht zu erkennen worum sich die zahlreichen Stände wirklich drehen. Auf jeden Fall gab es eine Anmeldung und ein Siegerpodest. Wer entlang der ehemaligen Zufahrtsstraße schaut dem öffnet sich der Blick zum Meer hin, am Ende kann man den Vesuv erkennen.

Gegenüber des Platzes befindet sich der imposante Palazzo Reale. Für 10€ Eintrittsgeld pro Person darf man ihn dann auch von innen bewundern. Der Aufgang (2. Bild) ist das erste was einem bei der Internetrecherche entgegen fällt und auch der Teil der meiner Meinung nach am beeindruckendsten ist. Im Obergeschoss führt der Rundgang dann durch die königlichen Empfangs- und Schlafräume. Die großen Spiegel laden mich immer dazu ein, ein verstecktes Selfie zu machen. Die große Terrasse, die einen herrlichen Blick über die Stadt und das Meer bietet war zu dem Zeitpunkt als ich dort war leider für Besucher geschlossen.

spanisches Viertel

Angrenzend an die Piazza Plebiscito findet sich das sogenannte spanische Viertel. Den Namen trägt es, da man sich aufgrund der engen Gassen und zahlreich bunt geschmückten Balkone, die durchaus auch mit Wäsche überladen sein können in die Metropolen Südamerikas katapultiert fühlt.

Am Anfang reihen sich noch Geschäft an Geschäft, wo man von frischem Fisch bis hin zum Badvorleger alles kaufen kann. Je mehr man sich zum Kern des Viertels vorarbeitet desto mehr Restaurants findet man in den Straßen. Die Wände sind mit zahlreichen Graffitis dekoriert. Schnell wird klar: Hier ist nur einer heilig – Diego Maradonna. Der Fussballer gewann 1987 mit dem SCC Neapel die italienische Meisterschaft und ist seitdem nicht mehr aus den Straßen wegzudenken. Zahlreiche Cafes und Restaurants sind mit seinem Bild geschmückt, ab und an findet man auch kleine Aufbauten, die mich an Hausaltäre erinnert haben. Das Highlight sind die auf Wegweisern ausgeschriebenen Maradonna Grafittis. Nachdem man die Straße bergauf gelaufen ist öffnet sie sich zu einem kleinen Platz, der mit zahlreichen Girlanden geschmückt ist. Hier findet sich so etwas wie ein kleiner Schrein, der mit dem Bildnis und zahlreichen Trikots Maradonnas ausgestattet ist. Natürlich kommt auch hier der Kommerz nicht zu kurz. Auf zahlreichen Kleiderstangen werden Maradonna Trikots aus allen Spielzeiten und in allen Größen angeboten.

6 Highlights die man in Pompeii nicht verpassen sollte

Ein weiterer Tagesausflug, den man im Golf von Neapel unbedingt machen sollte ist in den Archäologischen Park von Pompeii. Überall in der Stadt werden Touren dorthin angeboten – nach einiger Recherche bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die eigene Anreise per Zug die günstigste Variante ist. Vom Bahnhof Neapel sind es nur wenige Stationen und etwa eine Halbe- bis Dreiviertelstunde Fahrt für unschlagbare 5,60€ hin und zurück.

Am Bahnhof von Pompeii umgeht man dann am Besten die zahlreichen Touristenführer und angeblichen Ticketshops und begibt sich direkt auf den Weg zum Eingang des Archäologischen Parks. Nach etwa 20 Minuten weg durch die Stadt stehe ich auch schon in der kurzen Schlange am Eingang zum Amphitheater. Der Eintritt in den Park kostet 16€ pro Person. Da ich vor Jahren als Studentin schon einmal in Pompeii war hatte ich meinen alten Führer durch die Ausgrabungsstätte noch und war nicht auf einen Audioguide angewiesen. Im Folgenden habe ich meine 6 Highlights die man unbedingt gesehen haben sollte aufgelistet:

