Exploring Liguria: Mit dem Oldtimer-Van von Dolceaqua bis nach Genua


Dolceaqua – Ventimiglia – Cervo – Savona – Arenzano – Genua


Wir eröffnen offiziell die Camping Saison! 10 Tage geht es für uns mit dem Feuerwehrbus nach Ligurien – zwischen Genua und der französischen Grenze. Insgesamt haben wir den Trip in vier Etappen aufgeteilt. Da wir in der Vorsaison unterwegs sind haben wir keinen der Campingplätze vorgebucht, was uns ein gewisses Maß an Spontanität in der Planung ermöglicht hat. In der Hauptsaison wäre es wahrscheinlich nicht so einfach gewesen.

Mit unserem Oldtimer-Bus, der im Durchschnitt eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h auf die Strecke bringt, ist eine Anreise an einem Tag ein bisschen utopisch. Deshalb ist der erste Tag des Urlaub nur der Fahrt gewidmet. Wir beginnen bei 10 Grad und Regen und werden den strömenden Regen auch bis Italien nicht los – inklusive Aqua Planning auf der italienischen Autobahn. 570 km geht es durch die Schweiz bis nach Costa Vescovato. Der Campingplatz „La Campeggia“ ist unser Stellplatz für die Nacht. Zu zweit inklusive Strom haben wir 20€ in der Nebensaison bezahlt. Die Anmeldung konnte ich ganz einfach online von unterwegs aus ausfüllen. Wäre das Wetter auch nur ein bisschen besser gewesen, hätten wir abends den Ausblick über die Weinberge genießen können. So haben wir uns, gleich nachdem wir alles angeschlossen hatten, in den Van verzogen und dem Trommeln des Regens auf dem Dach gelauscht. Das Ganze hört sich romantischer an als es gewesen ist. Da wir bis jetzt nur den Boden isoliert haben ist es kalt im Bus – und nach ein paar Stunden merken wir, das der Oldtimer ein Leck hat. Es tropft an der hinteren rechten Ecke leicht, aber stetig ins Innere. Das muss auf jeden Fall bei unserer nächsten Bauphase repariert werden.

Erster Ausflug nach Dolceaqua

Am nächsten Morgen geht der Urlaub dann richtig los. Wir nähern uns dem Startpunkt Ventimiglia mit großen Schritten. Auf dem Weg machen wir einen Halt in Dolceaqua, das in jedem Reiseführer und Reisebericht erwähnt wird. Es handelt sich um ein Dorf, dessen Altstadt an einem Hang gelegen ist. Die kleinen verwinkelten Straßen, die erstmal nur nach oben zu führen scheinen, sind nicht mit dem Auto befahrbar. Deshalb parken wir auf dem großen Parkplatz auf der Altstadtseite des Flusses am Fuß des Dorfes. Ganz oben thront ein Kastell, das grundsätzlich auch besichtigt werden kann – wir kommen zur Mittagszeit an und verpassen den letzten Einlass vor der Mittagspause um eine halbe Stunde. Also tauschen wir wieder in die schmalen Gassen ein. Der Maler Monet wurde ebenfalls von der Ansicht verzaubert und hat mehr oder weniger mein Foto gemalt.

Nach diesem Ausflug und einem ausgiebigen Mittagessen, geht es weiter zum Stellplatz. Wie bleiben etwas außerhalb von Ventimiglia und fahren zum Campingplatz “ Camping por la mar„. Hier zahlen wir inklusive Strom und 18 Minuten warme Dusche 29€. Abends spazieren wir noch kurz hinunter zum Meer und schauen schweigend den Wellen zu.

1. Etappe (Ventimiglia – Cervo)

Eigentlich stand der botanische Garten Hanbury auf meiner Liste. Da wir am vorhergehenden Tag aber etwas spät an unserem Stellplatz angekommen sind, konnten wir den Garten, der nur bis 17:00 Uhr geöffnet hat nicht mehr besuchen. In der ersten Etappe wäre er zu weit abseits der Strecke gelegen um diesen Schlenker zu machen. Das sollte nicht das letzte Mal auf dieser Reise sein, dass ich die Sehenswürdigkeiten, von der Liste die ich im Vorlauf zu Hause gemacht habe, auslassen musste. Viele Dinge sind einfach nicht möglich, wenn man mit einem knapp 5 Meter langen und fast 3 Meter hohen Camping Bus unterwegs ist.

