Freilichtmuseum Schliersee – Bier brauen wie vor 300 Jahren

Das Freilichtmuseum

Das Freilichtmuseum Schliersee, das 2007 vom ehemaligen Skifahrer Markus Wasmeier gegründet wurde, versucht ein altbayrisches Dorf nachzubilden. Insgesamt besteht das Dorf aus 5 größeren Gebäuden. Neben dem Wirtshaus, das sich in der Mitte des Areals befindet, sind drei Höfe im Kreis angeordnet. Der erste Hof auf dem Rundweg ist das Handwerkerhaus. Hier erhält man einen Einblick in die Werkstatt einer Schreinerei Schusterei und Brennerei. Darauf folgt der Lukashof, in dem die Ausstellung „Strom im Wandel der Zeit“ gezeigt wird. Gleich dahinter folgt der Riederhof. Dieser Hof ist der einzige, der samt der originalen Inneneinrichtung wieder aufgebaut wurde und enthält eine Getreidekammer, Stallungen, sowie Wohngebäude im ersten Stock. Nun führt der Rundweg ein kleines Stück aus dem Dorf heraus, hin zum Bienenhaus im traditionellen Ständerbau. Das Haus ist besonders schön anzusehen, da die Stirnbretter, vom Kirchen- und Lüftlmaler Günther Wasmeier, mit religiösen Motiven oder Fabeln kunstvoll bemalt wurden. Sie sollen nicht nur schön sein, sondern auch Bienen und Imker vor Krankheit und Unglück bewahren.

Der Weg führt zurück zum Wirtshaus „Zum Wolfen“, an dem auch das Museumsbräu angeschlossen ist, das im zweiten Teil des Beitrags eine größere Rolle spielt. Hinter der Wirtschaft gelang man zum Feld- bzw. Kinderstadel, wo diverse Spiele für Kinder aufgebaut sind. Weiter führt der Weg, wieder hinaus aus dem Kern, zur Kasalm. Von dort führt der Weg wieder zurück zum Behamhof, der als neuester Hof zum Museum gekommen ist. Alle Gebäude wurden dem Museum entweder geschenkt oder von ihm erworben – die originale Bausubstanz wurde am Ursprungsort abgebaut und hier her verlegt. Auch die Tiere des Bauernhofs dürfen im Museum nicht fehlen. Sie blenden ganz natürlich im Umkreis der genannten Höfe ein. 

Das Dorf ist von April bis November, Dienstag bis Sonntag geöffnet. Von München aus ist das Freilichtmuseum ganz einfach mit der BOB zu erreichen. Die Station Fischhausen – Neuhaus befindet sich fast genau gegenüber des Eingangs.

Historischer Braukurs

Das Museum allein ist schon immer einen Besuch wert, aber meiner hatte noch einen besonderen Grund. Ich habe mich zu einem historischen Braukurs angemeldet! Es lohnt sich, sich frühzeitig Gedanken zu machen, wann man diesen Kurs buchen möchte, da er aufgrund von großer Nachfrage meistens sehr schnell ausgebucht ist. Für den Kurs werden zwei verschiedene Varianten angeboten – die zweite, für die ich mich entschieden habe, bietet neben dem Kurs zusätzlich auch den Wiedereintritt ins Museum und zwei abgefüllte Flaschen des selbstgebrauten Bieres.

Ich war Teil einer elfköpfigen Gruppe, die mehrheitlich aus Männern bestand – was sich im Nachhinein als großer Vorteil erwiesen hat.

Morgens um 9.00 Uhr geht’s los: Der Braumeister holt die Gruppe am Eingang des Museums ab und drückt jedem einen Steinkrug und eine Schürze in die Hand, die man am Ende als Souvenir mit nach Hause nehmen kann. Darauf folgt eine kurze Einführung über den Ort an dem man sich befindet, sowie über die einzelnen Gebäude – vorrangiges Thema ist das Wirtshaus „Zum Wofen“, wozu auch die historische Schöpfbrauerei gehört. Hier wird gebraut wie vor 300 Jahren.

In der Brauerei angekommen steht man vor einem Kupferkessel mit ungefähr 1000 l Fassungsvermögen. Er wird durch einen, mit Holz befeuerten, Kamin beheizt. Sobald das Feuer brennt werden Wasser und Maische in den Kessel gegeben. Ab jetzt wird mit den sogenannten Harfen fleißig gerührt – die Maische darf sich nicht auf dem Boden absetzten, da sie sonst anbrennen könnte, was sich im Geschmack des Bieres Wiederspiegeln würde. Das Gemisch muss langsam auf 75°C erhitzt werden. Die ganze Zeit über muss unablässig gerührt werden. Zeitlich dauert dieser Teil etwa 1 1/2 bis 2 Stunden. Ab hier wird einem auch klar, warum die Gruppe aus 11 Mann besteht. Auf längere Zeit ist das Rühren sehr anstrengend und die Männer übernehmen den Löwenanteil! Um das ganze etwas aufzulockern, wird die Gruppe ab der Hälfte geteilt. Der eine Teil darf Frühstücken, während der andere weiter rührt. Danach wird gewechselt.

