Da uns die Sommer im Süden in den letzten Jahren zu Heiß für’s Sightseeing waren, wollten wir dieses Jahr mal etwas anderes probieren. Warum nicht an die Ostsee fahren, wo es nicht über 30 Grad heiß wird?
Dann stellt sich schon die nächste Frage: Wenn an die Ostsee, dann wohin? Die Möglichkeiten scheinen auf den ersten Blick endlos. Nachdem wir kurz die Preise verglichen haben, war der deutsche Küstenabschnitt aus dem Rennen – und als mir dann noch ein relativ günstiges Hotelangebot für Danzig in die Hände gefallen ist, war es klar. Es geht im Sommer nach Polen!
Zur Anreise kam für uns am Ende nur das Auto in frage. Die Anreise per Flugzeug ging nicht direkt, es wäre ein Umstieg in Warschau nötig gewesen und auch der Zug hätte viel länger gebraucht und wäre sehr viel teurer und unzuverlässiger gewesen. Also ab ins Auto. Auch hier sind wir nicht den ganzen Weg in einem Stück gefahren, sondern haben einen Stopp zum Übernachten in Berlin eingelegt.
In Danzig angekommen, geht der erste Weg in die Danziger Altstadt um die Lage zu erkunden. Mit dem Hoteleigenen Boot machen wir eine kurze Rundfahrt durch die Stadt bis hin zur Stadtgrenze. Vorbei am alten Kran und dem Riesenrad auf der anderen Flussseite ist uns schnell klar, wir wollen die Stadt unbedingt noch mal zu Wasser entdecken.
Nach der kurzen Bootfahrt erkunden wir die Stadt zu Fuß. Durch eines der großen Stadttore geht es hinein in die historische Altstadt. In einer U-Form flanieren wir am Rathaus, Neptunbrunnen und langem Markt. Immer wieder fallen mir die vielen Bernsteinläden und -stände ins Auge und ich bin mir an Tag eins schon sicher, dass ich das ein oder andere Souvenir von hier mit nach Hause nehmen werde.
Am Ende des Spaziergangs erreichen wir die Plattform von der die verschiedensten Ausflugsdampfer in See stechen. Kurzentschlossen steigen wir auf das Boot, dass uns zur Westerplatte bringt. Kostenlos dazu bekommt man eine Hafenrundfahrt, die die verschiedenen Bauten und Gerätschaften im Hafenbecken erklärt.
Bei der Westerplatte handelt es sich um eine Landzunge, auf der durch den Beschuss eines polnischen Munitionslagers der zweite Weltkrieg begann. Ein 23 Meter hohes Denkmal am Ende der Halbinsel erinnert schon aus weiter Ferne an den polnischen Widerstand. Wir nehmen uns 40 Minuten Zeit um uns umzusehen. Als ich vor dem zerschossenen Munitionslager stehe kommt mir wieder dieses komische Gefühl, das ich öfter an historischen Orten mit einer dunklen Vergangenheit habe. Irgendwie ist mir kalt, obwohl es ein schöner Sommertag ist und irgendwie fühle ich mich bedrückt. Das wird auch nicht besser, wenn wir am Soldatenfriedhof vorbei kommen, der an die jungen Männer erinnert, die hier ihr Leben lassen mussten. Wie in einer anderen Welt fühlt sich dann das fröhliche Treiben am Strand an, der nur wenige Meter außerhalb des Wäldchens beginnt.
Die Geschichte des zweiten Weltkriegs sollte uns auch die nächsten Tage begleiten. Da es am nächsten Morgen regnet, beschließen wir das gleichnamige Museum zu besuchen. Was wir allerdings nicht bedacht hatten, war das wir nicht die einzigen waren, die diesen Plan gefasst hatten. Im Museum werden Tickets mit Zeitfenstern verkauft um den Ansturm in den Griff zu bekommen. Als wir Mittags am Museum ankommen ist der nächste verfügbare Zeitslot 16:00 Uhr. Da wir nicht so lange dort warten wollten habe ich noch in der Schlange zum Ticketschalter online einen Zeitslot für den nächsten Vormittag gebucht. Es empfiehlt sich also diesen Besuch zu planen und im vorhinein schon online ein Ticket zu besorgen.
Also ziehen wir unverrichteter Dinge wieder ab und spazieren zurück in die Altstadt. Auf dem Weg kommen wir am Maritimen Museum vorbei. Das Museum an sich ist kostenlos, nur für den Besuch des Museumsschiffs braucht man ein Ticket. Das Schiff vor der Türe hat uns sehr viel besser gefallen als das in die Jahre gekommene Museum. Das Schiff kann man in einem Rundgang komplett vom Bauch bis hin zum Steuerrad erkunden. Teilweise sind die Treppen ganz schon schmal und steil, so dass ich mich nur rückwärts wieder runter getraut habe.