Auf der Strecke nach Cervo gibt es allerdings eine super Alternative für alle Pflanzenliebhaber: Der Giardino Esotico Pallanca. Er liegt direkt an der Straße und wir hätten ihn beim Fahren fast übersehen! Was von Außen eher unscheinbar wirkt ist ein exotischer Garten, der sich über zahlreiche Terrassen auf dem Hügel erstreckt . Es handelt sich um einen privaten Garten, der seit 1989 für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Wir haben 6€ pro Person bezahlt, die sich zumindest für mich als Crazy Plant Lady definitiv gelohnt haben.

Weiter geht die Fahrt und wir erreichen die Stadt San Remo. Hier stehen wir nur im Stau und haben keine Möglichkeit zu parken um die Stadt zu erkunden oder auf der Strandpromenade zu bummeln. Deshalb orientieren wir uns weiter Richtung Leuchtturm am Ende der Stadt. Aber auch dieser ist abgezäunt und kann offensichtlich nicht besichtigt werden. Weiter entlang der Strecke würde das Künstlerdorf Bussana Vecchia warten – da wir am Vortag aber erst in Dolceaqua waren und das im Internet sehr ähnlich ausgesehen hat, haben wir den Ort bewusst ausgelassen. Kurz vor unserem Tagesziel findet sich noch ganz versteckt am Straßenrand und nirgends ausgeschildert das Denkmal für die Gewinner des Radrennes Mailand – San Remo. Es gibt nur eine winzige Parkmöglichkeit, so dass ich nur kurz aus dem Auto gesprungen bin um das Ganze in einem Foto festzuhalten.

An allen kommenden Stränden vorbei fahren wir zu unserem Etappenziel – dem Campingplatz „Camping del Mare„. Der Platz hat einen eigenen Strandzugang, der nur wenige Meter von dem uns zugewiesenen Stellplatz entfernt ist – weil uns der Platz und der Strand so gut gefallen hat bleiben wir eine weiter Nacht stehen und legen einen Strandtag ein. Das Meer ist zwar noch etwas kalt, das hat uns aber nicht wirklich davon abgehalten hinein zu springen.

Hier zahlen wir inklusive heißer Dusche 25€ pro Nacht. Der Strom wird mit 50 Cent pro Kilowattstunde abgerechnet.

2. Etappe (Cervo – Savona)

Auf der Strecke Cervo – Savona hätte der Reiseführer mehrere Sightseeing Tipps parat gehabt – aber wie vorhin schon mal angesprochen gestaltet sich das mit dem Campervan schwierig. Die Parkplatz-Situation war in allen Fällen ziemlich bescheiden.

Aber erst mal zu den Hotspots: Alessio. Hier gäbe es die Mauer der Verliebten zu sehen. Weit und breit gab es in der ganzen Stadt keinen Parkplatz, wo wir unseren Van hätten abstellen können. Auf der Parkplatzsuche sind wir aber dennoch daran vorbei gefahren – und genau in dem Moment streikt meine Kamera! Ich hätte mir gerne die Fliesen an der Wand genauer angesehen. Eine der ältesten trägt die Signatur von Ernest Hemmingway und stammt aus dem Jahr 1951. Am Ende sollte es aber nicht sein.

Ein Stück weiter lockt die Grotte von Borgia Verezzis. Sie ist mehrere Kilometer lang und gilt als farbigste Grotte Italiens. Schon auf dem Satelitenbild – das ich immer zur Parkplatzsuche nutze – war weit und breit keine Parkmöglichkeit zu sehen. Deshalb sind wir diesen Punkt gar nicht erst angefahren.

Nächster Halt Varigotti – oder auch nicht… Der kleine Küstenort ist vor allem für seine bunten Häuser, die sarazenische Einflüsse zeigen, bekannt. Sie dienen als Vorlage für die Häuser im Donald Duck Comic „Donald und die Nacht der Sarazenen“. Parkplatz gab es wieder weit und breit keinen, weshalb wir auch hier nur durch gefahren sind.

