
Schlagwort: Natur
Der Ruf der Stille
Über das lange Vatertagswochenende ging es 3 Tage in die Einsamkeit der italienischen Berge. Obwohl drei Tage eigentlich zu viel gesagt ist, wenn man jeweils einen halben Tag mit An- und Abreise verbringt.
Der Ort Falmenta liegt auf etwa 700 m hoch in den Bergen überhalb des Lago Maggiore. Er ist nur durch eine enge, verschlungene Bergstrasse zu erreichen. Überhalb des bewohnten Dorfes liegt die renovierte Hirtenhütte, die in den nächsten Tagen mein Zuhause sein sollte. Schon beim Betreten der Hütte fühlt man sich wie in eine andere Zeit versetzt. Elektrisches Licht bietet den einzigen Luxus. Geschlafen wird in einem Matrazenlager auf der Galerie oberhalb der Küche. Von der Terrasse aus hat man einen zauberhaften Blick in die Wälder – man fühlt sich ein bisschen wie im tropischen Regenwald. Abendunterhaltung bietet ein Lagerfeuer, die Gesellschaft der anderen Mitreisenden und ein atemberaubender Blick in den Sternenhimmel.

Blick zur Nachbarhütte 
Ausblick von der Terrasse
Der nächste Tag beginnt mit einem deftigen Frühstück, auf den eine Wanderung zum Hausberg folgt. Von der Hütte aus geht es einen verschlungen Pfad entlang hinauf zu den anderen Hirtensiedlungen. Nach zwei Dörfern biegt der Weg tiefer in den Wald hinein. Der wenig begangene Weg ist schlecht ausgeschildert und von tausenden von Laubblättern bedeckt, die wohl noch aus dem letzten Herbst stammen. Steil geht es einen schmalen Tritt hinauf. Immer wieder trifft man auf verlassen oder verschlossen Hütten – so wie die in der ich das Wochenende verbringe. An einer kleinen Lichtung zweigt sich der kaum noch sichtbare Weg nach rechts und führt auf den Sattel des Bergpasses. Dort erwartet den durstigen Wanderer eine erfrischende Quelle. Rechterhand erhebt sich der besagte Hausberg. Da es leider keine richtigen Wanderwege gibt schein der Berg auch keinen Namen zu haben. Der Aufstieg gestaltet sich dementsprechend schwierig. Kein Weg bedeutet, dass man sich selbst durch Flechten und Gestrüpp kämpfen muss – was sehr anstrengend ist. Die Aussicht belohnt den fleissigen Wanderer – der Blick reicht bis zum Lago Maggiore. Für den Abstieg muss wieder ein eigener Weg gefunden werden. Todesmutig wandere ich durch ein Bienenfeld. Die fielen wilden Bienen tummeln sich in den blühenden Bergblumen. Je länger man auf den Boden starrt, desto mehr Bienen scheinen es zu werden. Da die Tiere aber so sehr mit den Blüten beschäftigt sind, scheren sie sich relativ wenig um den Wanderer. Nur ich musste kurz den Respekt vor so vielen Bienen überwinden. Ab dem Sattel gibt es einen markierten Wanderweg, der zurück nach Falmenta führt.
Am dritten Tag ging es leider schon wieder zurück. Rückblickend, wo ich jetzt auf dem Balkon in der Stadt sitze und der nahegelegenen Hauptstraße lausche, habe ich die Stille sehr genossen. Mein Handy war drei Tage auf Flugmodus geschalten und diente mir nur als Kamera. Als Musik, die ich sonst immer und überall höre, hätte ich das Konzert der Grillen und Vögel. Schon am zweiten Tag war ich dermaßen entschleunigt, dass ich komplett die Zeit vergessen habe. Bei dem allzu gehetzten Stadtleben tun solche kleinen Auszeiten ziemlich gut. Ich hoffe ich kann diese innere Ruhe noch eine Weile in mir tragen, bevor mich der Alltag wieder hat.
Ready, Set Go
Der diesjährige Sommerurlaub führt mich auf die schöne Insel Korsika, vor die Küste Frankreichs. Da es keine bezahlbaren Flüge an den Zielort Ajaccio gab, geht der Flug zunächst nach Bastia. Von dort geht es dann per Auto fast quer über die Insel. Rein kilometertechnisch sind die Strecken von Ort zu Ort nicht so hoch – die Fahrtzeit sagt dann aber etwas anders. Da man sich ständig über Serpentinen auch das Gebirge schlängeln muss ist man ganz schnell bei einer Zeit um die zwei Stunden, obwohl man sich noch nicht weit vom Start entfernt hat.
Auf dem Weg nach Ajaccio gibt es schon einige Sehenswürdigkeiten, die man nicht auslassen sollte. Beispielsweise das Schildkrötendorf bei Montifao (Village des tortues). Die vom Nationalpark geführte Einrichtung kostet 6€ Eintritt und widmet sich ganz der Hermann-Schildkröte. Hierbei handelt es sich um die letzte Landschildkröte Frankreichs, die hier auf Korsika heimisch ist.
Der nächste Stopp sind die Cascades d’Anglais bei Vizzavona. Im Wanderführer ist ein großer Parkplatz als Startpunkt angegeben – dieser war schnell gefunden, aber dann ist es nicht mehr so einfach. Von dort aus ist der Weg leider sehr schlecht ausgeschildert. Deshalb habe ich mich unbewusst für den längeren, anspruchsvolleren Weg über die Ruine Le fort de Vaux entschieden. Die Route beginnt mit einem steilen Anstieg – nach etwa 35-40 Minuten erreicht man dann die kleinen Wasserfälle, die fliessend ineinander über gehen. An den Gumpen ist Vorsicht geboten! Die Steine sind sehr rutschig. Es empfiehlt sich nicht den Wasserlauf zu überqueren. Besser wandert man den Pfad an der rechten Seite nach unten. Der Abstieg wird mit einem Kiosk belohnt. Von dort geht es über eine breite Forststrasse zurück auf die Strasse, welche zum Parkplatz zurück führt.
Die restliche Autofahrt nach Ajaccio ist relativ unspektakulär. Was einem nur schnell auffällt, da es das navigieren erschwert: auf vielen Strassenschildern ist der französische Städtename mit weißer Farbe übermalt, oder den Wegweiser zieren viele Einschusslöcher. Beides sind wohl Ausdruck der Unabhängigkeitsbestrebung Korsikas, die immer mal größere oder kleinere Wellen schlägt.
Rund um das Murnauer Moos
Eine Stunde Zugfahrt von München entfernt steht man im schönen Murnau am Fuße der Berge. Diese dienen heute aber nur als majestätische Kulisse.
Vom Bahnhof aus wende ich mich Richtung Ortszentrum. Im Kurpark wende ich mich dann Richtung Münter-Haus – dabei handelt es sich um ein schönes Häuschen mit blauen Fensterläden, in dem die Künstler des Blauen Reiters Inspiration fanden. Ab hier ist der Rundweg durch das Moos bereits angeschrieben. Start und Ziel ist das Ramsacher Kircherl mit dem kleinen Ausflugsbiergartens Ändl zu seinen Füßen.
Mit ca. 4.200 Hektar handelt es sich bei dieser Moorlandschaft um das größte in sich geschlossene Alpenrandmoor Mitteleuropas. Die Wanderung, die zwischenzeitlich über einen Bohlenweg führt, dauert gute zwei Stunden.