Das Amphitheater

Beim Amphitheater von Pompeii handelt es sich um den ältesten erhalten Bau dieses Art. Im Süden lehnt er sich an die Stadtmauer an, so das diese als Stützmauer für den Zuschauerraum genutzt werden konnte. Das Innere faste etwa 20.000 Personen. Die hohe Brüstung im Inneren, die man im zweiten Bild sehen kann, muss man sich bunt bemalt vorstellen. Dort werden wahrscheinlich Gladiatoren-, Jagdszenen oder Siegesfeiern dargestellt worden sein. Besondere Berühmtheit erreichte das Theater 59 n.Chr. als es zwischen Anhängern benachbarter Mannschaften – heute im Fußball würde man es Derby nennen – zu gewalttätigen Ausschreitungen kam. Da es mehrere Verletzte und sogar Tote zu beklagen gab, beschloss Kaiser Nero das Theater für 10 Jahre für Veranstaltungen zu sperren. Ich kann nur wieder den Vergleich zum heutigen Fußball ziehen: Kaum vorstellbar was passieren würde wenn man Mannschaften für 10 Jahre sperrt, nur weil sich die Fans nicht benehmen können.

Casa del Fauno

Mit 3000 m² Grundfläche ist die Casa del Fauno das größte Wohnhaus der Stadt. Namensgebend ist der im Atrium gefundene Faun, der auf dem ersten Bild zu sehen ist. Das Original befindet sich im Archäologischen Museum von Neapel. Am Ende des Gartens findest sich einen reich dekorierte Exedra. Sie liegt in einer Achse mit dem Eingang und ist der Mittelpunkt des Hauses. Die Säulen werden von korinthischen Kapitellen aus bemaltem Stuck bekrönt. Den Boden ziert – meiner Meinung nach – das schönste und beeindruckendste Mosaik der ganzen Stadt. Gezeigt ist eine Schlachtenszene. Wer sich Zeit nimmt und sie genauer betrachtet stellt fest, dass es sich um den entscheidenden Kampf zwischen Alexander dem Großen und dem persischen Herrscher Dareios handelt. Auch hier findet sich das Original wieder im Archäologischen Museum von Neapel.

Forum, Basilika & Apollontempel

An der Kreuzung der beiden Hauptstraßen liegt das Forum – es ist in seiner Funktion vergleichbar mit heutigen Stadtplätzen. Der Platz verändert sich im Laufe der Jahre immer wieder: Neue Tempel werden errichtet, Ladenlokale kommen hinzu, alte Bauten verschwinden. Auf den Basen entlang der Säulenhallen waren wohl Bildnisse berühmter Bürger aufgestellt – gefunden wurde keine diese Statuen, man nimmt an, dass die Bürger nach dem Vulkanausbruch zurück gekehrt sind und sie entfernt haben. Heute ziert eine moderne Reiterskulptur den Platz, die zumindest ein wenig erahnen lässt wie imposant der Platz mit all seinem Schmuck und den Statuen gewirkt haben muss.

Der wohl wichtigsten Kultbau der Stadt, gleich an das Forum anschließend, war der Apollontempel. Dem Gott zugeordnet werden kann er aufgrund einer gefundenen Bronzestatue – die heute im Original in Neapel zu finden ist. Umgeben ist der Tempel von einem Säulengang, der auf Bild drei zu erkennen ist

Lupanar

Für alle nicht Historiker oder Archäologen ist dieser unscheinbare Bau wohl der interessanteste. Hinter der Bezeichnung Lupanar (lat. lupa = Dirne) verbirgt sich ein Bordell. Es ist das größte und bestgestaltete in Pompeii. Es wird behauptet, dass die Bilder oberhalb der Zimmer die Spezialität der Dame darunter darstellen. Da es sich bei den Zimmern um sehr kleine Räume mit lediglich einem gemauerten Bett als einzigem Einrichtungsgegenstand handelt, erschließt sich für mich die Erotik eher weniger. Mein Eindruck ist, dass hier lediglich niedere Triebe bedient wurden.

Auf einer der nächstgelegenen Hauptstraße findet sich ein Wegweiser in den Steinboden eingemeißelt. Die Spitze der Darstellung zeigt in Richtung des Lupanars. Vor allem bei Führungen geht hier immer ein raunen durch die Gruppe, kurz gefolgt von zahlreichen Klickgeräuschen der Auslösers der Handykameras – so auch bei der amerikanischen Gruppe in die ich durch Zufall hinein geraten bin.