Die Strände von Bergeggi würden hier anschließen, aber hier kann man maximal mit dem Roller / Motorrad parken, da alles aus Hotelanlagen oder Strandbädern besteht.

Unseren Platz für die Nacht haben wir dann auf dem Campingplatz Vittoria in Savona gefunden. Hier zahlen wir 37,5€ inklusive Strom. Wir haben einen Platz direkt am Meer ergattert. Der Ausblick aus dem Auto ist einfach traumhaft. Das entschädigt uns für die verpassten Sehenswürdigkeiten. Der Platz hat allerdings auch eine kleine Schattenseite – die sanitären Anlagen sind etwas in die Jahre gekommen. Geduscht habe ich hier nicht und die Toilette war ohne Brille und Toilettenpapier. Für einen kurzen Zwischenstopp ist der Platz total ok, für länger würden wir uns aber eher etwas komfortableres suchen.

3. Etappe ( Savona – Arenzano)

In Savona lockt die Fortezza Priamar. Direkt am Fuß der Festung gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz, auf dem Der Bus sehr gut Platz findet. Die Besichtigung der Fortezza ist kostenlos, lediglich das kleine archäologische Museum kostet 5€ Eintritt. In dem kleinen, aber feinen Museum wird die Geschichte der Stadt ab der Römerzeit abgebildet. Ich fand ein bisschen Schade, dass wir die einzigen Besucher im Museum waren, obwohl die Festung an sich gut besucht war.

Danach geht es schon weiter zum nächsten Stellplatz: Dem Caravan Park The Vesima, direkt zwischen Autobahn und Bahngleisen. Hier zahlen wir 43€ inklusive Strom und warme Dusche. Als Stadtkind haben mich die Geräusche der Straße und der Bahn überhaupt nicht gestört und ich konnte wunderbar schlafen. Besonders schön fanden wir den Zugang zum kleinen Strandabschnitt. Hier waren wir zum 3. Mal im Meer baden und hätten uns auch einen längeren Aufenthalt vorstellen können.

4. Etappe (Arenzano – Genua)

Die letzte Etappe an unseren Zielort Genua ist eher unspektakulär. Da wir in Arenzano schon in einem direkten Vorort von Genua waren, sind wir nur noch durch die Stadt gefahren. Da campen in der Stadt eher schwierig ist, haben wir uns dazu entschieden für die Erkundung Genuas ein Hotel am Stadtrand zu mieten, wo wir unseren Bus gut und sicher abstellen können. Da sich hier dann auch die Art des Reisens ändert, widme ich Genua einen eigenen Blogpost.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unser erster längerer Campingtrip ein voller Erfolg war. Wir sind ein sehr eingespieltes Team, was sich besonders im Aufbau unseres Pavilions zeigt, den wir inzwischen in 5 Minuten auf- oder abgebaut haben. Die wichtige Erkenntnis für mich war, das sich bei dieser Form des Reisens einiges verändert. Sightseeing ist keine große Priorität mehr, die Landschaft rückt weiter in den Vordergrund. Auch Zeit hat einen anderen Stellenwert. Alles ist etwas langsamer und man entschleunigt von Tag zu Tag bis dahin, das ich irgendwann nicht mehr wusste welchen Wochentag wir haben.

Über die Riviera del Brenta nach Padua

Venedig kennt in Venetien jeder, aber habt ihr schon mal von der Riviera del Brenta gehört? Mir sagte das auch nichts, bevor ich mich auf meine Venedig Reise vorbereitet habe – und was soll ich sagen, es hat sich für mich als absoluter Geheimtipp herausgestellt.

Die Riviera del Brenta führt am gleichnamigen Fluss von Venedig bis nach Padua und ist insgesamt 50 Kilometer lang. Nirgends sonst findet man so viele venezianische Villen außerhalb Venedigs – die reichen Kaufleute Venedigs verbrachten die heißen Sommer lieber am kühleren Flussufer. Da die Villen am Kanal so zahlreich sind, habe ich mir die drei für mich interessantesten herausgepickt.