Neuer Tag, neuer Versuch. Wieder machen wir uns auf den Weg zum Museum des 2. Weltkriegs. Mit vorher gekauften Ticket läuft alles wie geschmiert. Die Schlange am Eingang ist nicht allzu lang und wir sind relativ schnell drin. Ich kann nur jedem den Audioguide ans Herz legen, ohne den wären wir verloren gewesen. Es werden nicht nur Informationen zu den ausgestellten Exponaten geben, sondern auch jeder Film übersetzt, auf Besonderheiten in der Ausstellung hingewiesen und Wegbeschreibungen und Anweisungen gegeben in welcher Reihenfolge man sich die einzelnen Räume anschauen soll. Die umgerechnet 3€ für den Guide haben sich für uns voll und ganz gelohnt. Wir haben gute 3 Stunden in der Ausstellung verbracht, die sich nicht wie 3 Stunden angefühlt haben.
Unseren letzten Tag vor der Abreise verbringen wir in der Satelittenstadt Sopot. Da die Taxipreise im Gegensatz zu Deutschland sehr erschwinglich sind haben wir uns entschieden die 15 – 20€ für die Fahrt von ungefähr 40 Minuten zu investieren und uns vom Taxi direkt an den Strand fahren zu lassen. Zahlreiche Beachclubs säumen den Weg zum Strand und hinter uns erhebt sich ein riesiges Hotel, das vom Glanz vergangener Zeiten zeugt. Die Clubs lassen wir allerdings links liegen und widmen uns der halbrunden Flaniermeile, die mit vielen kleinen und größeren Souvenirshops gespickt ist. Da am Ende doch immer das gleiche angeboten wird und auch allerlei Tand aus Fernost unter den Angebotenen Waren ist werden wir nicht fündig. Lieber zahlen wir 10 Sloty Eintritt für die Seebrücke auf der man nicht nur beobachten kann, wer hier sonst noch so flaniert, sondern es auch zahlreiche Touristendampfer und Yachten zu bestaunen gibt. Nachdem wir uns am Meer satt gesehen haben, machen wir noch einen Schwenk durch die kleine Innenstadt bevor wir wieder nach Danzig fahren.
Food & Drinks
Für unser leibliches Wohl war während der ganzen Reise Bestens gesorgt. Die regionale Küche hat es uns so sehr angetan, dass wir noch im Supermarkt halt machen mussten, um ein paar Zutaten und auch fertige Gerichte mit nach Hause nehmen zu können. Im folgenden kommen nun ein paar Tipps, wo wir essen waren und was wir empfehlen können.
Gdanski Bowke, Dlugie Pobrzeze 11, 80-888 Gdansk: traditionell polnisches, aber auch sehr touristisches Restaurant direkt am Fluss. Ohne Reservierung haben wir gerade noch so einen Platz bekommen. Sehr zu empfehlen ist die gemischte Vorspeisenplatte. Die meisten Gerichte kannte ich, hätte ich aber teilweise nicht in der Kombination gegessen. ⭐⭐⭐💲💲
Chinkalania, Tkacka 7, 80-836 Gdansk: georgisches Restaurant, in dem man bestens beraten wird, was es mit den Speisen auf sich hat, wie sie gegessen werden und in welcher Kombination man am Besten bestellt. Die gefüllten Teigtaschen mit Brühe waren super lecker und ich kann sie nur wärmstens empfehlen. Man bekommt sehr gutes Essen für kleines Geld. ⭐⭐⭐⭐ 💲
Kuchina Aleksandry, Dlugi Tard 11, 80-828 Gdansk: wieder ein sehr touristisches Lokal direkt am langen Markt in der Altstadt. Die Plemeni kamen wieder mit kurzer Einweisung und waren sehr lecker. ⭐⭐⭐💲💲
Tiki Jungle, Piwna 50/51, 80-831 Gdansk: Bei der Suche nach einer Bar fielen mir die Tiki Cocktails aus dem Tiki Jungle gleich ins Auge. Bestellt habe ich einen Skull Cocktail, der in einem gläsernen Totenkopf serviert wird. ⭐⭐⭐⭐ 💲💲
Pierogaria Stary Mlyn, Swietego Ducha 64, 80-834 Gdansk: Restaurant das sich auf Pierogi spezialisiert hat. Pierogen gibt es hier wirklich in allen Formen und Farben. Unbedingt vorher reservieren, zu den Stoßzeiten stehen die Leute vor dem Lokal Schlange. ⭐⭐⭐⭐ 💲💲