Casa dei Vettii

Die Casa dei Vetti beeindruckt durch ihre reiche Ausgestaltung. Leider war sie bei meinem Besuch – wie auch schon vor 10 Jahren bei meinem ersten Besuch in Pompeii – wegen Renovierungs- und Forschungsarbeiten für Touristen geschlossen. Ich hätte den Fries der Eroten bein der Arbeit gerne einmal live gesehen.

Mysterienvilla

Die Gemälde der Mysterienvilla sind wohl die bekanntesten in ganz Pompeii. Die Villa befindet sich etwas außerhalb der übrigen Anlage, das Gelände fällt zum Meer hin ab. Zum Wohnhaus gehört auch eine Städte für Weinproduktion. Die berühmten im Bild abgelichteten Malereien befinden sich Triclinium des Hauses. Die Deutung ist hoch umstritten. Man kann den Initiationsritus in einen Mysterienkult – daher der moderne Name der Villa – interpretieren, aber auch auch die weibliche Initiation in den Dionysos Kult. Zweiteres gilt nach aktueller Forschungslage als wahrscheinlicher.

Am Ende der Villa gibt es eine kleinen Ausgang vom Gelände. Wer also nicht den ganzen Weg zurück in die Ausgrabungsstätte laufen möchte und wie ich nicht an ein festes Transportmittel gebunden ist, kann hier den archäologischen Park verlassen und das kurze Stück die Strasse entlang zum Bahnhof marschieren. Von hier geht es dann wieder zurück nach Neapel.

1 Tag auf Capri

Wenn man schon Zeit in der Bucht von Neapel verbringt, bietet sich ein Tagesausflug auf die Insel Capri an. Am Hafen werden zahlreiche Touren angeboten. Ich habe mich allerdings dazu entschieden Capri auf eigene Faust zu erkunden.


Anreise über Hafen Beverello

Fähre nach Capri

Kosten Hin und Zurück 43,50€


45 Minuten später stehe ich am Hafen von Capri. Nun gibt es mehrere Möglichkeiten.

  • Inselrundfahrt per Boot (20€)
  • zu Fuß hinauf nach Capri Stadt
  • mit dem Funicolare in die Stadt fahren (10 min, 2€ pro Fahrt)

Um die Entscheidung zu treffen habe ich mich erst einmal in eines der Hafenbistros gesetzt. Was ich unbedingt haben musste war ein Drink, der in einer ausgehöhlten riesigen Zitrone serviert wird. Die stolzen 15€ war mir das Foto aber wert.

Da sich der nicht enden wollende Strom der Touristengruppen Richtung Stadt bewegt hat habe ich mich für einen Bootstour rund um die Insel entschieden. Und ich habe es nicht bereut. Alles was man aus dem Fernsehen und Internet kennt sieht man per Boot so viel besser als von Land aus. Da das Boot zu groß war um die berühmten Grotten zu besichtigen konnte ich nur einen kurzen Blick auf die sogenannte grüne Grotte erhaschen – die blaue Grotte war aufgrund der hohen Wellen leider komplett gesperrt.

Bei der Durchfahrt durch die Faraglioni sagt man, dass was man sich bei einem Kuss wünscht in Erfüllung geht – wahrscheinlich nicht gleich, aber irgendwann bestimmt!

Eine Stunde später komme ich wieder am Startpunkt an. Da die Rückreise per Fähre langsam näher rückt entscheide ich mich die Oberstadt via Funicolare (Zahnradbahn) zu besichtigen. Die einfache Fahrt kostet 2€.

Die Oberstadt besteht soweit ich sehen konnte hauptsächlich aus teuren Designer Boutiquen. Mein Highlight jedoch war die Kunstinstallation „Atalena sulla luna“ von Giacinto Bosco – sie steht quasi direkt am Ausgang der Bahnstation. Eine kurze Pause in einem der Eiscafes kann ich nur bedingt empfehlen: die Plätze eignen sich super um den Troubel von Instagrammern, Touristengruppen und Einheimischen auf sich wirken zu lassen, andererseits habe ich für eine Cola und ein Eis 16€ bezahlt.