Villa Malcontenta

Die erste auf meiner Route ist die Villa Malcontenta, die es auch auf die UNESCO Kulturerbe Liste geschafft hat. Der Name Malcontenta (die Unzufriedene) leitet sich von einer Grande Dame der Foscari-Familie ab. Sie wurde angeblich hierher verbannt, da sie ihren Mann betrogen haben soll.

Ich habe mich sofort in die Architektur und die Innengestaltung mit den zahlreichen Fresken verliebt und wäre sofort eingezogen. Die zum Wasser ausgerichtete Säulenvorhalle erinnert an einen kleinen antiken Tempel. Die Strafe der Verbannung hat sich wohl doch ganz gut ertragen lassen.


Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 9:00 – 12:00 Uhr & 14:30 – 17:30

Eintritt Erwachsene: 12€


Villa Widmann

Die nächste Villa auf meiner Liste ist die Villa Widmann aus dem 18. Jahrhundert. Sie ist mit einem Obergeschoss, das von einer Galerie umrahmt wird, etwas größer als die Malcontenta. Nördlich des Gebäudes öffnet sich das Areal zu einem großzügigen Park, der zahlreiche Statuen birgt – Nymphen, Götter und Amoretten sind dargestellt. Bis 1984 wurde die Villa von einer Familie bewohnt und ging dann in Staatseigentum über. Highlight des Gebäudes sind die Kerzenleuchter aus Murano-Glas.


Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 10:00 – 13:00 Uhr & 13:30 – 16:30 Uhr

Eintritt Erwachsene: 7€


Villa Pisani

Die Villa Pisani ist die größte und wahrscheinlich historisch bedeutsamste Villa auf der Strecke. Sie wurde im 18. Jahrhundert als Abbild von Versailles erbaut. Insgesamt beherbergt das Gebäude 114 Zimmer. Dogen, Könige und Kaiser gaben sich hier die Klinke in die Hand – unter anderem hat Mussolini hier Hitler zu einem Treffen geladen. Heute ist die Villa, inklusive großem Garten mit Teichen und einem Labyrinth, als Nationalmuseum für die Öffentlichkeit zugängig. Mich hat der Besuch eher an ein Schloss erinnert, als an eine Villa.


Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 9:00 – 20:00 Uhr

Eintritt Erwachsene: 12€


Padua

Von der letzten Villa sind es nur noch 10 km nach Padua. Leider hatte ich nicht so viel Glück mit dem Timing. Als ich gegen 14:00 Uhr dort eintraf, begann gerade die Mittagsruhe und alle Cafes und Museen schlossen für mehrere Stunden. Ich hätte gerne die Cappela degli Scrovegni und ihre prachtvollen Deckenmosaiken bestaunt – nur leider ist es sehr schwierig 2 1/2 Stunden zu überbrücken, wenn man kein geöffnetes Cafe zum verweilen findet. Also mussten die öffentlich zugänglichen Sehenswürdigkeiten her halten, für die man kein Ticket braucht. Zuerst ging es ins Stadtzentrum an den Palazzo della Ragione. Hier wurde gerade der Markt abgebaut und nur noch wenige Stände in der Markthalle hatten geöffnet. Hier wird alles „to go“ verkauft ohne eine Möglichkeit sich zu setzten. Der Platz so wie der darauf folgende Piazza dei Signori sind von defensiver Architektur geprägt. Es gibt keine Bänke auf denen man sich niederlassen könnte. Nachdem ich dann doch noch eine Eisdiele gefunden hatte, die geöffent war habe ich mich kurzerhand, und aufgrund dem Mangels an anderer Möglichkeiten, auf die Stufen der Loggia del Consiglio o della Gran Guardia gesetzt.

Nach dieser kurzen Pause geht es weiter zum Prato della Valle. Der elliptische Park ist ein ehemaliger Sportplatz, der von einem schmalen Kanal eingegrenzt wird. An der Umrandung stehen 78 Statuen, die historische Persönlichkeiten der Stadt Padua ehren sollen.