Wenn das Bier auf Temperatur gebracht wurde folgt der nächste Schritt: Es wird geläutert. Das bedeutet: Die Flüssigkeit muss aus dem Sudkessel in den Läuterbottich geschöpft werden. Im Inneren des Bottichs befindet sich ein metallenes Sieb, das das Bier vom sogenannten Trester trennt. Bis es soweit ist sind allerdings drei Aufgüsse von Nöten. Die abgeläuterte Flüssigkeit wird dann wieder zurück in den Sudkessel geschöpft.

Jetzt muss der Kessel erneut befeuert und das zukünftige Bier auf ungefähr 100°C erhitzt werden. Wenn die Temperatur erreicht worden ist, kommt es zur ersten Hopfengabe. Für den Geschmack des Biers ist nur der feine gelbe Staub der Hopfendolde nötig, die Blätter werden später wieder abgeseiht. Das Gemisch wird die ganze Zeit über weiter erwärmt. Nach etwa 30 Minuten folgt die zweite Hopfengabe. Diesmal bleibt die Zugabe nur kurz im Kessel. Das noch nicht ganz fertige Bier wird über eine lange Holzrinne ins Kühlhaus geleitet. Dort werden, mit Hilfe eines kupfernen Siebs, die Hopfenblätter von der Flüssigkeit getrennt. Zu diesem Zeitpunkt schmeckt das Gemisch sehr süß und malzig.

Das finale Ergebnis des Tagwerks kann man erst in ungefähr 5 -6 Wochen probieren. Solange muss die Flüssigkeit gären und reifen.

Wanderung zur Burgruine Hohenwaldeck

Nur knapp 50 Minuten von München mit dem Zug entfernt liegt Schliersee. Durch das Bayernticket, das man den ganzen Tag für Fahrten innerhalb des Bundeslandes nutzen kann, kommt man sehr günstig hier hin.

Mich verschlägt es hierher nicht nur um die Schönheit und Ruhe des Sees zu genießen, sondern auch um ein bisschen zu wandern. Mein heutiges Ziel – die Burgruine Hohenwaldeck.

Zunächst führt der Weg entlang des Sees. Dann zweigt die Straße ab durch die letzen Häuser vor den Bergen. Entlang der Straße geht es den ersten Hügel hinauf. Dort finden sich dann auch langsam die ersten Hinweisschilder auf die möglichen Wanderwege. Ein Pfeil führt auch zur Burgruine. Schon relativ am Anfang des Weges findet sich ein Hinweisschild das mitteilt, dass die Ruine aktuell wegen Einsturzgefahr gesperrt ist. Da ich aber nicht nach einer halben bis Dreiviertel Stunde Weg unverrichteter Dinge wieder abziehen wollte, bin ich trotzdem hinauf gewandert.

Der Weg führt zunächst eine Straße hinauf, bis diesen in die sanften Hügel einer Almlandschaft führt. Vorbei an grasenden Kühen geht es weiter hinauf. Langsam wird der Weg etwas steiler, der dann hinein in den Wald führt.

Von nun an wandert man stetig den Berghang hinauf. Das sanfte Herbstlicht schein immer mal wieder durch die Bäume des Waldes. Nach ein paar Aussichtsbäncken, die leider alle besetz waren erreicht man die Burgruine. Aktuell ist sie weiträumig mit einem Metallzaun abgesperrt.

Eigentlich kann man hier die Überreste der Burg Hohenwaldeck und die Aussicht auf de benachbarten Berge bestaunen. Die Grundsteine stammen aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert. Ein Felssturz im Jahr 1480 hat die Gebäude zerstört. Das Gerücht, dass hier ein Schatz versteckt sein soll hält sich seit Jahrhunderten. Bis zum heutigen Tag konnte allerdings nur ein einziger Dolch gefunden werden.

Von hieran geht es wieder bergab. Ich dem kurzen Abstieg – die Ruine liegt auf 986m – steht man wieder am Ufer des Schliersees. Dieser ist nun zu umrunden um wieder an den Ausgangspunkt der Wanderung zu gelangen. Ich bin nicht auf der selben Seites des Sees zurück gegangen, auf der ich gekommen bin. Ich habe mich für den Rundweg Richtung Breitenbach entschieden.