Atalena sulla luna – Giacinto Bosco via Liquid Art System

Der Ruf der Stille

Über das lange Vatertagswochenende ging es 3 Tage in die Einsamkeit der italienischen Berge. Obwohl drei Tage eigentlich zu viel gesagt ist, wenn man jeweils einen halben Tag mit An- und Abreise verbringt.

Der Ort Falmenta liegt auf etwa 700 m hoch in den Bergen überhalb des Lago Maggiore. Er ist nur durch eine enge, verschlungene Bergstrasse zu erreichen. Überhalb des bewohnten Dorfes liegt die renovierte Hirtenhütte, die in den nächsten Tagen mein Zuhause sein sollte. Schon beim Betreten der Hütte fühlt man sich wie in eine andere Zeit versetzt. Elektrisches Licht bietet den einzigen Luxus. Geschlafen wird in einem Matrazenlager auf der Galerie oberhalb der Küche. Von der Terrasse aus hat man einen zauberhaften Blick in die Wälder – man fühlt sich ein bisschen wie im tropischen Regenwald. Abendunterhaltung bietet ein Lagerfeuer, die Gesellschaft der anderen Mitreisenden und ein atemberaubender Blick in den Sternenhimmel.

Der nächste Tag beginnt mit einem deftigen Frühstück, auf den eine Wanderung zum Hausberg folgt. Von der Hütte aus geht es einen verschlungen Pfad entlang hinauf zu den anderen Hirtensiedlungen. Nach zwei Dörfern biegt der Weg tiefer in den Wald hinein. Der wenig begangene Weg ist schlecht ausgeschildert und von tausenden von Laubblättern bedeckt, die wohl noch aus dem letzten Herbst stammen. Steil geht es einen schmalen Tritt hinauf. Immer wieder trifft man auf verlassen oder verschlossen Hütten – so wie die in der ich das Wochenende verbringe. An einer kleinen Lichtung zweigt sich der kaum noch sichtbare Weg nach rechts und führt auf den Sattel des Bergpasses. Dort erwartet den durstigen Wanderer eine erfrischende Quelle. Rechterhand erhebt sich der besagte Hausberg. Da es leider keine richtigen Wanderwege gibt schein der Berg auch keinen Namen zu haben. Der Aufstieg gestaltet sich dementsprechend schwierig. Kein Weg bedeutet, dass man sich selbst durch Flechten und Gestrüpp kämpfen muss – was sehr anstrengend ist. Die Aussicht belohnt den fleissigen Wanderer – der Blick reicht bis zum Lago Maggiore. Für den Abstieg muss wieder ein eigener Weg gefunden werden. Todesmutig wandere ich durch ein Bienenfeld. Die fielen wilden Bienen tummeln sich in den blühenden Bergblumen. Je länger man auf den Boden starrt, desto mehr Bienen scheinen es zu werden. Da die Tiere aber so sehr mit den Blüten beschäftigt sind, scheren sie sich relativ wenig um den Wanderer. Nur ich musste kurz den Respekt vor so vielen Bienen überwinden. Ab dem Sattel gibt es einen markierten Wanderweg, der zurück nach Falmenta führt.

Am dritten Tag ging es leider schon wieder zurück. Rückblickend, wo ich jetzt auf dem Balkon in der Stadt sitze und der nahegelegenen Hauptstraße lausche, habe ich die Stille sehr genossen. Mein Handy war drei Tage auf Flugmodus geschalten und diente mir nur als Kamera. Als Musik, die ich sonst immer und überall höre, hätte ich das Konzert der Grillen und Vögel. Schon am zweiten Tag war ich dermaßen entschleunigt, dass ich komplett die Zeit vergessen habe. Bei dem allzu gehetzten Stadtleben tun solche kleinen Auszeiten ziemlich gut. Ich hoffe ich kann diese innere Ruhe noch eine Weile in mir tragen, bevor mich der Alltag wieder hat.