Venedig in 2 Tagen

Venedig wird normalerweise in vier Stadtviertel aufgeteilt. Dazu kommen dann noch die südlichen Inseln inklusive Lido, sowie die Biennale, die kein eigentliches Viertel ist, aber einen eigenen Absatz verdient hat.

Venedig ist über mehrere Wege zu erreichen. Von München aus liegt man entweder 1 Stunde, fährt knappe 7 Stunden direkt und ohne umzusteigen mit dem Zug, oder sitzt etwa 5 1/2 Stunden mit im Auto, wenn alles ohne Probleme läuft. Ich stand in Italien im Stau und saß insgesamt 8 Stunden bei 34°Grad im Auto, aber es ist ja schließlich Urlaub und von solchen Kleinigkeiten darf man sich die Laune nicht verderben lassen.

Jetzt aber rein ins Geschehen und ab in die einzelnen Stadtviertel:

Dorsoduro

Wer mit Bus, Bahn oder Auto ankommt steht vor der Wahl – zuerst nach Dorsoduro oder nach San Polo. Ich habe mich für Dorsoduro entschieden, da man hier nicht sofort von Touristenmassen durch die Straßen geschoben wird.

Highlight für mich ist hier die Peggy Guggenheim Collection. Nachdem die Erbin ihren Vater auf der Titanic verloren hatte kam sie in Kontakt Dadaisten und beschloss ihr Heim am Canal Grande dem Surrealismus, Expressionismus und Futurismus zu widmen. Sie wurde Mäzenin für zeitgenössische italienische Kunst, die unter Mussolini als entartet eingestuft wurde. Ihre besondere Stellung in Venedigs Geschichte zeigt sich auch darin, dass sie mit einer Außnahmegenehmigung ehrenhalber in ihrem Garten ihre letzte Ruhe finden durfte.

Opening this gallery and its collection to the public during a time when people are fighting for their lives and freedom is a responsibility of which I am fully conscious. This undertaking will serve its purpose only if it succeeds in serving the future instead of recording the past.

Press release on the opening of Art of This Century, New York, 1942

Öffnungszeiten: Mittwoch – Montag 10:00 – 18:00 Uhr

Eintritt Erwachsene: 16€ (Studenten unter 26: 9€)


San Polo & Santa Croce

Wer wie ich gerne über lokale Märkte schlendert sollte für den Rialto Markt schon etwas früher in die Stadt kommen. Der Fischmarkt findet immer Dienstag bis Sonntag 7:00 – 14:00 Uhr statt – je früher man kommt desto mehr gibt es zu bestaunen. Ich war gegen 10:00 Uhr dort und es waren nicht mehr alle Stände besetzt. Zum staunen haben die Marktstände, die ich gesehen habe allemal gereicht. Besonders fasziniert war ich von einem halben Schwertfisch in der der Auslage oder noch lebende Krabben ein Stück weiter.

Vom Markt ist es nur ein Katzensprung bis zur Rialto Brücke. Für mich ist diese Sehenswürdigkeit eine von denen, die von der Ferne viel schöner sind, als wenn man wirklich darauf herum zu läuft. Dazu kommen die Menschenmassen, die einen über die Brücke schieben – man hat das Gefühl man kann nicht einfach stehen bleiben und im Verweilen den Augenblick genießen. An den beiden Enden der Brücke folgen auch schon die vielen Souvenirständen, wo ich vielleicht auch kurz mal schwach geworden bin. Auf der anderen Seite der Brücke beginnt dann auch schon die Einkaufsstraße von Venedig mit den bekannten Namen für den kleineren aber auch großen Geldbeutel.

San Marco

Weiter geht’s zum wahrscheinlich bekanntesten und überfülltesten Stadtteil Venedigs: San Marco. Hier kommen vor allem alle Kulturinteressierten auf ihre kosten. Schon vom Vaporetto (öffentlicher Nahverkehr via Boot) aus sieht man die Spitzen der Basilika, die alles andere überscheint. Die Pracht der Basilika di San Marco ist unüberroffen.

Wer nicht sein Herz stärker klopfen fühlt, wenn er auf dem Markusplatz steht, der lasse sich begraben, denn er ist tot, unwiederbringlich tot.

Franz Grillparzer

Einer Legende nach schmuggelten venezianische Kaufleute den Leichnam des hl. Markus im 9. Jhd. nach Venedig und errichteten ihm eine Basilika. Das heutige Bauwerk stammt aus dem Jahr 1094.
Die 1,6m hohe Quadriga in der Mitte stammt aus Rom – wahrscheinlich von einem Triumphbogen oder dem Mausoleum Kaiser Hadrians. Sie wiegen über 800kg. Die Portale an der Vorderseite sind von Steinbögen bekrönt in denen glänzende Mosaike angebracht sind – besonders abends glänzen die goldenen Steinchen in voller Pracht.

Gleich nebenan in Richtung des Canal Grande öffnet sich der Platz hin zum Palazzo Ducale. Hierbei handelt es sich um den offiziellen Sitz des Dogen der ab dem 14. Jahrhundert sein heutiges Erscheinungsbild trägt. Mehr als sieben Jahrhunderte lang saß hier die venezianische Regierung und überstand so einige Stürme und Zusammenbrüche. Eine der bekanntesten Persönlicheiten der Stadt war hier auf dem Dachboden eingesperrt: Giacomo Casanova – bekannterweise konnte er von hier entkommen.


Öffnungszeiten: täglich 09:00 – 19:00 Uhr

Eintritt Erwachsene: 30€ (wer sich schon 30Tage vor seinem Besuch sicher ist und online Tickets kauft spart 5€)


Cannaregio

Cannaregio hat nicht die Anziehung der Touristischen Hotspots – hier findet man vor allem Wohnhäuser in einem Mix zwischen herrschaftlichen Palazzi und schlichten Häusern durchzogen von kleinen Kanälen.

Ein Highlight bietet dieses „normale“ Stadtviertel aus touristischer Sicht aber doch: das jüdische Ghetto. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert war hier das jüdische Viertel ausgewiesen. Wer tiefer in die jüdische Geschichte Venedigs eintauchen will, der sollte das Museum Ebraico besuchen. Der Besuch des Museums kann mit einer Führung kombiniert werden, die die Besichtigung der Synagogen des Ghettos beinhaltet.


Öffnungszeiten: Sonntag – Freitag 10:00 – 18:00 Uhr

Führungen immer stündlichen ab 10:30 Uhr

Eintritt Erwachsene: 12€, mit Führung 15€


Lido

Wer wie ich im Hochsommer bei über 30°Grad in Venedig unterwegs ist, braucht nach dem ganzen Sightseeing auch mal eine Abkühlung. Wie gut, dass die Stadt ihre eigene Lido Insel hat – das Beste daran mit dem Vaporetto Tagesticket kommt man ganz easy zur gleichnamigen Anlegestelle. Zunächst sieht das Ganze so gar nicht nach Sandstrand aus. Der Anleger spült einen auf einen belebten Busbahnhof mit Hauptstraße dahinter. Sobald man diese überquert hat wird das Strandgefühl aber mit jedem Schritt spürbarer. Es reihen sich, neben Eisdielen und Cafes, kleine Kioske an der Straße auf , die allerlei Krimskrams verkaufen, den man für den Strand brauchen könnte – Sonnenbrillen und -hüte, Handtücher und Luftmatrazen.

Nach etwa 10 Minuten Fußweg erreiche ich den Strandabschnitt. Hier stellt sich nun nur noch eine Frage: kostenpflichtiges Strandbad oder Free Beach? Da ich nur ein Handtuch in der Tasche hatte und die Sonne erbarmungslos und ohne Wolken in Sicht vom Himmel gebrannt hat, habe ich mich für das Strandbad entschieden. Zwei Liegen und einen Schirm kann man hier für 30€ den ganzen Tag lang mieten. Den Schirm habe ich bitter nötig gebraucht, weshalb ich gerne bereit war den Preis zu bezahlen. Zumal das Strandbad nicht mein tägliches Ziel war, was die Sache dann doch unnötig teuer gemacht hätte. Vor Ort ist es auch möglich seine Wertgegenstände in einen Spint zu sperren, so dass man sorgenlos im Meer planschen kann.

Noch ein kleiner Tipp am Rande: Badeschuhe sind eine super Investition. Sie sind zwar meistens nicht besonders stylisch, aber glühend heißer Sand unter den nackten Füßen ist für mich meistens keine Option. Der Abschnitt im Meer erfordert an sich eigentlich kein besonders Schuhwerk – der Weg hin und zurück sind das Hindernis.

Biennale

Zu guter Letz wäre dann da noch die Biennale – die an sich kein eigenes Stadtviertel hat, meiner Meinung nach aber einen eigenen Abschnitt verdient hat.

Seit 1907 findet die Biennale jedes Jahr statt. Der Schwerpunkt wechselt jedes Jahr zwischen Kunst ( in geraden Jahren) und Architektur (in ungeraden Jahren). Aktuell findet gerade die Architekturbiennale unter dem Titel „The Laboratory of the Future“ statt. Sie ist die erste große Ausstellung dieser Art, die den Weg zur Klimaneutralität in der Praxis erprobt, sowie die Themen Dekolonisierung und Dekarbonisierung anspricht.

The Laboratory of the Future is an exhibition in six parts. It includes 89 participants, over half of whom are from Africa or the African Diaspora. The gender balance is 50/50, and the average age of all participants is 43, dropping to 37 in the Curator’s Special Projects, where the youngest is 24. 46% of participants count education as a form of practice, and, for the first time ever, nearly half of participants are from sole or individual practices of five people or less. Across all the parts of The Laboratory of the Future, over 70% of exhibits are by practices run by an individual or a very small team. (…)”

https://universes.art/de/biennale-venedig/2023-architecture

1 Tag auf Capri

Wenn man schon Zeit in der Bucht von Neapel verbringt, bietet sich ein Tagesausflug auf die Insel Capri an. Am Hafen werden zahlreiche Touren angeboten. Ich habe mich allerdings dazu entschieden Capri auf eigene Faust zu erkunden.


Anreise über Hafen Beverello

Fähre nach Capri

Kosten Hin und Zurück 43,50€


45 Minuten später stehe ich am Hafen von Capri. Nun gibt es mehrere Möglichkeiten.

  • Inselrundfahrt per Boot (20€)
  • zu Fuß hinauf nach Capri Stadt
  • mit dem Funicolare in die Stadt fahren (10 min, 2€ pro Fahrt)

Um die Entscheidung zu treffen habe ich mich erst einmal in eines der Hafenbistros gesetzt. Was ich unbedingt haben musste war ein Drink, der in einer ausgehöhlten riesigen Zitrone serviert wird. Die stolzen 15€ war mir das Foto aber wert.

Da sich der nicht enden wollende Strom der Touristengruppen Richtung Stadt bewegt hat habe ich mich für einen Bootstour rund um die Insel entschieden. Und ich habe es nicht bereut. Alles was man aus dem Fernsehen und Internet kennt sieht man per Boot so viel besser als von Land aus. Da das Boot zu groß war um die berühmten Grotten zu besichtigen konnte ich nur einen kurzen Blick auf die sogenannte grüne Grotte erhaschen – die blaue Grotte war aufgrund der hohen Wellen leider komplett gesperrt.

Bei der Durchfahrt durch die Faraglioni sagt man, dass was man sich bei einem Kuss wünscht in Erfüllung geht – wahrscheinlich nicht gleich, aber irgendwann bestimmt!

Eine Stunde später komme ich wieder am Startpunkt an. Da die Rückreise per Fähre langsam näher rückt entscheide ich mich die Oberstadt via Funicolare (Zahnradbahn) zu besichtigen. Die einfache Fahrt kostet 2€.

Die Oberstadt besteht soweit ich sehen konnte hauptsächlich aus teuren Designer Boutiquen. Mein Highlight jedoch war die Kunstinstallation „Atalena sulla luna“ von Giacinto Bosco – sie steht quasi direkt am Ausgang der Bahnstation. Eine kurze Pause in einem der Eiscafes kann ich nur bedingt empfehlen: die Plätze eignen sich super um den Troubel von Instagrammern, Touristengruppen und Einheimischen auf sich wirken zu lassen, andererseits habe ich für eine Cola und ein Eis 16€ bezahlt.

Atalena sulla luna – Giacinto Bosco via Liquid Art System

Der Ruf der Stille

Über das lange Vatertagswochenende ging es 3 Tage in die Einsamkeit der italienischen Berge. Obwohl drei Tage eigentlich zu viel gesagt ist, wenn man jeweils einen halben Tag mit An- und Abreise verbringt.

Der Ort Falmenta liegt auf etwa 700 m hoch in den Bergen überhalb des Lago Maggiore. Er ist nur durch eine enge, verschlungene Bergstrasse zu erreichen. Überhalb des bewohnten Dorfes liegt die renovierte Hirtenhütte, die in den nächsten Tagen mein Zuhause sein sollte. Schon beim Betreten der Hütte fühlt man sich wie in eine andere Zeit versetzt. Elektrisches Licht bietet den einzigen Luxus. Geschlafen wird in einem Matrazenlager auf der Galerie oberhalb der Küche. Von der Terrasse aus hat man einen zauberhaften Blick in die Wälder – man fühlt sich ein bisschen wie im tropischen Regenwald. Abendunterhaltung bietet ein Lagerfeuer, die Gesellschaft der anderen Mitreisenden und ein atemberaubender Blick in den Sternenhimmel.

Der nächste Tag beginnt mit einem deftigen Frühstück, auf den eine Wanderung zum Hausberg folgt. Von der Hütte aus geht es einen verschlungen Pfad entlang hinauf zu den anderen Hirtensiedlungen. Nach zwei Dörfern biegt der Weg tiefer in den Wald hinein. Der wenig begangene Weg ist schlecht ausgeschildert und von tausenden von Laubblättern bedeckt, die wohl noch aus dem letzten Herbst stammen. Steil geht es einen schmalen Tritt hinauf. Immer wieder trifft man auf verlassen oder verschlossen Hütten – so wie die in der ich das Wochenende verbringe. An einer kleinen Lichtung zweigt sich der kaum noch sichtbare Weg nach rechts und führt auf den Sattel des Bergpasses. Dort erwartet den durstigen Wanderer eine erfrischende Quelle. Rechterhand erhebt sich der besagte Hausberg. Da es leider keine richtigen Wanderwege gibt schein der Berg auch keinen Namen zu haben. Der Aufstieg gestaltet sich dementsprechend schwierig. Kein Weg bedeutet, dass man sich selbst durch Flechten und Gestrüpp kämpfen muss – was sehr anstrengend ist. Die Aussicht belohnt den fleissigen Wanderer – der Blick reicht bis zum Lago Maggiore. Für den Abstieg muss wieder ein eigener Weg gefunden werden. Todesmutig wandere ich durch ein Bienenfeld. Die fielen wilden Bienen tummeln sich in den blühenden Bergblumen. Je länger man auf den Boden starrt, desto mehr Bienen scheinen es zu werden. Da die Tiere aber so sehr mit den Blüten beschäftigt sind, scheren sie sich relativ wenig um den Wanderer. Nur ich musste kurz den Respekt vor so vielen Bienen überwinden. Ab dem Sattel gibt es einen markierten Wanderweg, der zurück nach Falmenta führt.

Am dritten Tag ging es leider schon wieder zurück. Rückblickend, wo ich jetzt auf dem Balkon in der Stadt sitze und der nahegelegenen Hauptstraße lausche, habe ich die Stille sehr genossen. Mein Handy war drei Tage auf Flugmodus geschalten und diente mir nur als Kamera. Als Musik, die ich sonst immer und überall höre, hätte ich das Konzert der Grillen und Vögel. Schon am zweiten Tag war ich dermaßen entschleunigt, dass ich komplett die Zeit vergessen habe. Bei dem allzu gehetzten Stadtleben tun solche kleinen Auszeiten ziemlich gut. Ich hoffe ich kann diese innere Ruhe noch eine Weile in mir tragen, bevor mich der Alltag wieder hat.